• Es gibt nach dem Softwareupdate eine Reihe von Änderungen und Neuerungen in unserem Forum. Genaueres dazu findet Ihr in dieser Ankündigung. Hinweise, Kritik, Anregungen, Lob und Tadel bitte hier diskutieren.
Apfeltalk Weihnachtsbanner

Fototipps, kurz und knackig

Irreversibel

Holländischer Prinz
Mitglied seit
16.03.07
Beiträge
1.843
10. Tipp: Goldene Karte / Drittelkarte

Oft ist das "fotografische Sehen" gerade für Anfänger nicht leicht. Drittel-Regel und Goldener Schnitt wollen sich noch nicht wirklich eingewöhnen und man hebt immer erst den Sucher ans Auge um zu entscheiden, ob ein Motiv auch fotogen ist oder nicht. Zur Übung kann man sich aus Laminierfolie in Visitenkartengröße (ca 60x90mm, entspricht angenehmerweise dem Fotoformat 2x3) durchsichtige Kärtchen herstellen, die den Sucher ersetzen und die man jederzeit mitführen kann. In den folgenden Beispielen gehe ich von Kärtchen aus, die das Format 60mmx90mm haben. Bei größeren Kärtchen bitte ich darum, die Ränder zu markieren oder auszuschwärzen um ein durchsichtiges Rechteck von 60x90mm oder einem vergleichbaren Format zu schaffen. Ob die Ecken abgerundet sind oder nicht ist natürlich egal.

Vor dem Laminieren zieht man kurz die passenden Linien zwischen die inneren Seiten. Bei der Drittelregel ist es klar: Zwei horizontale Linien im Abstand von 20mm zueinander und zum Rand, bei den rechtwinklig dazu verlaufenden vertikalen Linien 30mm Abstand zueinander und zum Rand. Schon hat man dasselbe Gittermuster das einem in vielen Suchern begegnet und bei der Bildkomposition hilft.

Beim Goldenen Schnitt wird es etwas schwieriger: Hierbei geht es eigentlich um ein Verhältnis von Längen zueinander. Die einzigen Längen, die uns immer bekannt sind, sind die, die den Bildrahmen begrenzen. Hiervon ausgehend können wir uns den goldenen Schnitt über das Verfahren der "inneren Teilung" konstruieren und kommen so für 60mm Seitenlänge auf die Werte 23mm für die kürzere und 37mm für die längere Strecke sowie bei der 90mm Seite auf 34mm für die kürzere und 56mm für die längere Strecke (das sind Näherungswerte deren Genauigkeit für uns in diesem Fall ausreicht).

Die horizontalen Linien (2 Stück) müssen also beide einen Abstand vo 23mm zum Rand halten. Die vertikalen Linien müssen einen Abstand von 34mm zum Rand halten. Somit teilt jede Linie genau einen goldenen Schnitt zum Bildrand. Ich empfehle unbedingt, die Theorie und das Prinzip des Goldenen Schnitts verstanden zu haben bevor man zur Bildkomposition übergeht. Die Buxtehuder Fotofreunde haben dazu eine anschauliche Webseite gestaltet.

Letzter Hinweis: Goldener Schnitt und Drittelregel sind keine Regeln, an die man sich sklavisch halten muss. Aber es hebt die Qualität der eigenen Aufnahmen wenn man Situationen, die diesen Gegebenheiten entsprechen, erkennt und umsetzen kann. Hinzu kommt eine gehörige Portion Bauchgefühl bzw. eigenes ästhetisches Empfinden. Später braucht man die Kärtchen wahrscheinlich nicht mehr, dann hat man sich schon daran gewöhnt - bis dahin ist es aber meiner Meinung nach eine gute Übung.
 
  • Like
Wertungen: Thaddäus

loop

Apfel der Erkenntnis
Mitglied seit
15.06.06
Beiträge
726
Gibts tipps zur 'einfachen' Sensor reinigung?
 

Irreversibel

Holländischer Prinz
Mitglied seit
16.03.07
Beiträge
1.843
11. Tipp: Wie reinige ich einen dSLR-Sensor?

Sensorstaub ist bei Kameras mit Wechselobjektiven ein ernstes Problem. Obgleich vieles von dem Schmutz natürlich von ausserhalb kommt, ist ein nicht unwesentlicher Teil des Sensorschmutzes Abrieb, und zwar vom Objektivbajonett. Auch Öltröpfchen vom Verschluss können den Sensor verschmieren. Da der Schmutz auch auf allen Bildern zu sehen ist, muss man ihn loswerden. Nur wie?

Einzelne Staubkörner und kleine Flusen bekommt man oft mit einem Blasebalg vom Sensor. Das funktioniert "eben mal schnell". Die meisten Kameras haben eine "Wartungsoption", d.h. dass der Spiegel hochgeklappt und der Verschluss gelöst wird. Um diesen Zustand aufrecht zu erhalten verbraucht die Kamera Strom, da Spiegel und Verschluss mit Elektromagneten offen gehalten werden - man sollte sich also nicht zu viel Zeit lassen. Alternativ kann man auch die Kamera im "bulb"-Modus auslösen und das Innere ausblasen. Dabei sollte man niemals selbst mit Atemluft auf den Sensor pusten oder hauchen, ein möglichst kräftiger Handblasebalg ist zwingend erforderlich. Hierbei gilt es absolut zu vermeiden, mit der Blasebalgspitze in den Schlagweg des Spiegels zu reichen. Wenn der Spiegel beim Zurückschlagen berührt wird, muss die Kamera aufwendig repariert werden (man kann davon ausgehen, dass eine neue in den meisten Fällen billiger ist). Das Gleiche gilt für den dahinter liegenden Verschluss. Das ist die Methode, die die meisten Kamerahersteller für ihre Kameras empfehlen. Grund: Sie wollen nicht, dass man den Tiefpassfilter auf dem Sensor berührt, womöglich mit nicht geeigneten Reinigungsflüssigkeiten. Das Ausblasen ist die sicherste Lösung und häufig ist man damit schon erfolgreich. Dabei bitte den gesunden Menschenverstand einsetzen und eine trockene, staubarme Umgebung aufsuchen.

Ein Blasebalg (bitte keines der Modelle mit eingebautem Pinsel!) ist leicht mitzuführen und die Reinigung damit ist leicht zu erlernen. Leider kann man damit keinen statisch aufgeladenen oder eingetrockneten Schmutz entfernen. Für diesen Fall kann ich folgende Artikel empfehlen, die man dann aber wirklich nicht unterwegs verwenden sollte sondern auf einer Arbeitsfläche:

Eine Sensorlupe (Delkin und VisibleDust stellen welche her). Die Dinger sind nicht unpraktisch, um den Staub erstmal zu finden. Alternativ tut's eine günstige Lupenbrille genauso gut.

"Sensor Brushes". Das sind Nylonpinsel, mit denen man die Sensoroberfläche abstreichen kann. Gibt es auch als statisch aufgeladene und selbstausschüttelnde Version mit den Namen "Arctic Butterfly" und "Brush OFF".

Reinigungsstäbchen und -Flüssigkeiten: Als "Sensor Swabs" oder "Sensor Wands" verkauft, sehen die Dinger aus wie kleine Fensterabstreifer. Sie werden zur Feuchtreinigung (meistens mit Methanollösung) benutzt. Man kann auch industriereines Methanol aus der Apotheke nehmen, im Zweifelsfalls sollte man aber zu den verschiedenen Lösungen greifen, die die Hersteller anbieten: "Eclipse" oder "Eclipse E2" sind die häufig verwendeten Flüssigkeiten (Achtung, darf nicht mit ins Fluggepäck!). Von VisibleDust gibt es auch noch 3 verschiedene Lösungen gegen verschiedene Arten von Flecken. Alle 3 sind ziemlich teuer, trocknen ziemlich langsam und der Hersteller garantiert für nichts, ABER sie dürfen ins Fluggepäck. Für die Reinigung zuhause empfehle ich "Eclipse E2", das ist übrigens die einzige Flüssigkeit, die auch Sony für den Einsatz auf ihren Sensoren freigegeben hat. Ich bevorzuge SensorSwabs, weil man die in genau passenden Größen kaufen kann und die Handhabung angenehm ist. Man kann auch bereits feuchte Swabs in der Einmalpackung kaufen, für die Reise sind die sicher nicht schlecht, aber auch da sollte man sich eine ruhige, saubere Arbeitsfläche suchen und das nicht mal eben auf der Überfahrt nach Ko Samui im Boot vornehmen.

Bei der Kamerareinigung kann man es so anpacken: Erst ausblasen, dann versuchen mit einem statisch aufgeladenen Nylonpinsel Überbleibsel zu entfernen und dann evtl. verbleibende Stellen noch mit einem Sensor Swab feuchtreinigen. Die Feuchtreinigung ist wirklich nur selten notwendig, vor allem wenn man beim Objektivwechsel Vorsicht walten lässt (es hilft schon, das Objektivbajonett dabei zum Boden zu richten). Irgendwann hat JEDER mal Schmutz auf dem Sensor, übervorsichtig muss man also nicht sein, zumal es immer eine Möglichkeit gibt, diesen wieder zu entfernen. Manche unterziehen den kompletten Spiegelkasten einer regelmäßigen Feuchtreinigung, meiner Meinung nach muss das nicht sein.

Es gibt auch noch andere Lösungen wie z.B. Discofilm und Scotchtape, beide sind aber mit nicht unerheblichem Bastelaufwand und der Gefahr, etwas irreparabel zu zerstören verbunden. Für eine regelmäßige Reinigung ist mir das zu aufwendig und unsicher. "Speckgrabber" werden auch gerne verwendet, aber ich halte nichts von diesen Klebepads, die ABSOLUT sauber sein müssen (und das sind sie nur am Anfang, da sie auch gerne mehrmals verwendet werden). Ansonsten hat man den Dreck dann wieder auf dem Sensor. Sogenannte LensPens mit Spitze aus Kohlefaser oder was auch immer sollte man nicht verwenden, damit schiebt man den Staub nur von einer Ecke in die andere, in vielen Fällen kommt sogar neuer Staub auf den Sensor. Wattestäbchen (auch sog. "medizinische") sollte man auch nicht verwenden.

Übrigens: Viele Hersteller bieten auf Messen die Möglichkeit an, Sensoren kostenfrei zu reinigen. Die machen das auch nicht anders als oben beschrieben, haben aber natürlich mehr Erfahrung.
 

Tschako

Empire
Mitglied seit
31.03.08
Beiträge
87
12. Tipp Fotografiesche Regeln bewusst missachten

Oftmals liest man in Foren und Büchern über essentielle Regeln für gute Fotos.
Diese beginnen meist mir korrekter Belichtung, führen über den Goldenen Schnitt bishin zum Weißabgleich.
Beschrieben wird das alles oft so dass einem Laien nichts anderes übrig bleibt als zu glauben das das strikte Einhalten der Regeln zu guten Bildern führt. Diese Regeln haben alle etwas gemeinsam, sie können Bilder aufwerten, und sie interessanter und realistischer machen und sorgen so dafür das ein Bild als schön und gut empfunden werden kann. Ich sage bewusst kann, da es mit dem genauen Gegenteil genauso der Fall sein kann. Belichtet man ein Bild bewusst unter und erhält so schwarze "asugefressene" Bereiche kann dies zur erheblichen Steigerung der Bildwirkung kommen. Das wohl beste Beispiel dafür sind Menschen die nur noch als Silhouetten dargestellt werden, genauso kann dies aber auch mit Tieren und Gebäuden funktionieren.
Genauso verhält es sich mit der Perspektive, so gelten Portraitaufnahmen von oben oder unten fotografiert meist als unvorteilhaft und sollten deshalb vermieden werden, setzt man den Bruch dieser Regel jedoch bewusst ein kann ein Bild erheblich an Wirkung gewinnen. Fotografiert man zum Beispiel Kinder nicht starr von vorne, wobei man auch hierbei in die Knie geehn sollte um auf der sleben Augenhöhe zu sein, sondern fotografiert sie von unten vom Boden aus indem sie einen Kreis um den Fotografen bilden, kann das Bild erheblich an Wirkung gewinnen.
Auch das Brechen der Drittelregel kann eine Bildwirkung steigern. Und auch ein falscher Weißabgleich kann zu einer anderen, eventuell besseren Wirkung des Bildes führen.
Der wohl wichtigste Aspekt hierbei, also beim Brechen dieser Regeln, ist jedoch das eigene Empfinden und auch ein wenig Selbstkritik ist hierbei vonnöten.
Man sollte nicht einfach darauf losschießen und sich nachher damit rechtfertigen man habe die Regeln absichtlich gebrochen. Dies sollte man bewusst machen und man sollte sich auch genau überlegen ob dies an dieser Stelle wirklich sinnvoll ist. Auch sollte man sparsam damit umgehen und stets das Bild als gesamtes und die WIrkung die auf den Betrachter ausgeübt werden soll im Auge behalten.
Abschließend möchte ich nochmals betonen, dass dies kein Aufruf dazu sein soll nur noch die Regeln zu brechen und möchte ebenfalls nochmals betonen das dieses Brechen die Wirkung steigern KANN.
 
  • Like
Wertungen: from_theashes

Matzele

Braeburn
Mitglied seit
08.11.08
Beiträge
47
13. Tipp Vielleicht kommt das Thema ja doch noch mal in Schwung.
Staub auf dem Sensor finden:

Um einen Überblick über den Staub zu bekommen, verwendet man ein bliebiges Objektiv, wählt die kleinste mögliche Blendenöffnung und stellt den Fokus manuell auf die Naheinstellgrenze. Nun fotografiert man eine möglichst eben ausgeleuchtete Fläche, z.B. den blauen Himmel. Grobe Partikel kann man so recht schnell auf dem gemachten Bild erkennen. Wenn man zB in iPhoto hier noch ein wenig mit dem Kontrast spielt und ihn ein wenig erhöht, hat man so eine Karte auch über die feinen Partikel. Jetzt kann beurteilt werden wo der Schmutz auf dem Sensor sitzt und ob eine Reinigung nötig ist.

(gelesen bei 96dpi.de)
 
  • Like
Wertungen: Irreversibel

Thaddäus

Golden Noble
Mitglied seit
27.03.08
Beiträge
15.723
ACHTUNG: Flecken, die auf dem Bild links oben erscheinen, befinden sich auf dem Sensor rechts unten. Das Bild wird wie beim menschlichen Auge spiegelverkehrt aufgenommen, und in der Kamerasoftware dann gedreht. Dies nur als Hinweis.
 

Kingfisher

Jonathan
Mitglied seit
26.02.12
Beiträge
81
Ich hoffe das passt hier rein :-D

Ist es möglich das man solche guten Bilder auch mit dem Iphone 4 macht ? ich als leie erkenne z.b. keinen unterschied ob das handy jetzt 6 megapixel hat oder 8 hat. Vllt gibt es ja auch eine gute App.

Noch eine frage zum schluß. Wie nennt man solche Bilder wo z.b. der vordergrund scharf ist allerdings der hintergrund unscharf ist wie hier : http://www.heiko-keim.de/wp-content/gallery/fotos-fur-artikel/img_9935_0002.jpg

Oder ist dies nur ein Photoshop Trick ? :)
 

Jenso

Safran Pepping
Mitglied seit
02.12.07
Beiträge
4.365
Das nennt man: das Motiv „freistellen“ und es benötigt keine Software, sondern nur einen Fotoapparat. Man wählt eine kurze Belichtungszeit und offene, große Blende (= kleine BlendenZAHL) – punktgenau scharfstellen und fertig.

Je geschlossener, kleiner die Blende (= je größer die Blendenzahl), desto mehr „Tiefenschärfe“ entsteht; dies meint die Ausdehnung (von vorn nach weiter hinten) der Schärfenzone.
 

reframing

Weißer Winterglockenapfel
Mitglied seit
09.09.07
Beiträge
888
Die Aussage von Jenso stimmt natürlich. Ergänzen möchte ich noch, dass auch die Brennweite des Objektives eine Rolle spielt. Der Schärfebereich eines 200mm-Teles bei -sagen wir mal- Blende 8 ist kleiner als der Schärfebereich eines Weitwinkelobjektives bei Blende 8.

In Photoshop kannst du den Effekt unter Umständen simulieren, in dem du einen Hintergrund maskierst und danach weichzeichnest. Der Aufwand ist natürlich einiges grösser, als wenn du dies mit fotografischen Mitteln löst und ob das Resultat dann überzeugt ist auch fraglich.

Ist es möglich das man solche guten Bilder auch mit dem Iphone 4 macht ?
Auf welche Bilder beziehst du dich da? Ist mir nicht klar.
 

Kingfisher

Jonathan
Mitglied seit
26.02.12
Beiträge
81
meine halt eben sowas wie mit dem freistellen oder andere effekte.
 

reframing

Weißer Winterglockenapfel
Mitglied seit
09.09.07
Beiträge
888
meine halt eben sowas wie mit dem freistellen ....
Ich vermute nicht. Da ich kein iPhone besitze, kann ich dir dazu nur theoretisch antworten. Angaben über die Kamera des iPhone findet man auch nur schwerlich. Mit Google fand ich, dass das Objektiv der Kamera eine Blende von 2.4 und eine Brennweite von 3.85mm hat. Ob diese Angaben stimmen kann ich jedoch nicht sagen. Treffen diese zu, ist auf einem Foto die Situation ab einer Distanz von ca. 15 cm bis unendlich schon alles scharf abgebildet. Vielleicht stimmt da der Wert nicht absolut genau, jedenfalls habe ich noch kein Foto vom iPhone 4 gesehen, welches diesen Effekt aufweist, was die theoretische Berechnung wiederlegen würde.

... oder andere effekte.
Kommt drauf an welche Effekte du meinst.
 

Kingfisher

Jonathan
Mitglied seit
26.02.12
Beiträge
81
Ich glaube auch die anderen Effeckte sind nicht möglich. Trotzdem Danke für deine Mühe
 

Jenso

Safran Pepping
Mitglied seit
02.12.07
Beiträge
4.365
Man kann mit dem iPhone 4s aber auch versuchen, etwas herauszuholen, mit dessen beschränkten Mitteln…

Um im Beispiel zu bleiben, habe ich eben drei Schneckengehäuse (Buccinum undatum) mal aufgebaut und das Licht gezielt soweit verringert, daß die Blende sich weit öffnen mußte; dann den Focus gezielt ausgewählt und schwupps: so schlecht ist das Ergebnis doch gar nicht?
 

Anhänge:

reframing

Weißer Winterglockenapfel
Mitglied seit
09.09.07
Beiträge
888
14. Tipp: Scharfe Tierfotos

Ich schreibe hier mal meine Erfahrungen auf, wie man zu scharfen Tierfotos kommt. Natürlich erhebe ich damit keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit. Der Profi wird wohl auch noch den einen oder anderen Trick mehr auf Lager haben, aber ich hoffe, für den „Heimgebraucht“ lässt sich doch die eine oder andere Anregung mitnehmen.

1. Kameraeinstellungen
Der wichtigste Punkt scheint mir die Einstellungen der Kamera bei der Aufnahme zu sein: schnelle Belichtungszeit, passende Blende und tiefer ISO-Wert wären hier das Ideal. Oft kommt man jedoch nicht um Kompromisse herum. Für die Belichtungszeit existiert die alte Faustregel (und das nicht nur für die Tierfotografie sondern allgemein), dass die Belichtungszeit maximal 1 geteilt durch die Brennweite des verwendeten Objektives sein soll, also bei einem 300mm-Objektiv höchstens 1/300s Belichtungszeit, um keine Unschärfen durch Verwacklung der Kamera einzufangen. Mit den hochauflösenden Kameras heutzutage reicht diese Formel jedoch wohl nicht mehr. Wer auf „sicher“ gehen will, schlägt noch etwas „Reserve“ dazu. Bei Verwendung eines Stativs (Was sich nach Möglichkeit empfiehlt), kurzen Brennweiten oder schnellen Bewegungen werden jedoch die Bewegungen des Tieres zum entscheidenden Kriterium für die Festlegung der Belichtungszeit. Eine generelle Angabe, welche Zeit benötigt wird ist nicht möglich, das hängt von der Geschwindigkeit der Bewegungen des Tieres ab. Ich würde mal sicher ab 1/200s und schneller versuchen. Beim Versuch, Vögel im Flug abzubilden, brauchts dann schon noch eine erheblich kürzere Belichtungszeit.

2. Ausrüstung
Natürlich hängt die Bildqualität auch mit der verwendeten Ausrüstung zusammen. Hochwertige, scharfe Objektive und ein guter Kamerabody erhöhen die Chance, gute Tierbilder zu schiessen. Allerdings scheint mir, dass gerade am Anfang die Bedeutung der Technik überschätzt wird. Also, wenn die ersten Versuche in der Tierfotografie nicht gerade „rattenscharf“ werden, liegt das in der Regel nicht an einer „Einsteigerkamera“ oder einem Front- oder Backfokus des Objektives, sondern eher an den Unkenntnissen des Objektes hinter der Kamera. Hier ist Übung und Vertiefung in die Materie angesagt.

3. Fokussieren
In der Regel gehört der Fokus bei Tieren auf die Augen. Genaues manuelles Fokussieren auf die Augen wird wohl nur bei sehr ruhigen Tieren von Erfolg gekrönt sein. Ein guter Autofokus ist erheblich präziser und schneller. Um diesen „punktgenau“ auf die Augen des Tieres auszurichten empfiehlt es sich, bei den Einstellungen des Autofokusses nur ein Messfeld aktiv zu setzen. In der Regel sind die Kameras ab Werk mit einem Autofokus eingestellt, welcher mehrere Messfelder berücksichtigt. Scharfgestellt wird danach auf den Körperteil, welcher einem dieser Messfelder am nächsten ist. Das sind selten die Augen. Deshalb erreicht man bessere Resultate mit einem einzelnen aktiven Messfeld. In vielen Kameras ist das Messfeld genau in der Mitte des Bildes am empfindlichsten und fokussiert am Besten. Wählt man dieses Feld als Messfeld und zielt damit auf die Augen es Tieres ergibt sich jedoch das Problem, dass oft nach dem Fokussieren die Kamera noch leicht bewegt werden muss, da die Augen ja nicht immer in der Mitte des Bildes sein sollen. Dadurch kann es gerade bei kleinen Motiven oder geringer Schärfentiefe zu Fokusverschiebungen kommen. Etwas Übung benötigt das Anwählen eines geeigneten Messfeldes ausserhalb der Mitte, je nach Position der Augen. Dadurch lassen sich jedoch die Fehler des Verschwenkens der Kamera verhindern.

4. Serienbilder
Viele Tiere bewegen sich mehr oder weniger schnell und geraten leicht aus dem Fokus. Hier hilft öfters die Serienbildfunktion der Kamera. Die Chance, dass zumindest ein Bild aus einer Serie von Aufnahmen scharf ist oder das Tier in einer ganz bestimmten Pose zeigt (zum Beispiel Vögel beim Abfliegen usw.) ist natürlich grösser als bei Einzelaufnahmen. Hilfreich dabei ist, wenn in der Kamera die Funktion der automatischen Fokusnachführung aktiviert ist (Bei Canon „AI Servo“ anstelle „One shot“).

5. Entrauschen
Um auf genug schnelle Belichtungszeiten für Tiere zu kommen, wird man kaum umhin kommen, in vielen Fällen den ISO-Wert hochzusetzen. Bei einfacheren Kameramodellen dürfte ein ISO-Wert bis ca. 400 und bei höherwertigen Kameras bis ca. 1600 kein Problem für eine genügend gute Bildqualität darstellen. Ein erhöhen des ISO-Wertes wird sich in einem verstärkten Bildrauschen im Foto bemerkbar machen. Mit speziellen Programmen oder dem Photoshopfilter „Rauschen vermindern“ lässt sich das Rauschen reduzieren. Dabei empfiehlt es sich, nur den Hintergrund zu entrauschen und das eigentliche Motiv durch eine Maske von der Entrauschung auszuschliessen. Das Rauschen macht sich vorallem in den grossen einfarbigen Flächen wie sie im Hintergrund vorkommen unangenehm bemerkbar, in Fell- oder Gefiederstrukturen von Tieren ist das Rauschen viel weniger wahrnehmbar. Hier würde eine Entrauschung nur zu noch nachteiliger Weichzeichnung der feinen Strukturen führen. Hochwertige Entrauschungsprogramme können bei fachgerechter Anwendung jedoch auch mit Erfolg in „empfindlichen“ Partien angewendet werden.

6. Schärfung
Jede Digitalkamera produziert eine mehr oder weniger ausgeprägte Unschärfe bei der Aufnahme im Bild. Und je nach Ausgabegerät (Monitor, Tintenstrahler usw.) ist eine unterschiedliche Nachschärfung des Bildes notwendig. Auch hier gilt der Grundsatz, nur diejenigen Partien im Bild zu schärfen, welche eine Schärfung nötig haben, die restlichen Zonen schliesst man mit einer Maske davon aus. Zur Schärfung bestehen mehrere Möglichkeiten. In Photoshop etwa über die Filter „Unscharf maskieren“ oder den „Hochpassfilter.“ Genauere Angaben über deren Anwendung finden sich in den weiten Welten des Internets .

7. Schärfung für Darstellung auf Monitor
Viele Bilder sind ausschliesslich zur Darstellung auf dem Monitor gedacht (z.B. hier im Forum oder sonst Bilder im Internet). Die Bilder werden dazu meistens von der Originalgrösse auf die Darstellungsgrösse des Monitors heruntergerechnet. Dadurch verlieren die Bilder etwas an Schärfe. Es lohnt sich deshalb, die Bilder nach der Verkleinerung nochmals zu schärfen (Das gilt nicht nur für Tierfotos). Sehr gute Resultate können dabei erreicht werden, wenn das Bild nicht in einem Schritt von der Originalgrösse auf die Bildschirmgrösse heruntergerechnet und geschärft wird, sondern schrittweise mit Verringerung der Seitenabmessung um 500px verkleinert wird und bei jeder Verkleinerung etwas nachgeschärft wird bis die endgültige Grösse erreicht ist.


So, das wars mal von meiner Seite. Wer mag, darf gerne korrigieren, ergänzen oder Fragen stellen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Pill

Adams Parmäne
Mitglied seit
07.07.12
Beiträge
1.310
Erwähnt werden sollte noch, dass bei Crop-Kameras zur Berechnung der Belichtungszeit noch der Cropfaktor mit eingerechnet werden sollte:

Belichtungszeit = 1 / (Cropfaktor x Brennweite)
 

reframing

Weißer Winterglockenapfel
Mitglied seit
09.09.07
Beiträge
888
Das ist richtig, Pill. Danke für den Hinweis.

Zu ergänzen wäre auch noch, dass ein Bildstabilisator natürlich wieder etwas längere Belichtungszeiten zulässt (solange die Brennweite das entscheidende Kriterium für die Belichtungszeit ist). Puhh, es gäbe noch einiges zu erwähnen, aber irgendwo sollte der Beitrag ja auch dem Threadtitel "kurz und knackig" entsprechen :).
 

zitrus

Erdapfel
Mitglied seit
30.09.13
Beiträge
1
ich weiß dass man nicht gegen die sonne fotgrafieren soll, drauf achte, dass die beine nicht abgeschnitten werden sollen. wenn die person etwas rechts oder links steht, also nicht mittig sieht das foto vie schöner aus :)
 

double_d

Moderator
AT Moderation
Mitglied seit
08.03.12
Beiträge
5.655
Vielleicht ist das für einige noch interessant.

(15. Tipp ?) Günstige Makro-Aufnahmen

Wer mal mit Makro-Aufnahmen experimentieren möchte, ohne direkt ein teures Objektiv zu kaufen, der kann sich für etwa 10 - 15 € einen Retroring kaufen und so nahezu alle seine vorhandenen Objektive mit Blendenring "verkehrt" herum an der Kamera montieren. Am besten eignen sich Weitwinkel- und Zoomobjektive dafür.
Natürlich müssen Fokus und Blende manuell am Objektiv eingestellt werden.