Mit Divine startet ein von Jack Dorsey unterstütztes Projekt, das die Idee von Vine neu auflegt und zugleich einen großen Teil des ursprünglichen Videoarchivs zurückbringt. Die App ist jetzt im App Store und bei Google Play verfügbar.
Divine setzt wie Vine auf kurze, geloopte Videos mit einer Länge von sechs Sekunden und kombiniert neue Inhalte mit einem umfangreichen Archiv klassischer Clips. Laut einem Bericht bietet die App rund 500.000 Videos aus der ursprünglichen Vine-Plattform, zusätzlich zu Hunderttausenden weiterer Archivaufnahmen, die aus großen Sicherungsdateien rekonstruiert wurden. Die Sammlung stammt aus Beständen, die von ArchiveTeam und dem Internet Archive gesichert wurden.
Vine war im Juni 2012 als Plattform für kurze Loop-Videos gestartet und wurde kurz darauf von Twitter übernommen. Die App wuchs schnell, erreichte bis Ende 2015 mehr als 200 Millionen aktive Nutzer:innen und prägte das Format des vertikalen Kurzvideos, das später Dienste wie TikTok und Instagram-Reels beeinflusste. Viele bekannte Internet-Persönlichkeiten bauten ihre Karriere dort auf, bevor Twitter Vine 2017 einstellte und das Videoarchiv bis 2019 online hielt.
Divine wird von dem Kollektiv And Other Stuff mitfinanziert, einer von Jack Dorsey unterstützten Gruppe für experimentelle Open-Source-Projekte. Entwickelt wurde die neue App von Evan Henshaw-Plath, einem früheren Twitter-Mitarbeiter und Mitglied von And Other Stuff, der auch unter dem Spitznamen „Rabble“ bekannt ist. Er ließ sich nach eigenen Angaben von der Podcast-Reihe „Vine: Six Seconds That Changed the World“ dazu inspirieren, die Plattform wiederzubeleben.
Die Macher:innen betonen, dass Divine eine eigenständige App ist, ohne Verbindung zu X, früher Twitter, oder zur ursprünglichen Vine-Plattform. Statt auf ein zentrales Rechenzentrum zu setzen, nutzt Divine dezentrale Infrastruktur. Grundlage ist das offene Social-Media-Protokoll Nostr, das ebenfalls von Jack Dorsey unterstützt wird. Das Team experimentiert außerdem mit der Integration des quelloffenen AT-Protokolls, das Bluesky antreibt, und prüft eine Einbindung von ActivityPub, auf dem alternative Netzwerke wie Mastodon und Flipboard basieren und das auch in Metas Threads steckt.
Durch diese Architektur sollen Creator mehr Kontrolle und Eigentum an ihren Inhalten behalten. Divine verfolgt laut eigener Darstellung das Ziel, Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Jack Dorsey erklärte in einer Mitteilung, man habe für Vine kein Geschäftsmodell gefunden, während Divine darauf setze, dass Creator stets die volle Kontrolle über ihre Inhalte und Follower behalten und eigene Einnahmequellen aufbauen können.
Divine positioniert sich bewusst als Gegenentwurf zu aktuellen, stark KI-getriebenen Social-Media-Angeboten. Die Plattform will überwiegend frei von generativer KI bleiben und beschreibt in ihren FAQ einen mehrschichtigen Ansatz zur Erkennung von KI-generierten Inhalten. Nutzer:innen sollen zudem mehr Einfluss auf die Gestaltung ihrer Feeds erhalten. Statt eines einzigen, werbefokussierten Empfehlungssystems will Divine ein Ökosystem verschiedener Algorithmen anbieten, aus denen sich Nutzer:innen passende Vorschläge auswählen können.
Bereits vor dem offiziellen Start hatten einige Nutzer:innen in einer Beta-Version Zugriff auf Divine. Mit dem heutigen Launch ist die App offiziell im Apple App Store und bei Google Play gelistet, bleibt aber vorerst nur per Einladung nutzbar. Das Unternehmen plant in den kommenden Monaten eine breitere Öffnung. Während Elon Musk mit der Ankündigung von Grok Imagine als „KI-Vine“ und Andeutungen zu einer Wiederbelebung des Vine-Archivs Schlagzeilen machte, ist Divine nun mit einem funktionierenden Neustart und großem Archiv zuerst am Markt.
Via: 9to5mac.com · gizmodo.com
Titelbild: Divine
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