Eine Reddit-Nutzerin erlebt seit Jahren, dass fremde Menschen vor ihrer Tür stehen und ihr verlorenes iPhone suchen. Vermutlich steckt ein technisches Problem mit Apples „Wo ist?“-Funktion dahinter.
In einem Reddit-Beitrag schildert die Betroffene, was vor rund drei bis vier Jahren begann. Damals kamen zwei Männer an ihre Haustür, weil einer von ihnen am Vorabend sein iPhone verloren oder gestohlen bekommen hatte. Die „Wo ist?“-App führte sie direkt zu dieser Adresse. Das Gerät befand sich dort aber nicht, die Männer zogen wieder ab.
Seitdem wiederholt sich die Situation regelmäßig. Laut der Reddit-Nutzerin gab es seither mindestens vier oder fünf weitere Fälle, in denen fremde Menschen mit einem iPad oder dem iPhone einer anderen Person in der Hand vor der Tür standen und behaupteten: „Mein Telefon ist hier.“ Jedes Mal müsse sie erklären, dass sich das Gerät nicht im Haus befindet und solche Irrläufer bereits mehrfach passiert sind.
Die wiederkehrenden Besuche sind für sie nicht nur lästig, sondern auch beunruhigend. Sie beschreibt, dass sie und ihre Mitbewohnerin beide Frauen sind und sich Sorgen machen, dass irgendwann jemand so wütend über sein verschwundenes Smartphone sein könnte, dass er ihnen etwas antut.
In den Kommentaren zum Reddit-Thread vermuten manche Nutzer:innen mehr als nur einen harmlosen Fehler. Einige verweisen auf Videos von Türklingeln mit Kamera, in denen vor vermeintlichen Betrugsmaschen gewarnt wird. Andere raten dazu, in solchen Fällen die Polizei zu rufen und niemanden ins Haus zu lassen, falls doch jemand mit Absicht Zugang zur Wohnung verschaffen möchte.
Solche Situationen sind nicht neu. Bereits 2013 wurde ein ähnlicher Fall bekannt, bei dem Menschen wiederholt zu einer falschen Adresse gelotst wurden, weil sie dort ihr iPhone vermuteten. 2016 griff der Podcast „Reply All“ ein sehr ähnliches Szenario in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia auf.
Damals kamen die Reporter:innen zu dem Ergebnis, dass ein „digitales Niemandsland“ in der Umgebung eine Rolle spielte. In dem betroffenen Gebiet gab es nur sehr wenige WLAN-Router, die für die Standortbestimmung genutzt werden konnten. Das betroffene Haus gehörte zu den wenigen Orten mit einem Router, der offenbar als Bezugspunkt diente.
Wie der Podcast erläuterte, versucht ein verlorenes Smartphone zunächst, sich per GPS zu orten. Ist das nicht möglich, greift es auf die nächstgelegenen IP-Adressen und WLAN-Netzwerke zurück und berechnet daraus einen ungefähren Standort. Liegt der rechnerische Mittelpunkt dieser Adressen zufällig bei einem bestimmten Haus, landen alle, die ihr Gerät suchen, ausgerechnet dort. In der Region von Atlanta kamen offenbar viele verlorene Geräte immer wieder beim gleichen Router als Referenzpunkt an.
Apples „Wo ist?“-Funktion nutzt heute in erster Linie Bluetooth und ein Netzwerk anderer Apple-Geräte, um verloren gegangene iPhones zu lokalisieren. Das könnte bei der aktuellen Reddit-Geschichte eine etwas andere Ursache nahelegen als im Fall von „Reply All“.
Eine auf Reddit diskutierte Möglichkeit: In der Nähe des Hauses werden gestohlene Geräte gehandhabt, bevor sie ausgeschlachtet oder deaktiviert werden. Bevor das passiert, senden sie noch ein Signal, das nur eine grobe Position liefert. Diese ungefähre Position könnte zufällig mit der Adresse der Betroffenen zusammenfallen und die Besitzer:innen direkt zu ihrer Tür führen.
Eine andere Erklärung bezieht sich wieder auf WLAN-Netzwerke. „Wo ist?“ kann lokale WLANs erfassen und als Orientierung nutzen. Ist das heimische Netzwerk der Reddit-Nutzerin besonders stark oder gut sichtbar, könnten verlorene Geräte in der Umgebung es als letzten bekannten Standort anzeigen. Ein Vorschlag aus der Community lautet, dem eigenen WLAN-Namen die Endung „_nomap“ hinzuzufügen, damit es nicht mehr für bestimmte Kartendienste zur Positionsbestimmung herangezogen wird.
Ganz sicher ist jedoch keine dieser Theorien. Ein Kommentar weist darauf hin, dass je nach Wohnort bestimmte Koordinaten als Standardposition für viele IP-Adressen dienen können. In diesem Fall würde die Karte immer wieder dieselbe Adresse anzeigen. Dagegen lässt sich aus Sicht der Betroffenen nur wenig tun.
Via: https://www.techradar.com
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