Apple und Leaker Jon Prosser wollen ein bereits ergangenes Versäumnisurteil aufheben lassen. Damit soll Prosser erstmals offiziell auf die Vorwürfe in der iOS‑26-Klage reagieren können.
Hintergrund: Streit um iOS‑26-Design „Flüssiges Glas“
Apple hat im Juli 2025 Klage gegen Jon Prosser und Michael Ramacciotti eingereicht. Dem Duo wird die unrechtmäßige Nutzung von Geschäftsgeheimnissen vorgeworfen, nachdem Prosser Videos mit nachgestellten Renderings des iOS‑26-Designs „Flüssiges Glas“ Monate vor der offiziellen Ankündigung veröffentlicht hatte. Laut Klageschrift soll Ramacciotti heimlich auf das iPhone des Apple-Softwareingenieurs Ethan Lipnik zugegriffen haben.
Dort habe er eine Vorabversion von iOS 26 angesehen und Prosser gegen Bezahlung gezeigt. In der Folge wurde Lipnik von Apple entlassen. Prosser verpasste anschließend die Frist, um formell auf die Klage zu antworten. Apples Anwält:innen beantragten deshalb ein Versäumnisurteil, das das Gericht im Oktober 2025 auch erließ. Prosser erklärte gegenüber The Verge, er habe „seit den ersten Phasen dieses Falls in aktiver Kommunikation mit Apple“ gestanden.
Versäumnisurteil, ausbleibende Unterlagen und zögerliche Kooperation
In den Monaten nach dem Versäumnisurteil besserte sich die Lage zunächst kaum. Ein gemeinsamer Statusbericht im April zeigte, dass Prosser weiterhin seinen Pflichten in der Beweisaufnahme nicht vollständig nachkam. Apple beantragte daraufhin eine gerichtliche Anordnung, um Prosser zur Herausgabe von Unterlagen zu zwingen. Zwar hatte Prosser einige relevante Materialien geliefert, andere Anfragen blieben jedoch teilweise oder vollständig unbeantwortet.
Im Gegensatz dazu kooperierte Ramacciotti weitergehend. Er gestattete Apple eine forensische Untersuchung eines weiteren Geräts, sagte zu, seine Antworten auf schriftliche Fragen zu ergänzen, und bot eine weitere Aussage an. Apple und Ramacciotti sprechen seit mindestens Oktober informell über eine mögliche außergerichtliche Einigung. Prosser beauftragte erst am 14. April 2026 anwaltliche Vertretung.
Neues Abkommen: Unterlagen, Aussage und zweite Chance vor Gericht
Wie aus einer gemeinsamen Vereinbarung vom 9. Juni hervorgeht, hat Apple Prosser bereits im Januar 2026 Vorladungen zugestellt. Gefordert wurden Unterlagen und eine Aussage im Zusammenhang mit den Ansprüchen gegen Ramacciotti. Prosser hatte die angeforderten Dokumente jedoch bis dahin nicht vollständig geliefert und war zu keiner Aussage erschienen.
Im Rahmen des neuen Abkommens verpflichtet sich Prosser nun, alle von Apples Dokumentenvorladung erfassten Materialien bis zum 9. Juni 2026 vorzulegen. Außerdem soll er spätestens am 16. Juni 2026 für eine Aussage zur Verfügung stehen. Apple erklärt, das Aufheben des Versäumnisurteils sei „der effizienteste Weg, um dieses Verfahren ohne weitere Verzögerung voranzubringen“.
Die Vereinbarung muss noch vom Bundesbezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien genehmigt werden. Im Fall einer Zustimmung hätte Prosser zehn Tage ab Datum der gerichtlichen Anordnung Zeit, eine förmliche Erwiderung auf Apples Klage einzureichen. Erst damit bekäme er die Möglichkeit, die Vorwürfe inhaltlich vor Gericht anzufechten.

