Digitalisierung im Gesundheitswesen scheitert häufig schon an analogen Formularen oder Röntgenbildern. Integriert endlich Smartphones und Apple Watches ins Gesundheitswesen!
Es ist Montagmorgen, 08:00 Uhr. Sie versuchen, einen Facharzttermin zu ergattern. Das Telefon in der Praxis ist besetzt. Um 08:05 Uhr ist es immer noch besetzt. Um 08:30 Uhr kommen Sie endlich durch, nur um zu hören: „Rufen Sie bitte im nächsten Quartal wieder an.“ Kommt Ihnen das bekannt vor?
Während wir unsere Apple Watch nutzen, um ein EKG zu schreiben, und unsere Bankgeschäfte per Face ID in Sekunden erledigen, fühlt sich die Terminvergabe im deutschen Gesundheitswesen oft an wie eine Zeitreise in die späten 90er Jahre. Die Diskussion kocht gerade wieder hoch, und das zu Recht. Die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) fordern nun lautstark eine einheitliche Terminplattform. Doch es geht hier um weit mehr als nur um Komfort – es geht um die Überlebensfähigkeit unseres Systems.
Der demografische Hammer: Warum wir nicht mehr warten können
Wir müssen der Realität ins Auge blicken: Deutschland wird alt. Die Babyboomer gehen in Rente, und das gilt nicht nur für die Patienten, sondern auch für das medizinische Personal. Wir steuern auf einen massiven Ärztemangel zu, während gleichzeitig der Behandlungsbedarf einer alternden Gesellschaft steigt. Das ist keine abstrakte Statistik, das ist Mathematik, die weh tut.
Ohne eine radikale Digitalisierung werden die Wartezeiten, die uns heute schon frustrieren, wie ein paradiesischer Zustand wirken. Wenn eine Medizinische Fachangestellte (MFA) wertvolle Stunden damit verbringt, Telefonate zu führen und Terminkalender händisch zu pflegen, fehlt diese Zeit am Patienten. Ein digitales Terminmanagement ist daher kein „Nice-to-have“ für Tech-Nerds, sondern eine zwingende Notwendigkeit, um den Kollaps der Versorgung zu verhindern. Wer Digitalisierung hier blockiert, nimmt in Kauf, dass Oma Erna niemanden mehr findet, der ihren Blutdruck misst, weil die Praxis im administrativen Chaos versinkt.
Schluss mit dem Flickenteppich: Der Ruf nach der „Einen“ Plattform
Die Rufe nach einem einheitlichen Terminportal werden lauter. Quellen wie ifun.de und IT-Boltwise berichten über die Forderung der Kassen, die bestehenden Insellösungen zu beenden. Die „116117“ als Terminservice ist ein Anfang, aber in der Praxis oft genauso schwerfällig wie das direkte Anrufen. Was wir brauchen, ist ein System, das so intuitiv ist wie eine Hotelbuchung.
Warum ist es möglich, in einer App weltweit ein Zimmer zu buchen, aber nicht, beim Orthopäden drei Straßen weiter einen Slot zu finden? Die Technik ist da. Es fehlt der politische Wille und die Durchsetzungskraft gegen die Partikularinteressen. Ein zentrales Portal würde Transparenz schaffen und verfügbare Kapazitäten effizient verteilen. Stattdessen leisten wir uns den Luxus dutzender inkompatibler Systeme. Das ist ineffizient und im Jahr 2025 schlicht nicht mehr erklärbar.
Dokumentationswahnsinn: Lasst die Ärzte wieder Ärzte sein
Ein weiterer, oft übersehener Aspekt ist die Dokumentationspflicht. Ärzte und Pflegekräfte ersticken in Papierkram. Studien, wie sie unter anderem von IGES zitiert werden, zeigen regelmäßig auf, wie viel Arbeitszeit für reine Bürokratie draufgeht. Zeit, in der keine Diagnose gestellt und kein tröstendes Wort gesprochen wird.
Die Digitalisierung muss hier ansetzen: Sprachgesteuerte Dokumentation, KI-gestützte Arztbriefe und eine elektronische Patientenakte (ePA), die diesen Namen auch verdient. Wenn wir die Dokumentation automatisieren, gewinnen wir rechnerisch tausende Arztstellen zurück, ohne einen einzigen neuen Mediziner ausbilden zu müssen. Es ist absurd, dass hochqualifiziertes Personal als Datenabtipper missbraucht wird, während im Wartezimmer die Schlange bis auf die Straße reicht.
Widerstände ernst nehmen, aber nicht als Bremse nutzen
Natürlich gibt es Widerstand. Ein Bericht des SWR über einen Physiotherapeuten zeigt die andere Seite: Die Sorge vor Kosten, vor technischer Überforderung und dem „gläsernen Patienten“. Diese Sorgen sind menschlich und müssen durch gute Schulung und sichere, nutzerfreundliche Systeme adressiert werden. Aber sie dürfen kein Veto-Recht gegen den Fortschritt sein.
Die Digitalisierung in den Praxen stockt oft nicht am Willen, sondern an der Umsetzung – an abgestürzten Konnektoren und schlechter Software. Hier muss die Industrie liefern. Aber die Alternative – der Status Quo – ist keine Option mehr. Wer heute die Digitalisierung ausbremst, gefährdet die Versorgung von morgen. Wir brauchen einen Kraftakt aller Beteiligten: Kassen, Ärzteschaft und Politik müssen an einem Strang ziehen. Das Faxgerät hat seinen Ruhestand verdient. Wir haben ihn uns noch nicht erarbeitet.
ZumThema Digitalisierung im Gesundheitswesen empfehle ich folgendes Video:
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Mehr InformationenDas Video der Tagesschau fasst gut zusammen, warum Deutschland im europäischen Vergleich hinterherhinkt und welche Dringlichkeit besteht.
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