Ein neuer Bericht behauptet, Apple habe Stellen bei Apple Fitness+ gestrichen und folgert daraus weitreichende Änderungen am Dienst. Belege dafür liefert die Meldung jedoch kaum.
Wenige Jobkürzungen, viele offene Fitness-Stellen
Als Sparte hatte Apple Fitness+ zuletzt negative Schlagzeilen wegen Mobbing-Vorwürfen. Falls die nun berichteten Stellenstreichungen tatsächlich stattfinden, fallen sie überschaubar aus. Der neue Bericht von Bloomberg zeichnet dennoch das Bild eines angeschlagenen Angebots und spricht davon, dass Audiofunktionen wie „Zeit zum Gehen“ und „Zeit zum Laufen“ zurückgefahren würden.
Auf dieser Basis wird spekuliert, Apple Fitness+ könnte künftig in Apple Gesundheit aufgehen. Gleichzeitig räumt der Bericht ein, dass es sich nur um eine Handvoll betroffener Stellen handelt. Unerwähnt bleibt dagegen, dass Apple derzeit 73 in Cupertino angesiedelte Jobs ausschreibt, in deren Beschreibung Fitness vorkommt.
Damit reiht sich die Meldung in eine bekannte Erzählung ein: Jede Kündigung oder jeder Weggang bei Apple wird schnell als Vorzeichen des Niedergangs gedeutet. In diesem Fall dient eine kleine Anzahl von Entlassungen als Grundlage für die These vom möglichen Ende von Apple Fitness+ – gestützt auf eine falsche Annahme über die Kosten des Dienstes.
Apple Fitness+ als fester Bestandteil der Dienste-Sparte
Die Argumentation lautet, Apple Fitness+ sei ein leichter Kandidat für Einsparungen, weil Nutzer:innen immer mehr Inhalte forderten. Zudem wird eine Veränderung bei den Abonnent:innenzahlen behauptet, jedoch ohne nähere Angaben oder Daten.
Personal abzubauen, während die eigene Nutzerbasis mehr Inhalte verlangt, wirkt wenig praktikabel. Wären die Angaben zu den Kosten des Dienstes korrekt, könnte das ein Ansatzpunkt sein. Anders als unabhängige Produktionsfirmen, die Studios bei Bedarf anmieten müssen, besitzt Apple jedoch eigene Studios. Diese verursachen Kosten, egal ob gerade gedreht wird oder nicht.
Für Apple Fitness+ bedeutet das: Die laufenden Kosten für die Infrastruktur sind vergleichsweise niedrig. Ähnlich verhält es sich mit der Kameraausrüstung, auch wenn unklar ist, ob Apple sie gekauft oder geleast hat. In beiden Fällen handelt es sich um versunkene Kosten, und da Apple Fitness+ vollständig im Studio entsteht, müssen keine zusätzlichen Kameras angemietet werden.
Personalabbau als begrenzter Hebel
Damit bleibt im Grunde nur das Personal als realistischer Punkt für Einsparungen. Bei den Beschäftigten handelt es sich um TV-Produzent:innen, Cutter:innen und Fitnessexpert:innen, die vor der Kamera stehen. Diese Positionen gehören nicht zu den bestbezahlten im Konzern, sodass der finanzielle Effekt einiger weniger Entlassungen gering ist.
Das heißt nicht, dass es keine Kündigungen gibt oder dass Apple Fitness+ nicht von Veränderungen profitieren könnte. Doch eine kleine Zahl von Abgängen markiert nicht das Ende des Angebots, selbst wenn die Stellen nicht nachbesetzt werden.
Sollte Apple Fitness+ irgendwann in Apple Gesundheit aufgehen, dürfte dieser Schritt eher langfristig geplant sein. Manche Dienstestrategien ändern sich zwar scheinbar spontan, doch mit der für watchOS 27 angekündigten Überarbeitung der Apple‑Gesundheit‑App hätte Apple bereits eine passende Gelegenheit für eine Integration gehabt – sie blieb ungenutzt.
Apple Fitness+ startete im Dezember 2020, passend zur üblichen Welle an Neujahrsvorsätzen. Apple folgt keinem starren Kalender, betont große Änderungen aber gern auf Veranstaltungen, und eine Neuordnung von Fitness und Gesundheit würde gut zu einer Ankündigung rund um die Apple Watch passen. Das geschah 2026 nicht, daher könnten sich entsprechende Überlegungen frühestens 2027 materialisieren. Unabhängig davon: Apple Fitness+ verschwindet vorerst nicht, auch wenn Apple intern an den Plänen und Strukturen arbeitet.
