Kommentar: Die Smart-Home-Lüge

Dieses Thema im Forum "Editor's Blog" wurde erstellt von Michael Reimann, 14.09.18.

  1. Michael Reimann

    Michael Reimann Chefredakteur
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    Kommentar: Die Smart-Home-Lüge
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    Alles ist heutzutage "smart". Insbesondere das Smart-Home war wieder mal ein großes Thema auf der diesjährigen IFA. Kaum ein Hersteller, der nicht irgendwelche "smarten" Lösungen am Start hatte. Ich finde, eine Steckdose per Sprachbefehl an Siri über den Homepod anzuschalten, ist zwar nett, aber alles andere als Smart. Ich denke wir leben mit der Smart-Home-Lüge.

    Bestenfalls ist ein Schalter, den ich per Sprache bedienen kann, eine komfortable Lösung. Was daran "Smart" sein soll, erschließt sich mir nicht. Auch nicht, wenn ich auf meinem "Smartphone" so genannte Szenen anlegen kann, die dann passend zu jeweiligen Wohnsituation (Fernsehen, Lesen, am Rechner arbeiten) die Lichtstimmung anpassen. Es ist komfortabel, keine Frage. Smart ist es nicht.

    Heizkörper, die sich nach bestimmten Uhrzeiten an oder abschalten sparen vielleicht (sicher ist das ja auch nicht) viel Geld. Beweisen oder messen kann man es vielleicht nur über sehr lange Zeiträume. Abgesehen davon, dass die Anschaffungskosten auch eingerechnet werden müssen. Somit ist die noch so komfortabelste Heizungssteuerung eher eine bessere Fernbedienung.
    Sprachassistenten sind praktisch


    Ohne Zweifel sind die Sprachassistenten Alexa, Google und Homepod eine praktische Angelegenheit. Sie suggerieren, dass man es mit einer echten Intelligenz (KI) zu tun hat, die auf die Fragen und Kommandos des Anwenders immer eine Antwort hat. In Wahrheit liegt die Leistung der Systeme eher in der Spracherkennung. Diese ist in den vergangenen Jahren wirklich besser geworden.

    Dennoch brauche ich inzwischen eine sehr lange Liste mit den Kommandos, die ich an Alexa geben muss, damit bestimmte "smarte" Funktionen ausgeführt werden. Die Liste ist so lang, dass ich mir nicht mehr alles merken kann. Alexa und die anderen Systeme bestehen aber in der Regel auf einer genauen Formulierung. Das nenne ich nicht "smart". Das nenne ich "doof".
    Die Smart-Home-Lüge


    Smarte Türschlösser, smarte Fahrräder, smarte Fernseher, smarte Lautsprecher, smarte Telefone. Die Liste der smarten Geräte könnte man beliebig verlängern. Homesteuerung mit einen TV-Receiver ist die neuste Absurdität der "smart-home" Industrie.

    Das Alles wäre ja gar nicht so schlimm, denn schließlich ist es natürlich auch ganz bequem, sein Licht oder die Heizung, das Rollo und auch die Haustür mit der eigenen Stimme zu steuern. Ohne Frage auch ein Vorteil für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Dinge werden einfacher. Aber eben nicht "smart".
    Zu viele Systeme


    Das alleine ist schon ärgerlich genug, aber es geht noch weiter. Wer sich näher mit der Materie beschäftigt, wird feststellen, dass viele Hersteller ihr eigenes Süppchen kochen. Viele Systeme sind nicht kompatibel zueinander, auch wenn Amazon und Google mit möglichst breiter Unterstützung versuchen, vieles unter einen Hut zu bringen. Apple grenzt sich - wie oft beim Konzern aus Cupertino - von anderen ab und lässt nur "HomeKit" zertifizierte Geräte zu. Andere Hersteller, wie AVM zum Beispiel, bieten zwar ein in sich geschlossenes System, versuchen aber mit offenen Schnittstellen eine Integration.

    Diese Wirrungen sorgen dafür, dass Kunden sich für ein System entscheiden müssen. Hat man also schon einen HomePod und will keine weiteren/anderen Smarten Lautsprecher, ist man auf HomeKit festgelegt. Hat man eine Fritzbox, was in vielen Haushalten der Fall ist, kann man auf Alexa und das System des Berliner Herstellers setzen. Wenn man aber dann noch ein "smartes" Türschloss haben will, wird die Luft schnell dünn.

    Alternativ hat man dann ein Sammelsurium von Apps für die einzelnen Systeme auf dem iPhone. Alleine das macht es schon absurd, von "Smart Home" zu sprechen.
    Wege aus dem Dilemma


    Darauf zu hoffen, dass sich die Hersteller auf einheitliche Standards einigen - auch wenn es solche natürlich gibt - und dass es endlich wirklich smart wird, ist glaube ich vergebene Liebesmüh.

    Was ich mir unter einer echten smarten Lösung vorstelle? Ein System, das zum einen einfach zu installieren und zu betreiben ist. Zum anderen sollte es lernfähig sein. Es sollte aus Mustern meiner Nutzung lernen. Es sollte erkennen, was ich will und mir passende Profile anbieten. Beleuchtung, Wärme, Energie sollten je nach Witterung, Jahreszeit und auch meinen Ansprüchen reguliert werden. Dabei sollte die Öko-Bilanz an erster Stelle stehen. Ich möchte mich nicht mehr darum kümmern. Wenn Teile der Anlage Probleme bekommen, sollte das System Wege zur Lösung anbieten.

    Eine Sprachsteuerung sollte nicht auf exakte Formulierungen Wert legen, sondern erkennen, was ich sagen will und entsprechend reagieren. Im Zweifel noch mal nachfragen. Ich bin sehr gespannt, wie lange die Industrie uns noch mit der Smart-Home-Lüge beglücken wird, oder ab wann man endlich echte smarte Lösungen anbietet.
     
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  2. Borne

    Borne Stechapfel

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  3. access

    access Friedberger Bohnapfel

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    Beim Lesen musste ich oft nicken.

    Das was da derzeit unter dem Begriff smart läuft ist oftmals relativ dumm. Und dieses durcheinander an Standards ist auch echt nervig. Zum einen gibt es zwar z.B. Zigbee, zum anderen kocht jeder sein eigenes Süppchen. Will man wirklich Licht, Rolläden, Heizung und Klimaanlage steuern, findet man auf dem Markt nicht ein System das alles bedient, man hat dann immer mindestens zwei Systeme wenn nicht gar drei.

    Derweil behelfe ich mich über Alexa Routinen, schön wäre es wenn die noch mit Geofencing und Uhrzeit/ Sonnenstand kombinieren zu können.
     
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  4. highlite86

    highlite86 Ingrid Marie

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    Ja hier muss ich dir recht geben so richtig "smart" ist das ganze Smart Home Zeugs noch nicht, jedoch kann man auch jetzt schon eine Menge machen...Es kommt auch immer darauf an, was man für eine Erwartungshaltung an ein solches System hat, versteht man unter "smart" bereits div. Automatismen bzw. Szenen-Steuerung oder Programm-Abläufe, dann kann man auch heute schon glücklich werden...

    Ich für meinen Teil bin vor kurzem in ein Haus gezogen und habe das zum Anlass genommen mich mal mehr mit dem ganzem Thema zu beschäftigen, und wer willens ist auch etwas zu basteln kommt schon ziemlich weit. Leider benötigt es aber dann auch jede Menge Hardware um eine gewisse Intelligenz zu erreichen, bei einer Heizsteuerung zB benötigt man dann neben den Heizkörper Thermostaten auch div. Sensoren an Türen/Fenstern um eben im Fall des Duchlüftens auch erkennen zu können das bei geöffneten Fenstern eben nicht die Heizkörper anspringen sollen, auch ein zusätzliches Thermometer an einem neutralen Ort im Raum ist zu bevorzugen, da die Temperaturfühler direkt an der Heizquelle eben oft (im Falle des Heizens) falsche Werte liefern, da Sie zu nah messen...
    Beim Thema Beschattung (zB Rollladen Steuerung) wäre ein Helligkeitssensor gut, um eben bei Sonneneinstrahlung intelligent die Rollos runter fahren zu lassen, usw. usw.

    Das ganze Thema wird dann wie sooft ein Fass ohne Boden und kann auch wirklich teuer werden...Wie du auch bereits geschrieben hast kochen die verschiedenen Hersteller auch eigene Süppchen, was Protokolle etc. angeht, es gibt zwar Standards aber diese werden wenn dann oft nur zusätzlich angeboten...Vorteil von Insellösungen ist aber oft das gute Zusammenspiel der Geräte eines Herstellers, da Sensoren mit den anderen Komponenten fast schon verheiratet sind...

    Für Leute die schon im Apple-Kosmus sind und HomeKit verwenden wollen, gibt es aber auch schöne Open Source Lösungen (zB HomeBridge: https://github.com/nfarina/homebridge ), das ermöglicht nun mit Plugins fast alle Hersteller miteinander zu verknüpfen um auch Nicht-HomeKit kompatible Geräte eben doch kompatibel zu machen, um eben alles mit der Home App bzw. Siri zu steuern. Ich habe das System im Einsatz und wirklich alle meine Geräte erscheinen in der Home App und lassen sich nun steuern, bzw. auch Szenen und Automatismen erstellen. Wenn ich zB "Hey Siri, Couch Abend" sage, fahren alle Rollos im Wohnzimmer auf 20% und das gedimmte Licht geht an, oder "Hey Siri, guten morgen", lässt alle Rollos hochfahren und das Radio fängt an zu spielen, das finde ich schon praktisch und auch in gewissen Zügen "Intelligent"...
    Aber wer ein wirklich selbst lernendes System erwartet, kann leicht enttäuscht werden, im Moment kann man es eher so sehen, dass man ein programmierbares Haus hat, das wiederum bedeutet aber auch das man diese Programme oder Wochenpläne (Heizung) selbst erstellen bzw. einstellen muss...Auch ein gewisses handwerkliches Geschick kann gefragt sein, nicht alle Geräte sind Plug&Play wie zB Steckdosen oder Lampen, im Falle von Rollläden muss man dann schon die vorhandenen Elektroschalter Unterputz austauschen und verkabeln (Achtung 230V Netz! :) )
    Ich bin auf jeden Fall zufrieden, es erhöht doch schon den Wohnkomfort, und ich bin gespannt was hier noch in Zukunft so auf uns zukommt! ;)
    Ach und btw: Danke für den Artikel!
     
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  5. MarcNRW

    MarcNRW Schweizer Orangenapfel

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    Mit ist es vollkommen egal wie man das nennt, ob "Smart" oder wie auch immer, wenn es denn praktische Lösungen bietet. Bei manchen Sachen diesbezüglich kann ich aber auch nur mit dem Kopf schütteln.

    Wir haben jetzt SmartHome der Telekom zu Hause. Toll ist das mit dem Einstellen der Heizkörperthermostate und der Türkontakt mit Alarmmeldung... aber einige Sachen sind auch absolut übertrieben und sogar nervig und unpraktisch.
     
  6. double_d

    double_d Moderator Apple-Services + Software
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    man für ein Smart-Home auch einen Smart-Benutzer benötigt. Nicht im übertragenen Sinn, sondern im Wortlaut und der entsprechenden Übersetzung. ;)

    Wer dem Irrglauben erliegt, man könne sich einen HomePod ins Wohnzimmer stellen und alle seine Wünsche an "Automation" würden befriedigt, der sollte besser weiter Lichtschalter betätigen und seine Musik über CD oder Vinyl hören. Auf der Übersetzung von "smart" im Sinne der eigenen Ansprüche an "intelligente" Technik herumzureiten, wirft den eigentlichen Sinn eines Smart-Home schnell über Board und kommt zu den obigen Aussagen. Und die sind aus meiner Sicht völlig zu Unrecht so negativ ausgelegt.

    Es gibt mittlerweile sehr fähige und umfangreiche free-to-use Lösungen, welche die unterschiedlichen Hersteller smarter Geräte, Gateways, Fernbedienungen, Sprachassistenten usw. hervorragend unter einen Hut bringen und im Bereich der "Automation", und nur darum geht es, einem die erwähnte Arbeit in Form bestimmter Muster über (nennen wir sie passenderweise) Shortcuts abzunehmen.

    Sich vorzustellen, ja geradezu zu erwarten, dass ein Smart-Home aus der Art und Weise, wie ich meine Haustür zuschlage, erkennt welche Stimmung ich gerade habe und dafür die entsprechende Musik auflegt und gleichzeitig ein warmes Bad einlässt, sind aus meiner Sicht nur wilde Zukunftsträume und weit weg von den tatsächlich existierenden Ansprüchen an ein "smartes" Gerät.

    Ich definiere selbst, was ich automatisiert haben will.
    Und genau das ist, wenn man sich über den HomePod und Siri hinaus mit den Möglichkeiten beschäftigt, bereits möglich und funktioniert bei mir zumindest absolut problemfrei. Ich wüsste auch gar nicht, was es im Bereich der eigenen Ansprüche für ein System noch zu lernen gibt, was bestimmte Szenen nicht abbilden können. Das wird wohl sehr schwer, dem System abzuringen, es solle vielleicht aus dem auf der Watch gespeicherten Health Daten ableiten, dass Du bei -10° Außentemperatur nach Deinem Workout jetzt gerade in diesem Moment lieber die Klimaanlage laufen lassen würdest, als denn die Heizung. :)

    Eine "Automation", so dass bestimmte Muster hinterlegt werden können, diese sogar in verschiedenen Ausprägungen aufrufbar sind, ist heute möglich. Auch die Sprachbefehle dafür lassen sich individuell anpassen und Szenen so benennen, dass selbst Menschen mit Wasser im Zahn von (zumindest) Alexa verstanden werden. Siri tut genau das, was Du oben verlangst. Sie versucht nur zu erkennen, was man sagen will. Leider ist sie da nicht so firm drin, was die Interaktion mit ihr ziemlich schwer gestaltet. ;)



    Ich persönlich verstehe aber nicht so ganz, wo die Aussage aus dem Artikel hinführt und welcher Intention sie folgt.
    Pauschal würde ich ja sagen, dass der Kontakt mit Smart-Home als Überbegriff über einen HomePod in Verbindung mit Siri erfolgt ist und es deshalb zu diesem Frust führt. Dann hat man sich in der Tat den falschen Einstieg ausgesucht.
    Allerdings nehme ich an, dass dies nicht alleinig der Grund ist.

    Ganz klar ist "Smart" eine Marketing-Maschinerie. Und über den Begriff darf man sich auch streiten und sogar ärgern. Der smarte Fernseher, die smarte Waschmaschine. Was sollen die können oder intelligenter machen? Was soll die Waschmaschine aus meinen Handlungen ableiten? Ich will Wäsche waschen, wenn ich was in die Trommel werfe. Punkt.

    Ein Beispiel aus unserem Haushalt: Wenn der letzte, über sein Handy im WLAN registrierte Hausbewohner dieses verlässt, wird geprüft, ob in jedem Zimmer das Licht ausgeschaltet ist, es wird die Heizung runtergeregelt und alle schaltbaren Steckdosen werden ausgemacht.
    Und das ganze funktioniert sogar selektiv. Wenn nur ein Kind geht, bezieht sich das auf dieses eine Zimmer.
    Erschlägt nach meinem Dafürhalten alle möglichen Szenarien. Was soll die Lampe da noch aus meinen Bedürfnissen lernen?
     
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  7. Michael Reimann

    Michael Reimann Chefredakteur
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    Wäre nach meiner Vorstellung das einzige Szenario, dass den Namen "smart" verdient.

    Das tut mir leid, dass Du es nicht verstehst. Meine Intention ist ganz klar erkennbar (finde ich ;) ):
    1. Der Begriff "Smart" ist nicht eindeutig definiert. Es handelt sich in den meisten Fällen um eine erweiterte Fern-/Zeit-Steuerung.
    2. Die heutigen Systeme können in Teilen vielleicht einiges vereinfachen, aber in der Regel nicht ohne erheblichen Aufwand
    3. Sprachassistenten sind durch die Bank alle "dumm". Sie hören zwar, was ich sage, verstehen es aber nur, wenn ich mich an exakte Formulierungen halte

    Ich füge noch einen Punkt hinzu:
    4. Wer willens und in der Lage ist, sich mit Elektronik, Programmierung etc. zu befassen, bekommt ein schickes smartes Haus/Wohnung. Leider können das die meisten Menschen nicht und sollten es dafür auch nicht lernen müssen. :)
     
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  8. muffy

    muffy Westfälische Tiefblüte

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    Ich glaube, das ist das Hauptproblem. Vielerorts wird "Smart" auch einfach nur mit "vernetzt" bzw. "internetfähig" gleichgesetzt. Das iPhone war zu seinem Release auch nicht wirklich Smart im engeren Sinne. Erst seit Machine Learning, KI & Co. immer mehr Einzug halten, kann man deutlich häufiger von "Smart" sprechen.
    Ich gebe dir Recht, dass das "Smart", so wie es am Ende mal sein soll, heute im "Smart-Home" noch kaum erreicht ist. Zumindest noch nicht auf einem Level, wo der Name tatsächlich auch in der Praxis gelebt wird.
    Die Ansätze sind aber schon da: Die unüberschaubare Vielfalt an Standards, welche auch eine Weiterentwicklung blockiert, könnte sich durch Multibridges, welches mehrere Standards beherrschen, letztlich überwinden lassen. Und erste Ansätze, wie die Heim-Automatisation in Zukunft funktionieren kann, hat @double_d schon genannt. Andere Szenarios sind heute ebenfalls schon relativ einfach möglich, wie z. B. das Fenster, dass sich automatisch öffnet, wenn die Luftqualität zu schlecht ist und sich automatisch wieder schließt, wenn die Luftqualität wieder besser ist.
     
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  9. jsoul

    jsoul Thurgauer Weinapfel

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    Toller Artikel. Kann die Gedankengänge nur voll und ganz unterstützen.

    Zumal ich nach der aktuellen Betrachtungsweise mit meiner Schaltzeituhr aus den 90ern ja dann auch schon recht smart unterwegs war ;)
     
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  10. double_d

    double_d Moderator Apple-Services + Software
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    Das stimmt so nicht und kann man auch aus meiner Sicht nicht so stehen lassen.
    Ich gebe Dir Recht, dass es keine einheitlichen Systeme für alle Bereiche gibt, aber wenn man jeden Bereich für sich nimmt, dann ist die Einrichtung und Installation durchaus laientauglich. Auch gebe ich Dir Recht, dass viele Systeme, die sich "smart" nennen, den Namen oder besser die Übersetzung davon nicht verdienen. Ich habe aber auch klar gesagt, dass es um "Automation" bei smarten Geräten geht und das lässt sich auch mit neu erfundenen Worten oder Begrifflichkeiten jenseits von "smart" nicht wegdiskutieren.
    Marketingbezeichnung. Mehr ist es nicht und mehr darf oder sollte man in den Begriff auch nicht hineininterpretieren.

    Philips Hue oder Ikea Tradfri lassen sich ohne viel Aufwand oder gar Programmierkenntnisse in wenigen Minuten installieren und bedienen.
    So auch Heizungssteuerungen und so weiter. Die Sprachbedienung über Google, Amazon oder Apple ist da auch grundsätzlich kein Bestandteil, sondern allenfalls eine Ergänzung. Steuerung kann auch über Visualisierung erfolgen und tut es sicherlich auch bei den meisten. So finde ich, dass man die jeweilig vorhandenen oder nicht vorhandenen Qualitäten von Sprachassistenten nicht einfach in die Wertung von "automatisierten" Haushalten einbeziehen kann.

    Was willst Du sagen anstelle von "Siri, schalte das Wohnzimmerlicht ein" oder "Alexa, Wohnzimmerbeleuchtung auf 30%"?
    "Siri, ich hätte gerne angemessenes Licht", oder "Alexa, mach warm"? ;)
    Ich denke, das ist ein separates Thema, was man nicht allgemein auf Hausautomation beziehen kann.

    Man muss das nicht können oder lernen, aber man kann Leute dafür bezahlen, dass sie es für einen einrichten. Das zieht sich im Leben doch durch alle anderen Bereiche auch. Oder kann hier jeder den Klimakompressor oder den Zahnriemen seines Autos selbst wechseln? Hast Du Deinen Küchenherd angeschlossen, oder hat das ein Elektriker gemacht, weil Du zwar kochen kannst, aber von Strom eben keine Ahnung hast? ;)

    Wenn ich in mein Auto einsteige, dann registriert dieses über meinen Schlüssel, dass ich auch ich bin und stellt Sitz, Spiegel, Radiosender, Temperatur so ein, wie ich es einmal vorher nach meinen Bedürfnissen festgelegt habe. Wenn meine Frau einsteigt, dann wechselt alles auf ihre Bedürfnisse. Ich habe zwar kein Smart-Auto (Wortwitz ;) ), aber ich erwarte doch auch nicht, wenn ich mit dem Schlüssel meiner Frau einsteige, dass das Auto erkennt, dass es vom Gewicht her schon nicht passt und mir dann den Diät- oder Fitnesssender einstellt, oder sogar nachfragt, ob ich auch wirklich ich bin. Hehe.....Dann hab ich einfach den falschen Schlüssel genommen. Vom Smart-Home wird, so wie das verstehe, allerdings verlangt, dass es aufgrund seines Namens auch selbstständig lernt, solche Szenarien ebenfalls abdecken zu können, weil man sich damit nicht mehr beschäftigen will, sondern einfach nen Schlüssel vom Schlüsselbrett greifen möchte.

    Nur deshalb, weil ich den obigen Kommentar so verstanden habe, war die Frage danach, ob man da in die Benennung nicht ein wenig zuviel hineinlegt und die Erwartungen da nicht völlig falsche sind. Ansonsten verstehe ich nicht, was Tradfri, Hue, Telekom, MAX! und wie sie alle heißen, außer einer einheitlichen Steuerung und Anbindung, noch anders machen sollen, um z. B. in einem 5 Personen Haushalt dem Begriff zufolge "smart" zu werden. Was soll denn da für eine Technik hinterstecken, bzw. wie kann die diesem Anspruch tatsächlich gerecht werden?

    Wenn ich zuhause "Fernsehabend" sage, was sogar Siri versteht, dann wird das Licht abgedunkelt, der Fernseher und Receiver eingeschaltet und ich lande auf meinem "bevorzugten", aber voreingestellten Fernsehsender. Was ich nicht erwarte und wahrscheinlich auch nicht erwarten kann, dass die Kiste weiß, auf was ich gerade Bock habe und genau die Serie oder Sendung aus dem Portfolio von Netflix, Amazon Prime, Maxdome oder den verfügbaren Fernsehsendern heraussucht oder auch nur einen simplen Vorschlag macht.
    Wenn ich "Spielabend" sage, passiert ähnliches, nur dass sich nicht der Receiver einschaltet, sondern die Playsi. Das Spiel muss ich allerdings dann doch noch selbst wählen.

    Und jetzt ist das völlig unabhängig davon, ob ich selbst tätig geworden bin, die Technik untereinander mit z. B. ioBroker zu vernetzen, oder ob ich beim hiesigen Systemadministrator den Wunsch dahingehend geäußert habe, es genauso haben zu wollen. Fakt ist, es geht. Und auch die Entwicklung in diese Richtung bleibt ja nicht stehen. Wenn ich heute in mein Auto einsteige, weiß mein iPhone ja auch schon, wo ich "eventuell" hin will, wenn ich die ersten zwei Kurven gefahren bin und zeigt mir den Verkehr auf der Strecke und die mögliche Ankunftszeit an. Mit iOS 12 wird dann über Shortcuts auch noch meine Frau benachrichtigt, dass ich gleich da bin.
    Aber auch hier wirst Du manuell tätig werden müssen, damit das überhaupt funktioniert. Und wenn einmal eingerichtet, wird das iPhone es nicht checken, egal wie sehr es von Deinen Handlungen gelernt hat, dass Du nach den drei Kurven plötzlich eine andere Richtung fährst, weil Du nicht nach Hause, sondern zum Baumarkt fährst.

    Also für mich darf das, was sich momentan "smart" nennt, auch genauso "smart" sein, wie es ist. Das ist nämlich aus meiner Sicht schon echt ein riesiges Angebot an Automation, was man sich einrichten kann. Und wenn ich meine persönlichen Bedürfnisse da mit einbeziehe und nicht aus den Möglichkeiten die Bedürfnisse anpasse, dann muss ich sagen, dass ich gar nicht so scharf darauf bin, lernende Geräte zuhause zu haben. So "smart" oder eben auch nicht, wie es ist, ist es momentan gut und auf einem sehr guten Weg in die Zukunft. Ich finde, ein "Smart" Home ist kein KI-Home und soll es auch nicht werden.
     
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  11. Michael Reimann

    Michael Reimann Chefredakteur
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    Puuuh Du schreibst immer ganze Romane! ;) Weinger ist manchmal mehr! ;)

    Hue und der Ikea-Kram sind bessere Fernbedienungen. Mehr nicht. Nett, aber nicht smart. Darum geht es mir.

    Siri und Alexa werden in der Regel immer herangezogen, wenn es im "smart home" geht, daher kann man sie sehr wohl erwähnen. Beide können nur auf exakte Formulierungen reagieren. Das ist nicht smart. Und ja, ich möchte sagen "Alexa mach die Heizung an", oder "Alexa, mir ist kalt." Ein wirklich smartes System könnte damit was anfangen.

    Den Rest Deines "Buches" muss ich in einer ruhigen Stunde lesen. :)
     
  12. hoffma0901

    hoffma0901 Tokyo Rose

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    Genau das ist der Punkt. Wirklich smart wird es erst, wenn man eigenen Gehirnschmalz investiert. Für alles andere ist der Begriff "Connected Home" wohl passender. Ich persönlich betreibe eine Smart Home Zentrale auf einem Raspberry Pi mit FHEM und Homebridge. Mittlerweile habe ich schon Monate an Entwicklungsarbeit, Programmieren, basteln und konfigurieren in das "kleine" Projekt gesteckt. Dafür sind natürlich auch die daraus entstehenden Möglichkeiten fast unbegrenzt.

    Meine Waschmaschine schickt mitr mittlerweile eine Telegram Nachricht, wenn sie fertig ist, ich bekomme eine Warnung, wenn ich ein Fenster länger als 10 Min. ab einer gewissen Aussentemparatur offen lasse. Die Heizkörperregelung ist Abhängig von der Aussentemparatur eingestellt. Bei Dämmerung geht das Licht an und dimmt mit zunehmender Dunkelheit hoch oder wird heruntergedimmt bzw. partiell ausgeschaltet wenn Kodi gestartet wird, etc., etc.
    Mit Workflow oder Siri Shortcuts kann man hier auch sehr gut mobile iOS Geräte integrieren und auf z.B. die Standortdaten zugreifen, um im Winter automatisch die Heizung anzuschmeissen, wenn man sich auf dem Weg nach Hause befindet.

    Aber alles nur mit einem erheblichen Eigenaufwand zu realisieren. Es gibt mittlerweile ein paar Hersteller, die fast den gesamten smart Home Sektor abdecken, die sind aber meist sehr hochpreisig. Zudem sind sie oft schwer in schon vorhandene Wohnungen zu integrieren, da sie auf kabelgebundene Bussysteme setzen (KNX, CAN, ...).

    Wer jedoch genug technisches Know-How und auch Interesse mitbringt, dem kann ich nur empfehlen über eine Smart Home Zentrale mit OpenHAB oder FHEM nachzudenken. Alle anderen müssen zum (sehr teuren) Fachmann oder einfach noch warten.
     
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  13. Michael Reimann

    Michael Reimann Chefredakteur
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    Wenn man so etwas ohne Hochschulstudium installieren kann, bin ich gerne bereit, von "smart home" zu reden. Ich habe auch mal eine Hue-App gesehen, die das Licht rot gefärbt hat, wenn die Luftqualität schlechter wurde. Das ist ein Ansatz.
     
  14. Joh1

    Joh1 Orleans Reinette

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    Wer sagt das das ein Smart-Home nur ein Smart-Home ist wenn man es auch selber installieren kann?
    Es ist doch immer noch ein Smart-Home auch wenn zB eine Elektrofirma alles installiert und man es nur bedient ;)
     
  15. Michael Reimann

    Michael Reimann Chefredakteur
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    Das stimmt. In so einem Fall bräuchte man wohl eine Art "smart-home-Berater", der einem aufzeigt, was möglich ist, bzw. die Wünsche aufnimmt und dann mit der Elektrimfirma abstimmt. Vielleicht können die auch so was leisten. ;)
     
  16. double_d

    double_d Moderator Apple-Services + Software
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    Kann sein, sagt nur nicht immer das aus, was es aussagen soll und führt am Ende u. U. zu Missverständnissen. ;)

    Du reitest immer noch auf Deinem Verständnis von "Smart" rum. Das macht den ganzen obigen Kommentar obsolet. Dir geht es darum, dass sich die Smart-LED Steuerung nicht "smart" nennen darf, wenn sie nicht intelligent, vielleicht sogar selbstlernend ist.
    Sprich, nicht selbstständig das Umgebungslicht analysieren und ihre Helligkeit darauf abstimmen? Das kommt vielleicht noch.

    Aber hast Du mal darüber nachgedacht, dass ein Konzept auch einfach ohne Bewertung seiner Intelligenz auch "smart" sein kann? Durch Hue und Tradfri kann ich steuerbares Licht an Orte bringen, wo ich außer einem Stromanschluss nichts weiter zur Verfügung habe. Kein Schalter, kein WLAN, kein Netzwerk. Das nenne ich auch "smart". ;)

    Darüber mach Dir nochmal Gedanken, wenn Du nicht durch Sensorik oder Kameras in Deinem Haus geortet werden willst, wird Alexa vielleicht tatsächlich eine Heizung oder ein Licht anmachen. Doof nur, wenn sie es dann im Keller macht, obwohl Du es im Bad brauchst. ;)
    Das widerspricht für mich auch dem Einwand, die Systeme wären aufwendig und teuer zu installieren. Sind sie nicht, wenn man sie nicht nötigt etwas zu tun, was man selbst nicht formulieren will. :)

    Diesmal nur nen Pixi-Buch....;)

    /edit
    Das alles, was Du beschreibst ist doch immer noch nicht "smart", sondern lediglich eine einmal festgelegte Handlungsweise aller Geräte zu unterschiedlichen Szenarien. Im Prinzip um es auf die "smart" Geschichte zu münzen nicht mehr, als die erwähnte nette Fernsteuerung.
    Oder wovon hab ich die ganze Zeit gesprochen? ;)
     
    #16 double_d, 14.09.18
    Zuletzt bearbeitet: 14.09.18
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  17. NorbertM

    NorbertM Stahls Winterprinz

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    Der Heimwrker muss sich mit Material und Werkzeug beschäftigen, bei SmartHome muss man sich mit Hardware und Software beschäftigen.

    Dafür braucht es kein Hochschulstudium, aber je nach Kenntnisstand ist das mehr oder weniger zeitaufwendig. Wenn man dazu nicht bereit oder in der Lage ist, bleibt nur die Einschaltung eines Fachmannes. Machbar ist inzwischen fast alles.

    Jedenfalls ist das auf absehbare Zeit nichts, was schlüsselfertig geliefert wird und einfach so funktioniert.

    Was Siri angeht, da muss man sich überhaupt nicht an genaue Kommandos halten, es reicht eine klare Ausdrucksweise.
     
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  18. Michael Reimann

    Michael Reimann Chefredakteur
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    Schon mal ein Anfang (das mit dem Pixi-Buch.) Und doch, kürzer ist oft besser. ;) Aber ich schweife ab.

    Alexa kann schon heute erkennen, ich welchem Raum ich mich befinde. Insbesondere, wenn ich mehrere (Geräte) davon habe. Das sollte also kein Problem sein. Aber halten wir uns nicht mit Kleinigkeiten auf. Du hast es genau beschrieben: Das Problem ist das unterschiedliche Verständnis von "smart". Jeder versteht etwas anderes darunter. ;)

    Das kann ich auch mit einem billigen LED-Streifen aus dem Baumarkt auch (und habe ich sogar! ;) ) Das würde ich aber nicht als "smart" bezeichnen. :)
     
  19. double_d

    double_d Moderator Apple-Services + Software
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    Wir drehen uns im Kreis mit der Argumentation, denn:

    Richtig. Den bezeichnet man noch weniger als "smart", als Du es mit Tradfri oder Hue machst. Nur den Baumarktstreifen kannst Du bei Deinem nächsten USA Besuch nicht von dort aus an- oder ausmachen, oder ihm insgesamt eine Anwesenheitssimulation zuweisen. Und da greift für mich auch ein Konzept, welches ich mit beurteile.

    Da bin ich voll bei Dir. Es darf auch jeder etwas anderes darunter verstehen. Nur sind wir doch jetzt viel "smarter" geworden, als noch vor 10 Jahren, als ich meinen ersten smartTV gekauft habe. Nicht, dass deren Entwicklung sich irgendwie "smarter" gestaltet hätte, aber daran lässt sich aus meiner Sicht die Entwicklung von Haus-Automation nicht wirklich messen und beurteilen.
     
  20. Michael Reimann

    Michael Reimann Chefredakteur
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    Wir drehen uns in der Tat im Kreis. Nur weil ich den Hue- und Ikea-Kram auch noch von der ISS an- und abschalten kann, wird es nicht smart. Es ist nur eine Fernbedienung. :) Aber es ist ok. Wir haben halt unterschiedliche Ansätze. ;)
     
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