Also, ganz ehrlich: Dieselbe Marketingmethode des Vergleiches mit dem Mitbewerber ist genial, wenn es Apple macht und peinlich, wenn es andere tun?
Misst man da nicht mit zweierlei Maß?
Man sollte anerkennen (das hat selbst Steve Jobs getan!), dass die Monozentrizität des Marktes sehr geholfen hat, den PC dahin zu bringen, wo er heute ist: Auf jeden Schreibtisch! Dort ist Apple nie gewesen und wird dort auch nie hinkommen.
Apple ist im professionellen Bereich toter denn je. Ich kenne kein größeres Unternehmen (außer dem zweifelhaften Beispiel Springer), wo man Macs antrifft: Lager, Buchhaltung, IT-Abteilung, Fertigung, etc. Es gibt ja nichtmal ein gescheites Mehrbenutzerkonzept a la Citrix.
Ja, bei meinem aktuellen Kunden stehen ein paar Macs in der IT - zwangsweise, weil die iOS-Apps entwickeln für Ihre Kunden und Geschäftspartner und Apple dafür sorgt, dass das nur auf Macs geht. Wer solche Methoden braucht, hat es nicht anders verdient als dass man sie sonst nicht in die Firma lässt.
Und ohne SAPGUI Client wird man im professionellen Umfeld eh nix. Da stehen dann drei Macs in der Marketingabteilung, aber das Unternehmen selbst läuft clienttechnisch unter Windows. Weil es einen SAPGUI-Client gibt und darin die Funktion "Excel inplace".
Will man es mit Gewalt anders machen, kommt so ein Gewürge wie LiMux dabei raus.
Ich habe versucht, mit Mac-Software zu arbeiten und stelle fest, dass Numbers dieselbe 64.000-Zeilen-Grenze hat, über die wir bei Excel gelacht haben. Getestet bei einer Migration. Das Schlimme ist: Der Anwender wird über das Abschneiden nicht informiert. Er sieht einfach nur falsche Daten.
Nicht zu gebrauchen. Willkommen im Jahr 1995? Oder war es 98, als diese Grenze in Excel fiel?
Pages: Inhaltsverzeichnis ist im Layout in keinster Weise änderbar, die Seitenzahlen stehen UNTER dem Eintrag statt rechts daneben.
Nicht zu gebrauchen. Damit kann man seinen Lebenslauf schreiben und ausdrucken. Mailen kann man ihn auch, bekommt dann aber die Antwort "sorry, nur Word, wir haben Programme, die die Inhalte parsen und direkt in unsere Bewerberdatenbank schreiben".
Numbers und Pages unterstützen als Webversion keine Kommentare - dabei sind gerade die DAS Kommunikationsmittel zwischen mehreren Bearbeitern. Und Tschüss.
Das ist Heimsoftware für Mutti, die mal Briefe schreibt. Ein DV-Konzept (300 Seiten, vier Bearbeiter) möchte ich damit nicht schreiben wollen. Da nehme ich lieber Word und für meine Migrationsprotokolle (die durchaus 250.000 Zeilen haben können) werte ich mit Excel aus. Für ein Buchprojekt bekomme ich eine Vorlage vom Verlag (Word, natürlich), in dem Bildverweise und so Zeugs als Makros einprogrammiert sind. Apple? Was ist das denn? In einem Verlag!
Hinzu kommt, dass es bei Apple keine Roadmaps gibt. Kunden erfahren von einem neuen Produkt auf der Keynote. Die aber wollen Investitionssicherheit, was MS zu spüren bekam, als es "appleiger" wurde: Ständige Änderungen, in diesem Falle an der GUI, haben die Großkunden vergrätzt. Apple kaufen sie trotzdem nicht.
Uhhhh, mehrere Displays an einem Rechner. Aber nur die hauseigenen Thunderbolt-Geräte, bitte. Wie man zwei EIZOs an einem MacBook Air anschließt, konnte mir bisher niemand verraten.
Wo ist die Preview auf den Yosemite-Nachfolger? Wie Windows 10 aussieht, weiß ich jetzt schon. Achso, Yosemite läuft ja nicht stabil (WLAN-Probleme), da macht man sich zum Obst, wenn man den Nachfolger zeigt.
Das Drama um iOS 8 will ich gar nicht erst bringen. Ein Bugfix nach dem anderen. Da kommt eine neue Version dann nicht wegen neuer Funktionen, sondern weil versprochene endlich ordnungsgemäß arbeiten. Und dann lacht man über Microsoft Patchdays?
Apple macht tolle Sachen, aber der technische Vorsprung beim OS wird immer kleiner. Niemand bedauert das mehr als ich und so ein Mist wie der neue Mac mini lässt mich fragen: Wird die nächste strategische Plattformentscheidung (die dann wieder für 10, 15 Jahre gefällt wird) wieder pro Apple ausfallen?
Das wird mit jeder Keynote fraglicher. Was soll ich mit einem Server, auf den ich mich per Bildschirmsteuerung schalten kann, aber nur ohne Ton? Bei einem Unix! Da hab ich mich mit Thin Clients (vulgo: Terminals) unter X Window schon Mitte der 90er an der Uni remote angemeldet. Das kann das fortschrittliche Apple bis heute nicht.
Als ich mein PowerBook G4 17" vor über 10 Jahren gekauft habe, wurde es durch OS-Upgrade aufgewertet: Es kamen die ersten Wischgesten und es wurde gesagt: All die mit einem Gerät ab .... werden sich freuen, weil wir seit Monaten kommentarlos Touchpads verbauen, die Mehrfingergesten können.
Gegenbeispiel: Beim iPhone 5S hätte man das wiederholen können: Bei der Apple Pay-Präsentation. Aber nein, wer kein 6er hat, muss irrsinnige Preise für den Witz einer Smartwatch bezahlen, um das Geld, das man dann nicht mehr hat, mit Apple Pay auszugeben.
Langfristig wird MS wieder auf Spur kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und spätestens wenn die Macs wirklich auf ARM umgestellt werden (die Gerüchte gibt es ja schon länger) und ein paralleler Windows-Betrieb deutlich aufwendiger wird (wie zu PPC-Zeiten), wird mein nächster Rechner kein Mac mehr werden.
Wetten, die erste Reaktion lautet "mecker nicht, kauf' halt was anderes"? Wer nicht diskutiert und reflektiert, wird nicht besser.