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Apple, Google & Co.: Tech-Giganten setzen sich gemeinsam für NSA-Reform ein

Martin Wendel

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Dass die größten Technologie-Unternehmen in den USA gemeinsam an einem Strang ziehen, ist wohl eher eine Seltenheit. Umso bedeutender erscheint der nun veröffentlichte offene Brief, der an den Präsidenten der USA und die Mitglieder des Kongresses gerichtet ist und sich deutlich für eine Reform der Überwachung durch Regierungsorganisationen ausspricht. Unterzeichnet wurde dieser gemeinsam von Apple, Google, Microsoft, Yahoo, AOL, Facebook, Twitter und LinkedIn.[PRBREAK][/PRBREAK]

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Bild von mw238 (flickr), bestimmte Rechte vorbehalten

Seit Sommer diesen Jahres schlagen die Enthüllungen von Edward Snowden große Wellen in Medien und immer mehr auch in der Politik. Überwachungsprogramme wie PRISM oder MUSCULAR sorgten für einiges an Aufregung. Zuletzt hieß es, die NSA lege von zig Millionen Mobiltelefonen weltweit mehrere Milliarden Datensätze pro Tag mit Ortsdaten und weiteren Informationen an. Außerdem, so jüngste Berichte, könne die NSA auf Webcams in Computern zugreifen – ohne dass das Licht, das normalerweise eine Aufnahme signalisiert, aktiviert wird.

Der nun veröffentlichte Brief, der bei 9to5Mac in englisch oder weiter unten übersetzt nachzulesen ist, wurde unter anderem in der The New York Times und der Washington Post veröffentlicht.

Sehr geehrter Präsident,
sehr geehrte Mitglieder des Kongresses,

uns ist klar, dass Regierungen die Pflicht haben, ihre Bürger zu beschützen. Die Aufdeckungen in diesem Sommer haben aber hervorgehoben, wie dringend eine Reform von Überwachungsmaßnahmen von Regierungen weltweit ist. Die Balance in vielen Ländern neigt sich zu weit zu Gunsten der Staaten und weg von den Rechten von Einzelpersonen – Rechte, die in unserer Verfassung verankert sind. Dies untergräbt die Freiheit, die wir alle schätzen. Es ist Zeit für eine Änderung.

Wir sind unsererseits darauf bedacht, die Daten von Nutzern sicher zu halten. Wir wenden die neuesten Verschlüsselungstechnologien an, um eine nicht erlaubte Überwachung unserer Netzwerke zu verhindern, und schieben Regierungsanfragen auf, um sicherzustellen, dass diese legal und in ihrem Ausmaß gerechtfertigt sind.

Wir bitten die Vereinigten Staaten dringend, die Führung zu übernehmen und Reformen durchzuführen. Überwachungsmaßnahmen von Regierungen sollen klar durch Gesetzte geregelt, den Risiken angemessen und transparent sein, sowie einer unabhängigen Aufsicht unterliegen. Alle Prinzipien, die wir unterstützen, können unter ReformGovernmentSurveillance.com eingesehen werden.

Mit freundlichen Grüßen,

AOL, Apple, Facebook, Google, LinkedIn, Microsoft, Twitter, Yahoo

Via 9to5Mac
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Das ist ja ganz nett, aber auch nicht mehr als ein Pfeifen im Walde. Was machen denn die Firmen, wenn nichts passiert? Richtig, einfach so weiter.
 
Erschreckend, dass die Konzerne eine solche Initiative zeigen und nicht die Bürger.
 
Das ist ja ganz nett, aber auch nicht mehr als ein Pfeifen im Walde. Was machen denn die Firmen, wenn nichts passiert? Richtig, einfach so weiter.
Mit diesem Totschlagargument kann man natürlich so gut wie jede Form der Demonstration in Frage stellen.

Erschreckend, dass die Konzerne eine solche Initiative zeigen und nicht die Bürger.
Öhm... gab doch eh schon weltweite Demos mit zig tausenden Teilnehmern.
 
Hier geht es um geschäftliche Interessen. Die Konzerne haben das jahrelang gewusst, aber solange sie nicht befürchten mussten, dass die Kunden wegbleiben war es ihnen unterm Strich ziemlich egal. Erst jetzt wo Milliardenumsätze auf dem Spiel stehen kommen sie aus den Puschen. Wenn ich dieses Gelaber von Freiheit und Rechten höre, wird mir speiübel.
 
Die Konzerne haben das jahrelang gewusst, aber solange sie nicht befürchten mussten, dass die Kunden wegbleiben war es ihnen unterm Strich ziemlich egal.
Wo befürchten sie das denn? Stecken doch alle im gleichen Boot und eine wirkliche Wahl hast du ja nicht, außer das Netzwerkkabel zu ziehen.
 
Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt!

Und das ist doch schon einmal einer. Und zwar einer, der auch wahrgenommen wird!

Mag sein, dass es erst im Beutel zwicken musste (oder es abzusehen sein musste, das es wohl zwicken werden wird), um aufzustehen. Sie haben es aber getan - besser spät als nie!

@der-ein-oder-andere-hier-mich-eingeschlossen: was haben wir bisher unternommen (außer "Flurgemaule")?
 
Zuletzt bearbeitet:
Wo befürchten sie das denn? Stecken doch alle im gleichen Boot und eine wirkliche Wahl hast du ja nicht, außer das Netzwerkkabel zu ziehen.
Was man so lesen konnte, gehen die Schätzungen bzgl Umsatzeinbußen für die amerikanischen IT-firmen bis in die dreistelligen Milliardensummen pro Jahr. Kann natürlich auch anders kommen, das wird man sehen. Aber ich glaube schon, dass es mittlerweile mehr als ein Sturm im Wasserglas ist.

Wenn Firmen aus Sicherheitsüberlegungen auf quelloffene Software statt auf Windows oder MacOS setzen, Cisco sich ständig fragen lassen muss ob sie NSA-Backdoors einbauen und amerikanische Cloudanbieter und Firmen vom europäischen Markt praktisch ausgeschlossen zu werden drohen, sollte das Safe-Harbor Abkommen gekündigt werden, Ausschreibungen in sicherheitskritischen Bereichen nicht mehr an amerikanische Firmen gehen usw. - das würde sich bemerkbar machen, und so manches Geschäftsmodell gar auf die Probe stellen... Und Google, Facebook und Apple & Co werden auch um ihr Image und einen drohenden Bewusstseinswandel bei den Consumern besorgt sein, wenn sogar Lieschen Müller klar wird, dass ihr schickes Smartphone eine Ortungswanze ist. Solche Umbrüche kommen nicht von heute auf morgen und sind nicht zwingend oder unabwendbar, aber langfristig könnte der Schaden ganz enorm sein.

Deswegen rühren die sich. Nicht weil sie auf einmal um unsere Privatsphäre und Freiheit besorgt wären (das wäre auch zu -ähem- komisch).

Stell Dir einfach mal vor, du wärst ein Google Rep und sollst eine deutsche Firma zum Umstieg auf GoogleDocs bewegen. Sicher kein leichter Job mehr... ;)
 
Wo war eigentlich der Aufschrei der Konzerne, als sie gezwungen wurden, Backdoors in ihre Produkte einzubauen? Das betrifft nicht nur die genannten, sondern auch CISCO usw.

Sie sind seit Langem Mitwisser, wenn nicht sogar Mittäter, wenn sie z.B. für die Regierung entsprechende Aufträge bearbeitet haben oder die Backdoors mit NSA-Geld programmiert haben!

So ein scheinheiliges, heuchlerisches Pack! Widerlich, allesamt.



Diese Meldung zeigt außerdem auf erschütternde Weise, wie kaputt unsere Demokratien sind! Keine Demos, keine Bürgerinitiativen, keine Opposition, nichts. Erst die Konzerne fangen an zu meckern, wenn es ihnen ans Geschäftsmodell geht.
 
@Ottomane: Dem ist - leider - nichts mehr hinzuzufügen.
 
Apple hat wohl "nur" den Brief mitgezeichnet.

Die Seite http://reformgovernmentsurveillance.com enthält aber zusätzlich zum Brief noch viele konkrete Forderungen und Aussagen von Vertretern der Firmen. Jedoch nicht von Apple.

Da konnte, durfte oder wollte man wohl einige Aussagen nicht mittragen (möglicherweise hat man auch noch einen engen "Maulkorb" umhängen, der eine zu klare Positionierung unter Strafe stellt - Sippenhaft ist ja auch in USA wieder "en vogue").
 
Erschreckend, dass die Konzerne eine solche Initiative zeigen und nicht die Bürger.
Weil sonst diesen Konzernen die Bürger weglaufen, b.z.w. nicht mehr so bereitwillig diesen Konzernen alle ihre Daten geben und in die "Wolke" schicken, nachdem sie es nun nicht mehr verheimlichen können...;-) Ist nix weiter als eine Werbekampagne zur Imagerettung!
 
Ich glaube kaum, dass Amerika irgendetwas dagegen tun wird. Google, Microsoft und Co. "versuchen" etwas dagegen zu tun, aber so wirklich glaube ich nicht daran. Nicht einmal dass Sie das wollen.

iCloud, Skydrive und wie sie alle heißen funktionieren doch nur dann...
 
Das zeigt, wie auf-den-Senkel-gehend antiamerikanisch Google, MS, Facebook und Yahoo doch sind!
 
Unternimmt man nichts, steht man in Kritik, unternimmt man etwas, ist es nichts weiter als Marketing. Wie sollen sich die Unternehmen denn eurer Meinung nach verhalten? Und wenn "die" alle wirklich so böse sind, wie ihr es ihnen unterstellt: Warum nutzt ihr deren Produkte noch? Also ich würde um Unternehmen, denen ich Verheimlichung, Scheinheiligkeit, Heuchlerei und das beabsichtigte Einbauen von Backdoors unterstelle, einen weiten Bogen machen. Wenn man schon nicht auf die Straße geht, wäre das wohl das noch das deutlichste Signal. Aber dafür sind dann offenbar doch wieder alle zu bequem, oder wie kann man ein solch zwiegespaltenes Verhalten deuten?
 
Wo war eigentlich der Aufschrei der Konzerne, als sie gezwungen wurden, Backdoors in ihre Produkte einzubauen? Das betrifft nicht nur die genannten, sondern auch CISCO usw.

Sie sind seit Langem Mitwisser, wenn nicht sogar Mittäter, wenn sie z.B. für die Regierung entsprechende Aufträge bearbeitet haben oder die Backdoors mit NSA-Geld programmiert haben!

So ein scheinheiliges, heuchlerisches Pack! Widerlich, allesamt.
Dann kapp deine Netzwerkverbindung.
Die Firmen sind per Gesetzt dazu verpflichtet den Mund zu halten. Soweit ich weiß streitet Apple (und andere) gerade darum, dass sie gerne mehr preisgeben würden.
Was würdest du denn als CEO einer großen Firma machen? Einfach mal aus heiterem Himmel rausposaunen, dass du mit der NSA kooperierst, dafür wahrscheinlich eine milliarden hohe Strafe oder sonstige Nachteile in Kauf nehmen und zusätzlich deine Kundschaft verunsichern/-graulen. Nein, danke. Würde ich auch nicht machen.
 
Was würdest du denn als CEO einer großen Firma machen? Einfach mal aus heiterem Himmel rausposaunen, dass du mit der NSA kooperierst, dafür wahrscheinlich eine milliarden hohe Strafe oder sonstige Nachteile in Kauf nehmen und zusätzlich deine Kundschaft verunsichern/-graulen. Nein, danke. Würde ich auch nicht machen.

Jeder der genannten Giganten hätte seine Kunden auf seiner Seite. Außerdem hätte er so viel Einfluss, dass er das locker hätte machen können. Notfalls mit der Drohung, ins Ausland zu gehen. Wie sähe es wohl aus, wenn Apple drohen würde, die USA zu verlassen? Die Welt würde staunen und Apple im Recht sehen.
 
Wie sähe es wohl aus, wenn Apple drohen würde, die USA zu verlassen?

Ja ne, ist klar. Wie viele Mitarbeiter hat Apple in den USA, allein in der Firmenzentrale?
Lass die alle mal eben so aus den USA auswandern. Is' ja nix bei und geht ganz schnell, ne? :)

Das gilt natürlich auch für alle anderen Großkonzerne. Ein kleines Mailunternehmen, mit ein paar tausend Kunden und eine handvoll Mitarbeiter (Lavabit) hat es da wesentlich einfacher.

Ein milliardenschwerer Großkonzern mit tausenden von Mitarbeitern kann nicht "mal eben so" in ein anderes Land wandern. Das ist schlicht und ergreifend unmöglich - sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch aus sozialer Sichtweise (was ist mit den Mitarbeitern vor Ort?).