Die EU-Kommission erwägt eine höhere Abgabe für große Unternehmen. Damit könnte sie mehr Geld von Apple, Meta und Google einnehmen, ohne die Digitalbranche ausdrücklich ins Visier zu nehmen.
Wie die Financial Times unter Berufung auf sechs mit den Gesprächen vertraute Personen berichtet, sucht die Kommission nach zusätzlichen Einnahmen von US-Technologiekonzernen. Eine Abgabe für Unternehmen insgesamt soll verhindern, dass die EU ausschließlich die Tech-Branche belastet. Das könnte die US-Regierung verärgern.
Grundlage der Überlegungen ist ein bestehender Vorschlag namens „Corporate Resource for Europe“, kurz CORE. Demnach müssten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro, die in der EU tätig sind, jedes Jahr einen festen Betrag an den EU-Haushalt zahlen.
Bislang liegen die jährlichen Zahlungen zwischen 100.000 und 750.000 Euro. Für große multinationale Konzerne machen sie nur einen kleinen Teil der Einnahmen aus. Deshalb prüft Brüssel, wie sich mit der Abgabe mehr Geld einnehmen ließe.
Ein EU-Beamter sagte der Financial Times, einige Hauptstädte lehnten eine reine Digitalsteuer ab, weil sie die USA nicht verärgern wollten. Noch mehr Regierungen seien gegen CORE. Der Beamte brachte deshalb eine Ausweitung der Abgabe auf nahezu alle großen Unternehmen ins Gespräch.
So könnte Brüssel Technologiekonzerne stärker belasten, ohne sie ausdrücklich zu nennen. Die Kommission stellte CORE im Juli 2025 als Teil ihrer Suche nach neuen Einnahmequellen für die EU vor. Reuters zufolge zeigten damals durchgesickerte Entwürfe, dass eine auf US-Technologiekonzerne ausgerichtete Digitalsteuer zugunsten einer breiter angelegten Abgabe gestrichen worden war.
Ein EU-Steuervorhaben braucht die Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten. Jede Regierung kann es daher mit einem Veto stoppen. Eine Einigung über die geplante Abgabe ist somit nicht allein Sache der Kommission.
Die Besteuerung US-amerikanischer Technologiekonzerne ist für Washington ein sensibles Thema. US-Präsident Donald Trump hat EU-Regeln für große Technologieunternehmen wiederholt kritisiert. Frühere Pläne für Digitalsteuern in Europa kamen zudem ins Stocken, nachdem die USA mit handelspolitischen Gegenmaßnahmen gedroht hatten.
Mit einer allgemeinen Abgabe könnte die Kommission versuchen, zusätzliche Einnahmen zu erzielen und zugleich eine ausdrücklich gegen US-Techkonzerne gerichtete Steuer zu vermeiden. Ob die Mitgliedstaaten einem solchen Modell zustimmen, bleibt offen.
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