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connect Magazin – Vom Mobilfunk-Papst zur irrelevanten Kiosk-Leiche

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Einst war das connect Magazin die unangefochtene Bibel für Handykäufer in Deutschland, doch die glorreichen Zeiten der Tasten-Telefone und Infrarot-Schnittstellen sind vorbei. Heute ist die connect nur noch ein irrelevanter Zombie des Technikjournalismus, die an der Realität der Nutzenden vorbeischreibt und sich an überholte Netztests klammert.

Es gab einmal eine Zeit, in der das Rascheln von bedrucktem Papier am Kiosk echte Vorfreude auslöste. Wir schreiben die späten 90er und frühen 2000er Jahre. Das Internet machte noch lustige Einwählgeräusche, und wer wissen wollte, welches Stück Plastik mit Antenne sein hart verdientes Geld wert war, der kaufte das connect Magazin. Es war die unangefochtene Bibel für Mobilfunk, ein Schwergewicht der Kaufberatung. Damals, als Handys noch aussahen wie kleine Ziegelsteine und Antennen hatten, mit denen man zur Not auch jemanden erstechen konnte, brauchte der gemeine Deutsche eine helfende Hand. Genau diese Hand reichte die connect.

Tabellen und Sendeleistung

Monat für Monat lieferte das connect Magazin gnadenlos detaillierte Tabellen, die selbst den fleißigsten Buchhalter in Ekstase versetzten. Sende- und Empfangsleistung, Akkulaufzeit in Stunden und Minuten, Druckpunkt der physischen Tastatur… Das war der Fetisch, aus dem die feuchten Träume der damaligen Technik-Nerds geschnitzt waren. Die connect war nicht einfach nur eine Zeitschrift. Sie war die Stiftung Warentest für eine völlig neue, wilde Welt der kabellosen Kommunikation. Wer ein Handy kaufte, das nicht das rote connect-Siegel trug, galt im Freundeskreis als ahnungsloser Stümper. Das Magazin bot Orientierung im Tarifdschungel und war der Leuchtturm im Ozean der damals weitgehend unbekannten Handys. Doch diese frühen Tage sind längst Geschichte, verweht im digitalen Wind.

Neuland voller Tasten und Antennen

Erinnern wir uns an diese dunkle Epoche vor der Erleuchtung durch Touchscreens. Die Mobilfunkwelt in Deutschland glich einem Basar, auf dem viele Hersteller versuchten, mit teils bizarreren Formfaktoren zu punkten. Nokia baute Handys, die aussahen wie Lippenstifte, Ericsson schrumpfte die Tasten auf mikroskopische Größe, und Siemens versuchte verzweifelt, irgendwie cool zu wirken. In diesem absoluten Chaos brauchte der Konsument einen strengen, deutschen Schiedsrichter. Die connect füllte genau dieses Vakuum mit einer Hingabe, die geradezu bewundernswert war.

Klapphandy Götter

Wenn ein neues Klapphandy von Motorola auf den Markt kam, wurde es im connect-Labor seziert, als ginge es um die Entschlüsselung der menschlichen DNA. Man verglich WAP-Fähigkeiten, monierte fehlende Infrarot-Schnittstellen und vergab Punkte für die Lautstärke der polyphonen Klingeltöne. Es war eine Zeit, in der die technische Ausstattung eines Geräts tatsächlich noch wahrnehmbare Unterschiede im Alltag bedeutete. Die Redaktion war der Gottvater der Empfehlungen, und die Leser hingen an den Lippen der Testredakteure. Das connect Magazin hatte ein absolutes Alleinstellungsmerkmal: Sie besaß die teuren Messgeräte, die kein normaler Sterblicher sich leisten konnte. Die Zeitschrift bot eine messbare, vermeintlich objektive Wahrheit in einer Branche, die gerade lernte, wie man den Kunden das Geld aus der Tasche zieht.

2007- Der iPhone-Schock und das Ende

Und dann kam das Jahr 2007. Steve Jobs betrat eine Bühne in San Francisco, wischte einmal über ein Stück Glas und degradierte die gesamte bisherige Mobilfunkwelt zu prähistorischem Schrott. Das iPhone war nicht einfach nur ein neues Telefon; es war ein meteoritengleicher Einschlag, der die Dinosaurier der Branche auslöschte. Und die connect? Die stand da wie ein verbeamteter TÜV-Prüfer, der plötzlich ein Raumschiff bewerten soll. Die Zäsur durch das Smartphone offenbarte schonungslos die konzeptionellen Grenzen des Magazins. Während die Welt über revolutionäre Benutzeroberflächen, Apps und ein völlig neues digitales Ökosystem staunte, suchte das connect Magazin verzweifelt nach der fehlenden MMS-Funktion und zog Punkte ab, weil man den Akku nicht mehr selbst wechseln konnte.

Keine MMS, kein Wechselakku

Das connect Magazin verstand schlichtweg nicht, dass Software die neue Hardware war. Die Beschleunigung der Digitalisierung überrollte die gemütlichen Testlabore in München. Plötzlich zählten nicht mehr die rohen Laborwerte der Antenne, sondern die Frage, wie flüssig der Safari-Browser scrollte und welche Apps im Store verfügbar waren. Das iPhone entzog der klassischen, rein auf Hardware-Messungen fixierten Berichterstattung über Nacht die Existenzgrundlage. Das mühsam aufgebaute Alleinstellungsmerkmal der connect pulverisierte sich in dem Moment, als das Nutzungserlebnis wichtiger wurde als der SAR-Wert.

Die digitale Überholspur: YouTuber und Influencer

Als wäre die Revolution  durch das Smartphone nicht schon tödlich genug gewesen, erwuchs der connect im Internet ein Feind, gegen den bedrucktes Papier niemals gewinnen konnte: die schiere Geschwindigkeit. Die Digitalisierung brachte YouTuber, Tech-Blogger und Influencer hervor. Während die connect-Redakteure noch vier Wochen lang Tabellen in Layout-Programme tippten, hatten MKBHD und unzählige deutsche Tech-YouTuber das neueste Smartphone längst ausgepackt, getestet, gefilmt und vor Millionenpublikum bewertet. Die Funktion als eine Art Stiftung Warentest für Mobilfunk? Längst perdu. Warum sollte ein Leser heute viel Geld für ein Heft ausgeben, dessen Informationen am Tag des Erscheinens bereits gnadenlos veraltet sind?

Totes Holz

Die Spezialisierung im Internet schritt unaufhaltsam voran. Wer Kamera-Tests will, geht zu DxOMark oder schaut sich dedizierte Fotografie-Kanäle an. Wer Akkulaufzeiten wissen möchte, findet auf YouTube realitätsnahe Drain-Tests in 4K-Auflösung, die weitaus aussagekräftiger sind als ein realitätsferner Standard-Laborlauf. Das Netz bietet für jede noch so spezifische Nische einen absoluten Experten. Die connect hingegen verharrte in ihrer Rolle als behäbiger und übergewichtiger Generalist aus der Print-Epoche. Sie verpasste den Sprung in die moderne Mediennutzung und degradierte sich selbst zu einem Relikt, das man allenfalls noch beim Zahnarzt im Wartezimmer durchblättert.

Verzweiflungstat Diversifikation

Wenn das Kernprodukt stirbt, geraten Verlage in Panik. Was macht man also, wenn niemand mehr Laborberichte über Smartphones lesen will? Richtig, man testet einfach alles andere. In einem Akt schierer Verzweiflung begann die connect, Themen rechts und links des Smartphones in ihr Heft zu kippen. Plötzlich fanden sich Testberichte über Bluetooth-Kopfhörer, E-Scooter, Saugroboter und die Digitalisierung von Autos im Heft. Das Problem dabei? Für keinen dieser Bereiche besitzt die connect auch nur den Hauch einer echten Kompetenz. Wenn ein ehemals reines Mobilfunkmagazin anfängt, das Infotainment-System eines Audi oder Tesla zu bewerten, wird es schnell unfreiwillig komisch.

Von allem ein bisschen, von nichts Ahnung

Es ist, als würde ein Bäcker plötzlich versuchen, dir Ratschläge zur dentalen Wurzelbehandlung zu geben. Die Tests wirken oft oberflächlich, zusammenkopiert und meilenweit von der Expertise wirklicher Fachportale entfernt. Die Redaktion versucht krampfhaft, das Smart Home -Schlagwort auszuwringen, um irgendwie noch Anzeigenkunden aus diesen neuen Branchen anzulocken. Doch der informierte Konsument durchschaut diese Scharade. Die connect ist zu einem Gemischtwarenladen mutiert, in dem die Produkte wahllos in den Regalen liegen. Wer echte Beratung zu High-End-Audio oder E-Mobilität sucht, liest spezialisierte Magazine, aber ganz sicher nicht das Leib- und Magenblatt der alten Nokia-Fraktion.

Der Netztest

Kommen wir zum absoluten Treppenwitz der connect-Historie: dem alljährlichen, geradezu heiligsprechenden Netztest. Einmal im Jahr schickt das Magazin bunt beklebte Messwagen durch die Republik, um herauszufinden, ob die Telekom, Vodafone oder O2 das beste Netz haben. Das Resultat ist immer das gleiche. Die Telekom gewinnt, alle loben sich selbst, und am Ende landen gigantische „connect Testsieger“-Siegel auf den Plakatwänden der Netzbetreiber.

Marketing-Farce ohne Kundennutzen

Machen wir uns nichts vor: Dieser Netztest folgt schon lange nicht mehr dem Aufklärungsinteresse des Verbrauchers, sondern dient einzig und allein den Marketinginteressen der drei verbliebenen Telcos. Die Netzbetreiber zahlen Unsummen für die Lizenzierung dieses völlig überbewerteten Siegels. Für den Kunden hat sich der Nutzen dieses Tests spätestens im letzten Jahrzehnt komplett überholt. Was nützt mir ein theoretischer Laborwert in einer Tabelle, wenn ich in meiner spezifischen Altbauwohnung in Berlin oder auf dem flachen Land in Brandenburg trotzdem keinen Empfang habe? Die Realität des Netzausbaus lässt sich nicht auf eine Punkteskala reduzieren, die bundesweit Gültigkeit beansprucht. Der Netztest ist ein inzestuöses Schauspiel, ein jährliches Ritual der Selbstbeweihräucherung zwischen Verlag und Mobilfunkindustrie, das die schwindende Relevanz des Magazins nur noch schmerzhafter unterstreicht.

Stimmen des Internets

Wirft man einen Blick in die Kommentarspalten einschlägiger Tech-Foren, auf Reddit oder unter die wenigen YouTube-Videos, falls die sich überhaupt noch mit der connect befassen, ergibt sich ein verheerendes, wenn auch eindeutiges Bild. Die Meinungen der Community sind gnadenlos. „Wer liest diesen gekauften Quatsch eigentlich noch?„, fragen User treffend in unserem Apfeltalk Forum. „Ein Heft voller Werbung, unterbrochen von sinnlosen Tabellen„, lautet das Urteil eines YouTubers, der in einem Rant die deutsche Printlandschaft seziert. Die Vorwürfe wiegen schwer. Die Tests seien nicht mehr objektiv, die Bewertungen würden auffällig stark mit den geschalteten ganzseitigen Werbeanzeigen im Heft korrelieren.

Vertrauensverlust

Ob das im Detail stimmt oder nicht, sei dahingestellt, doch der Vertrauensverlust ist faktisch messbar und irreparabel. Die Leser werfen dem Magazin vor, komplett an der Realität der heutigen Nutzenden vorbeizuschreiben. Anstatt echte Nutzererfahrungen, Software-Bugs oder Datenschutzprobleme zu thematisieren, klammert sich die Redaktion an ihre überholten Mess-Szenarien aus den 90ern. Influencer lachen offen über die behäbige Berichterstattung, und selbst treue Abonnenten der ersten Stunde kündigen reihenweise. Die digitale Welt hat ihr Urteil längst gefällt, und es lautet schlicht und ergreifend: Irrelevant.

Das Ende einer Print-Ära

Machen wir einen Deckel drauf. Die connect ist, böse gesagt, der wandelnde Zombie des deutschen Technikjournalismus. Ein Blatt, das seine Daseinsberechtigung 2007 auf jener legendären Bühne in San Francisco verlor und es bis heute, fast zwei Jahrzehnte später, immer noch nicht gemerkt hat. Sie versuchen, den digitalen Tsunami mit einem Eimerchen aus Print-Tabellen und zweifelhaften Siegeln aufzuhalten. Es ist tragisch, ja fast schon ein bisschen rührend, diesem schleichenden Verfall zuzusehen. Die connect war einmal ein Gigant, ein unverzichtbarer Begleiter in einer Zeit, in der das Wort „Mobilfunk“ noch nach großem Abenteuer klang.

Trink aus, wir müssen gehen

Heute ist sie nur noch eine leere Hülle, ein reines Marketing-Instrument für Netzbetreiber und ein gedrucktes Mahnmal dafür, was unweigerlich passiert, wenn man den Wandel der Zeit verschläft. Der wahre Stiftung Warentest für unsere digitalen Gadgets sind heute wir alle: die globale Community, die Schwarmintelligenz im Netz. Ruhe in Frieden, connect. Es war schön mit dir, damals, als der Akku meines Nokia 3310 noch eine gefühlte Ewigkeit hielt und die Welt noch in Ordnung war.

Bild Connect

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Tags: Mobilfunk, Mobilfunkbranche, Tech-YouTuber, Kaufberatung, connect Magazin, Technikjournalismus, Netztest, Smartphone-Revolution, iPhone 2007, Printmedien

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