Jüngste juristische Dokumente zeigen, dass die britischen Behörden wohl einen weitreichenderen Zugriff auf Apples iCloud-System wollten als bisher bekannt. Apple und Nutzer:innen in Großbritannien stehen weiterhin vor Unsicherheit bezüglich der geforderten Backdoor.
Das britische Investigatory Powers Tribunal (IPT) hat in einem neuen Rechtsdokument angedeutet, dass die britische Regierung durch eine geforderte iCloud-Backdoor Zugang zu einem größeren Spektrum an Nutzungsdaten wollte. Laut Financial Times hat das britische Innenministerium bisher seine Forderung an Apple, eine solche Hintertür einzubauen, nicht offiziell geändert oder zurückgezogen. Obwohl in den USA zuletzt berichtet wurde, das Vereinigte Königreich habe diese Forderung an Apple fallen gelassen, bleibt der rechtliche Status im Vereinigten Königreich selbst unklar. Die Nutzenden von Apple-Diensten in Großbritannien befinden sich dadurch weiterhin in einer unsicheren Lage, was den Datenschutz ihrer iCloud-Informationen betrifft.
Das Investigatory Powers Tribunal ist ein unabhängiges gerichtliches Gremium, das Beschwerden über angeblich unrechtmäßige Überwachungen durch britische Behörden untersucht. Im März wurde bekannt, dass Apple die britische Regierung vor dem IPT verklagt hat, nachdem das Unternehmen eine geheime Anordnung erhielt, eine Hintertür für iCloud-Daten zu schaffen. Apple darf öffentlich nicht über den Inhalt dieser Anordnung sprechen, bestätigte allerdings erstmals ein Mandat britischer Behörden, als die Firma im Februar 2025 die Advanced Data Protection (ADP)-Funktion von iCloud im Vereinigten Königreich deaktivierte. In einer Stellungnahme betonte Apple damals erneut, seinen Nutzer:innen höchste Sicherheit bieten zu wollen. Apple erklärte auch, dass niemals eine Backdoor oder ein Generalschlüssel für Produkte oder Dienste geschaffen wurde, noch dies jemals der Fall sein werde. Offiziell hat die britische Regierung bisher weder das Bestehen der Anordnung bestätigt noch abgestritten. Der IPT befasst sich mit den Vorwürfen daher auf Basis angenommener Fakten.
Das angebliche Mandat besagt, Apple müsse künftig in der Lage sein, Kategorien von Daten aus Cloud-Diensten wie iCloud bereitzustellen und Zugriffe zu ermöglichen. Das deutet darauf hin, dass die britischen Behörden unter anderem an Passwörtern und Nachrichten der Nutzer:innen interessiert sind. Die Times berichtet außerdem, das Mandat sei nicht auf Daten geschützt durch Apples Advanced Data Protection beschränkt gewesen. Die Regierung wollte offenbar weitreichenden Zugriff auf sämtliche iCloud-Konten und damit vielfältige personenbezogene Daten erhalten. Die gerichtlichen Auseinandersetzungen um Datenschutz und Privatsphäre dauern damit weiter an, während Nutzende auf eine endgültige Klärung der Sachlage warten.
Via: https://www.engadget.com
Titelbild: KI
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