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Ermittlungen gegen Apple in Italien

Philipp Schwinn

Herrenhut
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Wie die Nachrichtenagentur Reuters mitteilt, wird gegen den Konzern Apple in Italien wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Dabei sollen die Kalifornier eine Summe in Höhe von einer Milliarde Euro bzw. 1,34 Milliarden US-Dollar am Fiskus vorbeigeschleust haben. Der Staatsanwalt der Stadt Mailand schlüsselt die Gesamtsumme auf die einzelnen Jahre auf und so habe Apple, einem Bericht der Zeitschrift L'Espresso zufolge, im Jahr 2010 insgesamt 206 Millionen Euro und im Jahr 2011 sogar 853 Millionen an Steuern hinterzogen. [PRBREAK][/PRBREAK]

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Apple ist dabei nur einer von vielen großen Namen, welche in Italien wegen Steuervergehen am Pranger stehen. Grund für diese Vorgehensweise dürfte die in Italien anherrschende Krise sein, wodurch Italien deutlich aggressiver bei Suche nach steuerflüchtigen Großkonzernen vorgeht um Geld in die leeren Kassen zu spülen. Im Sommer diesen Jahres sorgte zum Beispiel die Verhaftung der beiden Modedesigner Domenico Dolce und Stefano Gabbana für Aufsehen, die beiden wurden schließlich der Steuerhinterziehung schuldig gesprochen und mussten unter anderem eine hohe Strafe zahlen.

Dass viele Länder Apple bezichtigen, den jeweiligen Staat um hohe Steuereinnahmen gebracht zu haben, ist nichts Neues. Allerdings verhält sich der Konzern in den meisten Fällen nicht illegal, sondern nutzt entsprechende Schlupflöcher in den Verfassungen der Nationen aus. So äußerte sich der Konzern auch zu den Ermittlungen in Italien. Man sei sich keiner Schuld bewusst und würde jeden umgesetzten Euro rechtmäßig versteuern. Der Konzern habe bereits in den Jahren 2007 bis 2009 Prüfungen in Italien über sich ergehen lassen, welche keinerlei Beanstandungen fanden und zum Ergebnis kamen, dass Alles den Vorgaben und Richtlinien der OECD entspreche.

"Apple pays every dollar and euro it owes in taxes and we are continuously audited by governments around the world," the company said in a statement. "The Italian tax authorities already audited Apple Italy in 2007, 2008 and 2009 and confirmed that we were in full compliance with the OECD documentation and transparency requirements. We are confident the current review will reach the same conclusion." - Zitat aus dem offiziellen Statement des Konzerns

Auch in Deutschland gibt es ein brisantes Beispiel dafür, welche Tricks Apple anwendet um in Ländern mit hohen Steuersätzen Zahlungen an das Finanzamt zu verhindern. So hat die Apple Retail Germany GmbH, zuständig für alle Apple Retail Stores in Deutschland, bisher noch nie Steuern zahlen müssen. Grund hierfür ist, dass die GmbH in unserem Land noch nie Gewinn erwirtschaftet hat und folglich nichts zum Versteuern besitzt. Nun werden sich sicher Viele fragen, wie man es geschafft hat einen Verlust zu generieren, wo doch die Läden täglich stark besucht sind. Die Begründung ist entsprechend einfach: die Apple Retail Germany GmbH investiert das Geld in den Ausbau neuer Ladengeschäfte, den Verlust trägt die übergeordnete Muttergesellschaft und so verwendet Apple die Finanzüberschüsse lieber selbst, als sie an den Staat abtreten zu müssen.

Via Reuters
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Schlupflöcher ausnutzen ist eine Sache, allerdings bekommen es die Länder auch nicht auf die Reihe, diese Schlupflöcher effektiv zu stopfen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass dies nicht nur an der Bürokratie scheitert, sondern das die Finanzhaie einfach keine ebenbürtigen Gegenspieler bei den Gesetzgebern haben.
 
Apple ist gegenüber den Aktionären ohnehin verpflichtet, so wirtschaftlich wie möglich zu arbeiten. "Schlupfloch" ist unsinn. Entweder es ist legal oder es ist es nicht. Aber Apple wäre angreifbar, wenn es nicht jeden legalen Weg beschreitet, um möglichst viel zu erwirtschften.

Gleiches gilt auch für diese Patentstretigkeiten. Apple ist verfplichtet, seine Technologien zu schützen. Kümmern sie sich da nicht drum, steht direkt eine Klage der Aktionäre ins Haus.
 
Heißt diese Methode nicht:
Double Irish With a Dutch Sandwich?
 
Es gibt legale Wege, Steuergesetze auszulegen und auch seltene Ausgestaltungen des Rechts oder sogar "Schlupflöcher" zu finden, und zu nutzen. Dafür muss man sich auskennen und deshalb beschäftigen Konzerne entsprechende Spezialisten.

Und es gibt illegale Möglichkeiten, die eigentlich für solche Fachleute die "rote Linie" darstellen sollten. Und genau das ist der Punkt: Wie ist es mit den Legal- und Moralvorstellungen im heutigen Kapitalismus bestellt?
Wie verhalten sich z.B. Leute im Berufsleben, die schon privat damit aufwachsen, dass fingierte Lerngemeinschaften, verschwiegene Fahrgemeinschaften, von Freunden geliehene Arbeitsgeräte-Rechnungen und dergleichen zum großen alljährlichen Volkssport "Werbungskosten hochtreiben" gehören?

Sollen sie Apple ruhig durchleuchten - wenn alles legal abgelaufen ist, ist das absolut OK, wenn nicht, dann muss halt eine saftige Strafe sein.
 
Ich finde - wenn ein Unternehmen solche Umsätze generiert wie Apple es tut - sollten diese auch vernünftig versteuert werden. Ich hab nix dagegen Schlupflöcher zu nutzen, das ist legitim und Business as usual, aber wenn man die Preise fast 1:1 übernimmt, von Us-Dollar zum Euro, bzw. premiumpreise aufruft, passt das irgendwie nicht ganz so gut ins Bild. Ist mit ein Grund, das reich immer reicher wird und arm immer ärmer.. Als normalverdiener kennt der Fiskus mit dir kein Pardon
 
Also bist Du dafür, daß man für die eigenen Kosten (sind im Umsatz enthalten) auch noch einmal Steuern zahlt? Oder meinst Du, Gewinne sollten versteuert werden, was bei Apple ja anscheinend der Fall ist?