Wenn alle so drauf gewesen wären wie du, hätten wir immer noch kein Wahlrecht für Frauen, vielleicht sogar nicht mal eine Demokratie. Oder es gäbe noch die DDR. Und in vielen Ländern noch Sklavenhaltung.
Was ist so wahnsinnig schlimm daran, anstatt einem Tesla einen VW zu kaufen? Anstatt bei Amazon bei Otto zu bestellen? Anstatt in die USA nach Kanada zu verreisen? Wird übrigens von sehr vielen schon praktiziert (siehe z.B. Teslas Verkaufszahlen in Europa oder die Anzahl ausländischer Touristen in den USA seit Trump 2.0).
Macht dich das so müde? Mir kommen die Tränen du Armer...
Ach komm, jetzt wird’s albern. Du vergleichst ernsthaft den Boykott von Tesla oder Amazon mit dem Kampf für Frauenrechte, das Ende der Sklaverei oder den Mauerfall? Ernsthafte historische Umwälzungen mit deinem Online-Shoppingverhalten gleichzusetzen ist ungefähr so geistreich wie zu behaupten, der Wechsel von Nutella zu Nusspli sei ein politischer Akt.
Niemand hat was dagegen, wenn du lieber bei Otto bestellst oder deinen Urlaub in Kanada verbringst, das ist dein gutes Recht. Aber hör auf, das als moralisch überhöhten Widerstand zu verkaufen. Es ist Konsumverhalten, kein Freiheitskampf.
Und wenn dir dabei wirklich die Tränen kommen, dann empfehle ich dringend weniger Pathos und mehr Realitätssinn.
Ich kann Salud da absolut verstehen. Hier in den USA ist das alles medial deutlich entspannter. Klar, die politischen Themen sind präsent, aber sie werden mit einer ganz anderen Nüchternheit behandelt. Kein Dauerfeuer, kein künstliches Aufbauschen.
In Europa dagegen habe ich oft das Gefühl, man stürzt sich regelrecht gierig auf jedes Detail aus den USA, als müsste man sich ständig empören. Und warum? Weil es bequemer ist, mit dem Finger auf Amerika zu zeigen, statt sich mit dem eigenen Schlamassel auseinanderzusetzen. Ob es um Wirtschaft, Migration, Energie oder Verteidigung geht, Europa hat genug eigene Baustellen. Aber lieber dramatisiert man Trump zum Weltuntergang, während man zu Hause die eigene Hütte verfallen lässt.
Das hat für mich weniger mit echter Sorge zu tun, sondern eher mit Ablenkung und Selbstgerechtigkeit. Von außen meckern ist immer leichter, als den eigenen Laden auf Vordermann zu bringen.
Nur um das klarzustellen, das soll keine politische Richtung zugunsten von Trump sein. Es geht mir einzig darum, wie verzerrt und hysterisch Europa teilweise auf die USA blickt.
Und mal ehrlich, es muss doch furchtbar anstrengend sein, in dieser ach so schlimmen Welt zu leben. Ständig empört, ständig alarmiert, ständig moralisch überlegen. Wer sich den ganzen Tag nur damit beschäftigt, wie schlimm alles ist, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann der Blick für die Realität komplett verloren geht.