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Taschenkontrollen: Ehemalige Retail-Mitarbeiter verklagen Apple wegen entgangener Entlohnung

Martin Wendel

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Zwei ehemalige Retail-Mitarbeiter, die in Apple Stores in Los Angeles bzw. New York beschäftigt waren, verklagen ihren ehemaligen Arbeitgeber wegen entgangener Entlohnung von rund 1.500 US-Dollar pro Jahr. Betroffen davon seien aber alle Retail-Angestellten aufgrund von Taschenkontrollen, die verpflichtend am Ende der Schicht bzw. beim Verlassen des Arbeitsplatzes in der Mittagspause von einem Store-Manager durchgeführt werden sollen. Diese würden pro Tag bis zu 30 Minuten in Anspruch nehmen – außerhalb der Arbeitszeit.[PRBREAK][/PRBREAK]

Bei den Taschenkontrollen wird überprüft, ob die Mitarbeiter Merchandise-Produkte oder andere Waren mitgehen lassen. Da jedoch viele Mitarbeiter in der Mittagspause oder zu Schichtende gleichzeitig den Arbeitsplatz verlassen, sollen sich – so die Kläger – regelrechte Schlangen bilden, wodurch die Taschenkontrollen jedes Mal zwischen 5 und 15 Minuten dauern würden.

In der Klage, die eine nicht näher genannte Summe an Schadenersatz anstrebt, heißt es, dass Apple gegen Landesgesetze in New York und Kalifornien und gegen den Fair Labor Standards Act, ein Bundesgesetz für gerechte Arbeitsrichtlinien, verstoßen habe. Apple selbst hat auf Nachfrage des US-Blogs GigaOM noch keinen Kommentar zu der Sache abgegeben.

applestore_5th.jpg
Via GigaOM
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Ich wünsche den Mitarbeitern viel Erfolg im Gerichtsverfahren und hoffe, dass sie den Prozess gewinnen und dabei eine angemessene Summe herausschlagen.
Ich weiß zwar nicht genau, wie es rechtlich mit Taschenkontrollen durch Vorgesetzte in den USA aussieht, aber unabhängig davon ist so etwas einfach ein Unding.
 
Das sind auf alle Fälle keine überzogenen Forderungen, wie man sie in Amerika eigentlich sonst erwarten würde. Viel Glück den beiden.
 
@EvilEcki: Es geht doch nicht um die Taschenkontrollen an sich sondern nur um die zusätzliche Arbeitszeit, die nicht entlohnt wurde.
 
Das ist mir schon klar, aber auch die Kontrollen an sich sind nur Schikane und meiner Meinung nach eben unter aller Sau.
 
Ist das in Deutschland eigentlich rechtens das mir mein vorgesetzter beim verlassen des Arbeitsplatzes ohne hinreichenden Verdacht in die Tasche schaut ? Ich mein Stichprobenartig ist ja ok aber so aus Prinzip jede Schicht kontrolliert zu werden find ich schon ziemlich Stasimäßig.
 
Nein, das ist nicht rechtmäßig.
Nichtmal ein Ladendetektiv darf das ohne deine Zustimmung, außer du klaust direkt vor seiner Nase.
 
Tja, dies gibt es auch in Deutschland. Habe bei einem sehr großen Internet Händler gearbeitet "Ama...", bei jeder Pause und beim Feierabend musste man durch eine Metalldetektor Schleuse durch gehen. Falls es anfing zu Piepen wurde man durchsucht. Dies benötigte bei Pausen ca. 15 min. und bei Feierabend bis zu 30 min.
 
Nein, das ist nicht rechtmäßig.
Nichtmal ein Ladendetektiv darf das ohne deine Zustimmung, außer du klaust direkt vor seiner Nase.

Wenn du verweigerst, darf ein Ladendedektiv rein gar nichts, außer dich festhalten, bis die Polizei eingetroffen ist (letzteres nur, wenn auf frischer Tat ertappt und selbst dann gibt es noch weitere Einschränkungen). Dieses Recht steht allerdings jedem zu, der eine andere Person bei einer Straftat erwischt (s. Jedermann-Paragraph) und hat nichts mit dem Clown zutun, den Läden zur Schikane ihrer Kunden eingestellt haben.

Wenn es im Vertrag steht und du dem zugestimmt hast ...

Kann es immer noch gegen geltendes Recht verstoßen ...

In meine Mietvertrag (dem ich mit Unterschrift zugestimmt habe) steht auch drin, dass die Renovierung fachmännisch erfolgen muss, was - durch Rechtsprechung eindeutig gezeigt - nicht rechtskonform ist, da eine Ausführung von mittlerer Art und Güte ausreicht.
 
Die Kontrollen finde jetzt nicht wirklich störend... das die Arbeitszeit nicht abgerechnet werden kann dagegen schon. Das Firmen von ihren, meist schlecht bezahlten, Mitarbeitern noch verlangen "gratis" zu arbeiten ist eine Sauerei. Sind ja nicht die 300'000 Euro Jobs... dort kräht kein Hahn danach.
 
Und wer überprüft diejenigen, die das ganze bei den Mitarbeitern überprüfen?
 
Die Kontrollen finde jetzt nicht wirklich störend....

Ich greife Dich, lieber OneCent, jetzt als Beispiel heraus, nicht böse sein...

An dieser Stelle muss ich mal meine grundlegende Meinung posten: Egal, ob es um die Arbeitsbedingungen in China oder die Gängelung der Applestore-Geniusse geht - es finden sich immer wieder junge Menschen, die achselzuckend mit Kommentaren wie "Was ist daran so schlimm?" oder "Wer das nicht will, soll halt nicht dort arbeiten!" oder ähnlich reagieren.

Hallo? Seit Beginn der Industriealisierung setzen sich in der (zunächst westlichen, später gesamten) Welt Menschen dafür ein, dass die Bedingungen abhängiger Arbeiter an deren Arbeitsplätzen Mindeststandards genügen, ganz verkürzt gesagt.
Das war bisweilen sicher ein Kampf, den wir heute kaum noch nachvollziehen können. Der Begriff Gewerkschaft ist vor hundert Jahren noch mit harten Gefechten, Risiken und Opferbereitschaft verbunden gewesen, und langsam und über Jahrezehnte wurden Dinge erkämpft, die heute - gottseidank - für Arbeitnehmer selbstverständlich sind.

Auch wenn's platt und rot klingt: Menschen teilen sich in Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Letztere gehen wirtschaftliche Risiken ein, gehen Entbehrungen ein, haben Stress, arbeiten lange - ABER das alles mit dem Ziel, den persönlichen Gewinn zu maximieren. Noch platter: die haben schon Geld, setzen es ein, um mehr Geld zu bekommen. Zu diesem Zweck kaufen sie den anderen, den Arbeitnehmern, ihre Arbeitskraft ab.

Mehr ist es nicht. Ein Vertrag. Der Arbeitgeber leiht sich den Arbeitnehmer, solange er ihn braucht, um aus seinem Geld mehr Geld zu machen. Und was macht man mit geliehenen Dingen? Richtig, man behandelt sie gut, damit man sich so wieder zurückgeben kann, wie man sie bekommen hat. Das hat schon Mami uns beigebracht...

Und der Arbeitnehmer? Wofür arbeitet der? Na, um nicht zu verhungern, um sich Wohnung, Kleidung und wenn's gut läuft ein bisschen Konsum leisten zu können. Also abwägen... Wenn es für den Arbeitgeber schlechter läuft, dann verliert der Geld, dann sinkt die Quote, mit der sich sein vorhandenes Geld vermehrt...
Wenn es für den Arbeitnehmer schlecht läuft? Zuerst Konsumverzicht, dann noch mehr Verzicht - bis zum Sozialfall?

Man versteht also die Abhängigkeit, mit der Arbeitnehmer bereit sind, vieles hinzunehmen, was "Chef" sich ausdenkt. Doch wie gesagt, es wurden gewisse Mindeststandards erkämpft, und heute kann "Chef" leider nicht mehr so, wie er will...

Und jetzt komme ich zum Punkt:
Jetzt kommen junge Menschen, die mit medialer Berieselung und einem gesellschaftlichen Wandel aufgewachsen sind. Man hat ihnen ihr Leben lang den Stellenwert von Karriere und Status eingeimpft, man hat ihnen in Film, Fernsehen und Literatur Vorbilder vorgestellt, die "aufstrebende Creative-Directors bei einer Berliner Agentur" sind, die im Backsteinloft in der City wohnen, 'nen alten Ford Taunus fahren und um 23:40 Uhr im Szenetreff mit einem wichtigen Memo für den nächsten Morgen sitzen - kurzum ein Leben leben, welches den Fokus auf Selbstverwirklichung durch die Arbeit legt.
Man hat den jungen Menschen beigebracht, dass ein Beruf bitte eine "Berufung" sein soll, die Mär von "Maloche" mit dem einzigen Ziel, Geld zu verdienen, die soll doch bitte mit der Nachkriegsgeneration aussterben.
Und Familie? Gern, aber nur _nach_ der Karriere und auch dann nur, wenn doch bitte sichergestellt ist, dass beide Gehälter ein Jahr nach der Geburt wieder so fliessen wie vorher.

Und die Arbeitgeber lachen sich ins Fäustchen, denn jetzt müssen sie keine Überstunden mehr anordnen und sich mit den rechtlichen Hintergründen auseinandersetzen, oder gar der Buhmann sein... Nein, die jungen Leute kommen zu ihnen und wollen bis 23 Uhr arbeiten, weil das Projekt gerade in so einer super wichtigen Phase ist... Und im vierten Jahr in der Firma immer noch für ein Jahr angestellt werden - wer will schon planen im Leben? Ist doch uncool...

Ich arbeite im Kreativbereich, und mich schüttelt es manchmal, wenn junge Leute heute direkt von der Uni zu uns kommen, wie selbstverständlich die bereit sind, wirklich alles zu machen, für Gehälter, die einen gerade auf Hartz-4 heben würden. Nicht, dass wir so zahlen, aber man bekommt ja einiges mit...

Und dann kommen so doofe Apple-Store-Aushilfen und versuchen, alles kaputt zu machen... Pfui...
...traurig, dass es nur zwei Mitarbeiter sind!

P.S.: Und, OneCent, Dein Kommentar war nur ein Beispiel, um den Auftakt für meinen Thread zu finden. Ich bin sicher, dass die obigen Ausführungen nicht in deinem Kommentar stecken, also bitte nicht persönlich nehmen :-)

Viele Grüße
Dennis
 
@Moriarty: Das Meiste davon habe ich mir auch gedacht; aber zu diffus, um es aufs Papier bringen zu können.
Wirklich; dieses Statement verdient es, ausgestellt zu werden. :-)