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60 Jahre Moore’sches Gesetz: Wo wir heute stehen

Vor 60 Jahren formulierte Gordon Moore eine Prognose, die die Computerbranche bis heute prägt. Nun zeigt sich deutlicher denn je, wo ihre Grenzen liegen – und wie aktuell sie trotzdem bleibt.

Wie das Moore’sche Gesetz entstand

Im April 1965 veröffentlichte Intel-Mitgründer Gordon Moore einen Artikel, in dem er eine exponentielle Steigerung von Geschwindigkeit, Leistungsfähigkeit und Möglichkeiten von Computern für die kommenden Jahrzehnte voraussagte. Grundlage seiner Überlegung war die wachsende Zahl von Transistoren auf einem Schaltkreis, die später als „Moore’sches Gesetz“ bekannt wurde und bis heute intensiv diskutiert wird.

Auslöser war eine Anfrage des Magazins Electronics: Moore sollte vorhersagen, wie sich die Halbleiterindustrie im nächsten Jahrzehnt entwickeln würde. Er beobachtete, dass die Anzahl der Komponenten – darunter Transistoren, Dioden, Kondensatoren und Widerstände – pro Chip bis dahin jährlich etwa verdoppelt worden war. Angesichts des damaligen Fortschritts erwartete er, dass sich dieser Trend mindestens für weitere zehn Jahre fortsetzen würde.

Die Folgen dieser Entwicklung wären nicht nur deutlich leistungsfähigere Chips, sondern vor allem auch günstigere. Dadurch entstünde ein Kreislauf aus weiterem Wachstum und Ausbreitung der Technologie. Materialien aus Intels Reihe „Tech 101“ beschreiben es so: Aus der genauen Beobachtung eines entstehenden Trends leitete Moore ab, dass die Rechenleistung drastisch steigen und die relativen Kosten in exponentiellem Tempo sinken würden. Das Moore’sche Gesetz wurde zur goldenen Regel der Elektronikbranche und zum Sprungbrett für Innovationen. Moore ebnete damit Intel den Weg zu schnelleren, kleineren und erschwinglicheren Transistoren, die moderne Werkzeuge und Alltagsgeräte antreiben.

Streit um die Gültigkeit des Gesetzes

Seit Moores Aufsatz wird heftig darüber diskutiert, wie lange seine Prognose tatsächlich zutrifft, denn das vorhergesagte Wachstum hielt deutlich länger an als ursprünglich gedacht. Bis zur Jahrtausendwende stieg die Zahl der Transistoren auf einem einzelnen Chip um den Faktor 18.000: von 2.300 im Jahr 1971 auf 42 Millionen bei einem Spitzenmodell des Pentium-4-Prozessors.

Ab den 2000er-Jahren häuften sich allerdings Zweifel, ob sich diese Entwicklung im gleichen Tempo fortsetzen lässt. TechRadar hielt das Moore’sche Gesetz 2012 noch für mindestens ein weiteres Jahrzehnt für gesichert. Doch 2023 erklärte Intel-Chef Pat Gelsinger, ein langjähriger und lautstarker Befürworter des Konzepts, dass sich die Zahl der Transistoren nur noch etwa alle drei Jahre verdoppele – und damit deutlich hinter dem ursprünglichen Takt zurückbleibe.

Moore’sches Gesetz jenseits von Chips

Die Zeiten echten exponentiellen Wachstums scheinen vorbei zu sein, dennoch bleibt das Moore’sche Gesetz ein zentraler Bezugspunkt für das Innovationstempo der Branche. Zugleich beschränkt sich der Begriff heute nicht mehr nur auf die Chip-Entwicklung. Fachleute in anderen Bereichen nutzen ihn, um den Fortschritt in ihren Feldern zu beschreiben.

Ein Beispiel ist generative KI. Im Februar 2025 bezog sich OpenAI-Chef Sam Altman ausdrücklich auf das Moore’sche Gesetz, als er über die Geschwindigkeit der Entwicklungen in der KI-Branche sprach. Deutliche Preisrückgänge bei der Nutzung von KI seit dem Beginn des generativen KI-Booms Ende 2022, kombiniert mit leistungsfähigeren Modellen, erinnern stark an das von Moore in den 1960er-Jahren beschriebene Prinzip.

Altman stützte sich dabei auf die Kosten für Kontext-Token, die seiner Aussage nach jährlich um etwa den Faktor 10 sinken. Zwischen 2023 und Mitte 2024 fiel der Preis pro Token bei ChatGPT sogar etwa um den Faktor 150. Auch wenn die zugrunde liegende Hardware langsamer wächst als früher, zeigt die Entwicklung in der KI, dass die Idee hinter dem Moore’schen Gesetz weiterlebt – nur auf einer anderen Ebene der Technologie.

Via: https://www.techradar.com
Titelbild: KI (zur Illustration)
Grafik: Von Max Roser, Hannah Ritchie – CC BY 4.0,

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Michael Reimann

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