Forschende aus Hongkong zeigen mit „InjectEave“, wie sich Audio von Kopfhörern und anderen Geräten per Funk auslesen lässt – sogar durch Wände. Die oft zitierte 30-Meter-Reichweite hat jedoch deutliche Einschränkungen.
Ein Team der Hong Kong University of Science and Technology und der Hong Kong Polytechnic University hat demonstriert, dass Alltagsgeräte wie Kopfhörer, ein Tischtelefon und einige Smart-Home-Geräte ihre Aktivitäten ungewollt preisgeben können. Dazu setzen sie keine Wanze ein, sondern bestrahlen die Geräte gezielt mit einem Funksignal.
Die Technik mit dem Namen InjectEave wurde auf der Sicherheitskonferenz USENIX Security 2026 in Baltimore vorgestellt. Laut Paper sendet das System ein Trägersignal an das Zielgerät. Nichtlineare Bauteile wie Verstärker, Analog-Digital-Wandler, schaltende MOSFETs und Spannungswandler mischen dann das eigentliche Audiosignal auf diesen Träger. Leiterbahnen und Kabel des Geräts strahlen diese gemischten Signale anschließend wieder ab, sodass sie von einem Empfänger erfasst werden können.
Der entscheidende Punkt: Die Lecks entstehen im analogen Signalpfad, also nachdem das Audio bereits im Gerät entschlüsselt wurde. Die Projektseite fasst das so zusammen: „InjectEave ist immun gegen digitale Abwehrmechanismen wie Verschlüsselung, Maskierung und Randomisierung.“ Für drahtlose Kopfhörer spielt es daher keine Rolle, wie gut die Funkverbindung selbst abgesichert ist – angegriffen wird direkt das Signal, das den Lautsprecher ansteuert.
Die Forschenden knüpfen damit an frühere Arbeiten zu durch Störungen ausgelösten Lecks und Impedanz-Backscatter an. Im Unterschied zu historischen Ansätzen wie „Die Sache“ – einem 1945 in die US-Botschaft in Moskau eingeschmuggelten, passiv von außen gespeisten Abhörgerät – muss bei InjectEave jedoch nichts im Zielraum platziert werden.
Für den Versuchsaufbau nutzte das Team ein Software-definiertes Funkgerät vom Typ USRP B210, zwei Antennen, einen Siglent-Spektrumanalysator und einen Laptop. Damit konnte es nach eigenen Angaben „die Mehrheit dieser Geräte aus über zwei Metern Entfernung und durch Wände hindurch abhören, mit einer maximalen Entfernung von 30 Metern für verständliche Kopfhörer-Audioinhalte“.
Diese 30 Meter sind allerdings an Bedingungen geknüpft. Die Forschenden mussten dafür einen teuren Verstärker einsetzen und die Sendeleistung auf 10 Watt erhöhen. Außerdem wurden die Reichweiten unter anderem mit einem Testton ermittelt, dessen Erkennung einfacher ist als die zuverlässige Rekonstruktion gesprochener Sprache. In typischen Szenarien lagen die gemessenen Entfernungen eher im Bereich von ein bis sechs Metern.
Der Aufwand ist zudem nicht unauffällig: Die nötige Funkhardware und Antennen fallen in vielen Umgebungen auf, und der Angriff erfordert ein dauerhaftes Senden des Trägersignals.
InjectEave funktioniert nicht nur mit drahtlosen, sondern auch mit kabelgebundenen Kopfhörern. Hier fanden die Forschenden heraus, dass insbesondere die Soundkarten die Hauptquelle der Lecksignale sind, die über sehr kurze Distanzen zurückgestrahlt werden. Bei kabelgebundenen Headsets kann so auch das Mikrofonsignal betroffen sein.
Bei drahtlosen Kopfhörern ist die Bedrohung etwas eingeschränkt: Der Angriff kann rekonstruieren, was die Nutzer:innen hören, aber nicht, was sie selbst sagen. Zudem muss der oder die Angreifer:in das Zielmodell kennen und ein baugleiches Gerät vorab profilieren. Im Test ließ sich ein einmal erstelltes Profil allerdings problemlos auf drei identische UGreen-Headsets übertragen, was diesen Schritt erleichtert.
Die Forschenden geben an, die Ergebnisse an die betroffenen Hersteller gemeldet zu haben, bislang jedoch ohne Rückmeldung. Aus diesem Grund haben sie in ihren Veröffentlichungen Frequenztabellen entfernt und die Injektionslogik aus dem freigegebenen Code gestrichen. Große Hoffnung auf ein Software-Update besteht nicht, denn ein analoges Leck lässt sich per Firmware nicht schließen, und die konkreten Missbrauchsmöglichkeiten erscheinen derzeit begrenzt.
Via: https://www.techradar.com
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