@computerschreck: Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel.
Ich bleibe aber bei meiner Argumentation. Diese folgt nämlich dem Ansatz, dass es der Trojaner-Viren-Sonstwas-Mafia nicht darum geht, lustig einen nach dem anderen Rechner zu infizieren, sondern rein um Geld. [...]
Natürlich will man mit Schadprogrammen Geld verdienen, zumindest wenn man dieses "Gewerbe" professionell betreibt.
[...] Je breiter eine installierte Basis ist, um so breiter das Interesse diese auch auszunutzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein System (wie im Artikel beschrieben Windows) einen Designfehler hat oder nicht. Man muss sich "Trojaner-Autoren" nicht mehr so als Skript-Kddies vorstellen, die am heimischen Rechner mal eben einen kleinen Virus zusammenklicken. Hier arbeiten hoch spezialisierte Experten. [...]
Tut mir leid, dem kann ich nicht zustimmen. Nehmen wir mal an, Du wärst ein höchst professioneller Bankräuber mit Unmengen an Erfahrung und allem Werkzeug das Du Dir nur erträumen kannst. Jetzt hast Du die Wahl: Brichst Du mit Deinen Komplizen in das hochgesicherte Fort Knox ein (wo ja angeblich alle Goldvorräte der USA gesammelt sind), oder brichst Du bei Dir um die Ecke in der Kreissparkasse ein, wo zwar viel weniger Geld liegt, wo aber nachts die Tür nicht abgeschlossen wird?
Natürlich hättest Du
Interesse in Fort Knox einzubrechen, letztendlich ist es aber viel einfacher, Omas Sparbuch aus der Sparkasse mitzunehmen. Wenn Du darauf aus bist, Beute zu machen um jeden Preis (und die Höhe dieser Beute vom Aufwand abhängig machst, sprich den schnellen Gewinn suchst), dann betreibst Du nicht mehr Aufwand als unbedingt nötig, um an Geld, Daten, Informationen oder sonstwas zu kommen.
Jetzt könntest Du natürlich sagen: Aha, aber es gibt ja viel mehr Sparkassen als Fort Knox, also ist doch logisch, dass Sparkassen öfter angegrifffen werden. Nun, drehen wir das Beispiel doch einfach um. Sagen wir es gäbe Hochsicherheitsanlagen wie Sand am Meer, aber nur ein oder zwei
ungesicherte schlecht gesicherte Bankfilialen. Na, wo greifst Du jetzt an? Richtig, immer noch die Sparkasse. Der "Marktanteil" spielt keine Rolle, wenn es große Unterschiede beim Sicherheitsgrad gibt.
Die Entwickler von Schadsoftware sind auch nur Menschen, und infolgedessen gehe ich davon aus, dass sie denken und handeln wie Menschen. Kein Entwickler wird auf Teufel komm raus versuchen eine kleine Lücke auszunutzen, bei der die Erfolgschance bei meinetwegen 15% liegt, wenn woanders ein riesiges Sicherheitsloch klafft, was zu 85% einen Erfolg verspricht.
Natürlich mag es Ausnahmen geben - Tüftler, die die Sparkasse verschmähen und den Einbruch in Fort Knox als persönliche Herausforderung sehen, bei der zufällig noch ein schöner Gewinn abfällt - Das ist aber nicht die Regel, sondern, wie gesagt, eine Ausnahme.
Gruß,
der schreck
Anmerkung: Die Sparkasse ist hier symbolisch zur Verdeutlichung des Beispiels gewählt. Unterstellungen zur Sicherheit der Sparkassen sind nicht beabsichtigt.