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Der App Store. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2014. Das sind die Abenteuer des Konzerns Apple, der mit seinen 80.000 Mitarbeitern schon sechs Jahre unterwegs ist um neue Welten zu erforschen. Und neue Distributionswege – vor allem die. Insgesamt wurden bereits über 60 Milliarden Applikationen für das iPhone oder das iPad heruntergeladen. Geschichten wie die von Flappy Bird zeigen uns, wie schnell sich in diesem System das große Geld verdienen lässt; gerade mit seinen Klonen. Mit dem Inhalt des digitalen Kaufhauses verhält es sich doch ehrlich gesagt fast so wie mit den Musikcharts; erfolgreiches Copy & Paste, soweit das Auge reicht. Es ist an der Zeit, unsere Download-Moral zu hinterfragen. Wir unterstützen mit unserem Verhalten nämlich auch einen kranken Kreislauf – und helfen Betrügern, sich darin eine goldene Nase zu verdienen.[prbreak][/prbreak]
[h2]„Ich ertrage das alles nicht mehr“[/h2]
50.000 US-Dollar am Tag. Soviel hat der Flappy Bird-Entwickler Nguyen Ha Dong nach eigenen Worten an seiner App verdient. Jeden Tag aufs Neue. Anfang des Jahres stellte er sein Spiel in den Store. Es folgt einem einfachen Prinzip: der Spieler steuert einen Vogel durch eine knuddelige Pixelwelt. Parallelen zu Nintendos Super Mario-Titeln sind nicht von der Hand zu weisen, auch dadurch kommt der Retro-Charme zustande; man wird direkt an die Spiele der 90er-Jahre erinnert. Im Grunde genommen handelt es sich aber um ein primitives Spielchen. Trotzdem verdiente Dong mehr mit seinem Code als ein durchschnittlicher Entwickler von Rockstar Games, die Ende letzten Jahres den Megablockbuster Grand Theft Auto 5 auslieferten – an welchem wohlbemerkt über drei Jahre gearbeitet wurde. Daher ist umso interessanter, wie man mit einem vergleichsweise so simplen Produkt wie Flappy Bird solche Summe verdienen kann; schließlich war der Download auch noch gratis. Die Antwort schmerzt beim Lesen dann doch etwas: durch Werbebanner von Händler XY oder Kurzeinblendungen der Firma so und so. Zwar waren die nicht so ganz krass plakativ – dennoch ein Millionengeschäft. Vor zwei Wochen nahm Dong sein durchaus lukratives Baby dennoch vom Markt. Er begründete seine Entscheidung damit, dass er es nicht mehr ertrage. Er habe den Erfolg nie gewollt und möchte „nur in Frieden seine Spiele programmieren“. Dass es sich dabei eher um einen klugen Schachzug handelt, um für kommende geistige Auswürfe einen Weg zu ebnen, dürfte klar sein. Schließlich machte Nguyen Ha Dong seinen Namen damit irgendwo zur Marke, selbst der Spiegel berichtete letzte Woche über den Fall. Aber der Hype um das Spiel legte den Wölfen im riesigen Wald des App Stores eine Fährte. Sie witterten ebenfalls schnell verdientes Geld – wenn auch nicht mit einwandfreien Mitteln.
[h2]Volkssport „App-Flipping“[/h2]
Plötzlich fliegt einem beim durchforsten des Stores ständig das Wort flappy um die Ohren. Spiele mit extrem ähnlichem Titel und Prinzip wie dem von Dong entwickelten Programm überfluten Apples Download-Plattform. Zwar ging das Unternehmen vor kurzem gegen die Nachahmer vor; aber im Grunde genommen nur wegen „irreführendem Namen“. Dass der Programmcode selbst in einigen Fällen frappierende Ähnlichkeit mit dem des Originals aufweist, wird stillgeschwiegen. Und auch nicht nachgeprüft. Das ist kein Einzelfall. Es gibt ganze Communitys mit dem Hintergrund, schnell und ohne großen Aufwand dicken Reibach zu machen – mithilfe dieser Lücke in der Philosophie des App Stores. App-Flipping nennt man das. Codes für allerlei einfache Spiele sind in einschlägigen Foren meist für einen kleinen Obolus zu erwerben – meistens jedoch illegal. Das fertige Spiel muss dann allerdings nur noch mit Werbung zugekleistert und im Store platziert werden. Und schon kann Geldzug rollen. Genaue Anleitungen für diese fragwürdige Art des Brötchenverdienens finden sich im Netz zuhauf. Und weil Apple Codes nicht nachprüft und sich vor der Problematik verschließt, landen immer mehr dieser Trittbrett-Apps im Store. Das ist nicht nur für echte Entwickler ärgerlich, deren Produkte in der Masse freilich untergehen, sondern auch für uns. Schließlich leidet mit fehlender Kreativität im Allgemeinen auch die Qualität. Trotzdem unterstützen wir dieses System mit jedem Download der Nachahmer-Apps und erteilen Betrügern so einen Freifahrtschein.

"App Flipping zeigt dir den einfachsten und faulsten Weg, um so schnell wie möglich an Geld zu kommen."
Google, zweiter Treffer. Ein Dorn im Auge jedes aufrichtigen App-Programmierers.
[h2]„Och, zieh’ ich halt mal“; Probiermentalität fördert Betrug[/h2]
Was als Gratis deklariert ist, zieht bekanntermaßen an. Auch im App-Store locken diese Programme uns am meisten. Natürlich stehen in deren Beschreibungen nie Warnungen vor der werbemäßigen Sintflut – die erwartet uns dann aber nur allzu häufig. Aber welcher iPhone-Nutzer kennt das nicht? Man sitzt oder liegt zuhause gemütlich da, das W-Lan verschafft eine schnelle Verbindung – und schwups, wieder eine neue App heruntergeladen. Selbst wenn diese danach wieder gelöscht wird, eben weil uns der faule Zauber recht flott auffällt; der vermeintliche Entwickler/Verteiler verdient nun mal nicht durch Zugriffszahlen, sondern durch die der Downloads. Und das macht ihn für Werbekunden attraktiv. Weil auch die sich darüber im Klaren sind, wie leichtfertig und schnell so eine App geladen und geöffnet wird – gelohnt hat sich der monetäre Einsatz schließlich schon dann, wenn über den Startbildschirm kurz ihre Anzeige aufblitzt. Was also ist zu tun? Solange Apple kein vernünftiges Prüforgan für die Codes der publizierten Apps einrichtet, ist auch unser guter Wille nicht wirklich zielführend. Es muss hier auch nicht die Moralkeule geschwungen werden. Dennoch könnte eine Devise Augen auf bei der Appwahl heißen. Damit wir künftig ein hochwertigeres Angebot im App Store vorfinden können und One-Man-Entwickler wie Nguyen Ho Dong mit seinem Flappy Bird der Erfolg gegönnt wird, den sie verdienen – auch wenn sie ihre Vögel nach kurzer Zeit selbst wieder vom Himmel holen. Natürlich erst nachdem sie Millionen mit ihnen verdient haben.
Der Autor wirft an dieser Stelle regelmäßig einen Blick auf Vergangenes und Kommendes. Ob ernst oder luftig – die Kolumne widmet sich interessanten Themen, rechnet gerne ab und dichtet noch lieber dazu. Der Apfelblick spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.
[h2]„Ich ertrage das alles nicht mehr“[/h2]
50.000 US-Dollar am Tag. Soviel hat der Flappy Bird-Entwickler Nguyen Ha Dong nach eigenen Worten an seiner App verdient. Jeden Tag aufs Neue. Anfang des Jahres stellte er sein Spiel in den Store. Es folgt einem einfachen Prinzip: der Spieler steuert einen Vogel durch eine knuddelige Pixelwelt. Parallelen zu Nintendos Super Mario-Titeln sind nicht von der Hand zu weisen, auch dadurch kommt der Retro-Charme zustande; man wird direkt an die Spiele der 90er-Jahre erinnert. Im Grunde genommen handelt es sich aber um ein primitives Spielchen. Trotzdem verdiente Dong mehr mit seinem Code als ein durchschnittlicher Entwickler von Rockstar Games, die Ende letzten Jahres den Megablockbuster Grand Theft Auto 5 auslieferten – an welchem wohlbemerkt über drei Jahre gearbeitet wurde. Daher ist umso interessanter, wie man mit einem vergleichsweise so simplen Produkt wie Flappy Bird solche Summe verdienen kann; schließlich war der Download auch noch gratis. Die Antwort schmerzt beim Lesen dann doch etwas: durch Werbebanner von Händler XY oder Kurzeinblendungen der Firma so und so. Zwar waren die nicht so ganz krass plakativ – dennoch ein Millionengeschäft. Vor zwei Wochen nahm Dong sein durchaus lukratives Baby dennoch vom Markt. Er begründete seine Entscheidung damit, dass er es nicht mehr ertrage. Er habe den Erfolg nie gewollt und möchte „nur in Frieden seine Spiele programmieren“. Dass es sich dabei eher um einen klugen Schachzug handelt, um für kommende geistige Auswürfe einen Weg zu ebnen, dürfte klar sein. Schließlich machte Nguyen Ha Dong seinen Namen damit irgendwo zur Marke, selbst der Spiegel berichtete letzte Woche über den Fall. Aber der Hype um das Spiel legte den Wölfen im riesigen Wald des App Stores eine Fährte. Sie witterten ebenfalls schnell verdientes Geld – wenn auch nicht mit einwandfreien Mitteln.
[h2]Volkssport „App-Flipping“[/h2]
Plötzlich fliegt einem beim durchforsten des Stores ständig das Wort flappy um die Ohren. Spiele mit extrem ähnlichem Titel und Prinzip wie dem von Dong entwickelten Programm überfluten Apples Download-Plattform. Zwar ging das Unternehmen vor kurzem gegen die Nachahmer vor; aber im Grunde genommen nur wegen „irreführendem Namen“. Dass der Programmcode selbst in einigen Fällen frappierende Ähnlichkeit mit dem des Originals aufweist, wird stillgeschwiegen. Und auch nicht nachgeprüft. Das ist kein Einzelfall. Es gibt ganze Communitys mit dem Hintergrund, schnell und ohne großen Aufwand dicken Reibach zu machen – mithilfe dieser Lücke in der Philosophie des App Stores. App-Flipping nennt man das. Codes für allerlei einfache Spiele sind in einschlägigen Foren meist für einen kleinen Obolus zu erwerben – meistens jedoch illegal. Das fertige Spiel muss dann allerdings nur noch mit Werbung zugekleistert und im Store platziert werden. Und schon kann Geldzug rollen. Genaue Anleitungen für diese fragwürdige Art des Brötchenverdienens finden sich im Netz zuhauf. Und weil Apple Codes nicht nachprüft und sich vor der Problematik verschließt, landen immer mehr dieser Trittbrett-Apps im Store. Das ist nicht nur für echte Entwickler ärgerlich, deren Produkte in der Masse freilich untergehen, sondern auch für uns. Schließlich leidet mit fehlender Kreativität im Allgemeinen auch die Qualität. Trotzdem unterstützen wir dieses System mit jedem Download der Nachahmer-Apps und erteilen Betrügern so einen Freifahrtschein.
"App Flipping zeigt dir den einfachsten und faulsten Weg, um so schnell wie möglich an Geld zu kommen."
Google, zweiter Treffer. Ein Dorn im Auge jedes aufrichtigen App-Programmierers.
[h2]„Och, zieh’ ich halt mal“; Probiermentalität fördert Betrug[/h2]
Was als Gratis deklariert ist, zieht bekanntermaßen an. Auch im App-Store locken diese Programme uns am meisten. Natürlich stehen in deren Beschreibungen nie Warnungen vor der werbemäßigen Sintflut – die erwartet uns dann aber nur allzu häufig. Aber welcher iPhone-Nutzer kennt das nicht? Man sitzt oder liegt zuhause gemütlich da, das W-Lan verschafft eine schnelle Verbindung – und schwups, wieder eine neue App heruntergeladen. Selbst wenn diese danach wieder gelöscht wird, eben weil uns der faule Zauber recht flott auffällt; der vermeintliche Entwickler/Verteiler verdient nun mal nicht durch Zugriffszahlen, sondern durch die der Downloads. Und das macht ihn für Werbekunden attraktiv. Weil auch die sich darüber im Klaren sind, wie leichtfertig und schnell so eine App geladen und geöffnet wird – gelohnt hat sich der monetäre Einsatz schließlich schon dann, wenn über den Startbildschirm kurz ihre Anzeige aufblitzt. Was also ist zu tun? Solange Apple kein vernünftiges Prüforgan für die Codes der publizierten Apps einrichtet, ist auch unser guter Wille nicht wirklich zielführend. Es muss hier auch nicht die Moralkeule geschwungen werden. Dennoch könnte eine Devise Augen auf bei der Appwahl heißen. Damit wir künftig ein hochwertigeres Angebot im App Store vorfinden können und One-Man-Entwickler wie Nguyen Ho Dong mit seinem Flappy Bird der Erfolg gegönnt wird, den sie verdienen – auch wenn sie ihre Vögel nach kurzer Zeit selbst wieder vom Himmel holen. Natürlich erst nachdem sie Millionen mit ihnen verdient haben.
Der Autor wirft an dieser Stelle regelmäßig einen Blick auf Vergangenes und Kommendes. Ob ernst oder luftig – die Kolumne widmet sich interessanten Themen, rechnet gerne ab und dichtet noch lieber dazu. Der Apfelblick spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.
