• Wieder einmal haben uns unsere Apfeltalker tolle Fotos zur Abstimmung eingesandt. Welches ist Euer Favorit? Stimmt mit ab! Hier geht es zur Abstimmung --> Klick
  • Es ist bereits Apfeltalk-Tradition und wir möchten sie auch in diesem Jahr fortsetzen: Unser Apfeltalk-Weihnachtslogo-Wettbewerb hat begonnen! Gestaltet für uns das Weihnachtsbanner, das im Monat Dezember bis zum Weihnachtsfest unsere Webseite schmücken soll. Lasst Eurer Kreativität freien Lauf! Hier geht es zum Wettbewerb --> Klick

Feature Empfehlung gegen Erhöhung des Aktienrückkaufprogrammes

Martin Wendel

Redakteur & Moderator
AT Administration
AT Moderation
AT Redaktion
Registriert
06.04.08
Beiträge
45.644
In einer Aussendung empfiehlt das bekannte Beratungsunternehmen ISS (International Shareholder Services) den Aktionären von Apple bei der kommenden Hauptversammlung Ende Februar gegen den Vorschlag von Investor Carl Icahn zu stimmen, das Aktienrückkaufprogramm um weitere 50 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Icahn hat über die letzten Monate Anteile von Apple in Milliardenhöhe gekauft und sich somit Gehör verschafft – nicht nur bei den Medien, sondern auch bei Tim Cook. Jedoch ist er auch bei persönlichen Treffen mit dem CEO von Apple mit seiner Forderung, die den Aktienkurs weiter nach oben treiben würde, abgeblitzt.[prbreak][/prbreak]

4355729102_f778af0a91_b.jpg
Bild von John Loo (flickr), bestimmte Rechte vorbehalten

Auch der Verwaltungsrat von Apple empfiehlt, dem Antrag nicht zuzustimmen, da das Unternehmen am besten in der Lage sei, die langfristigen Interessen einzuschätzen. Auslöser der Kritik ist Apples Umgang mit seinem Barvermögen von mittlerweile knapp 150 Milliarden US-Dollar. Lange Zeit floss davon nicht zurück an die Investoren, erst vor zwei Jahren hat Apple ein Aktienrückkaufprogramm, das von 45 auf später 100 Milliarden US-Dollar aufgestockt wurde, bekannt gegeben und damit begonnen, Dividenden an die Aktionäre auszuzahlen.

Im Interview mit dem The Wall Street Journal vor wenigen Tagen hat sich Tim Cook auch zu den Forderungen, mehr Geld an die Aktionäre zurückzuführen, geäußert. Apple sei der größte Dividendenzahler der Welt und habe das größte Aktienrückkaufprogramm der Geschichte gestartet, so der CEO von Apple. „Wir sehen ein, dass wir mehr Geld haben, als wir für die Führung der Geschäfte benötigen“, so Cook. Deshalb will man die Situation jährlich betrachten und sich dabei auch die Wünsche der Aktionäre anhören. Das Aktienprogramm sei so gestaltet worden, dass es möglichst flexibel sei und man auf Geschäftschancen reagieren könne. „Wir könnten morgen ein riesiges Unternehmen sehen, das wir übernehmen möchten, oder etwas Unvorhergesehenes könnte dem Aktienmarkt zustoßen“, so Cook. Das Unternehmen müsse auf sich auf die langfristigen Interessen der Aktionäre anpassen können, nicht auf die Interessen der kurzfristigen Anleger.

Via AppleInsider
 
Liegt da nicht eine gewisse Ironie darin, wenn ein Beratungsunternehmen - welche ja allesamt nicht zu Unrecht regelmäßig dem Vorwurf der Wahrsagerei und Abgehobenheit ausgesetzt sind - abgekürzt wie die internationale Raumstation geschrieben wird? :)
 
  • Like
Reaktionen: Bierhefe
Sehr weit hergeholt... ;)
 
Hat jemand denn diese ISS-Studie gesehen? Der verlinkte Artikel ist ja nun absolut nichtssagend - da steht 'drin, dass ISS den Anlegern empfiehlt gegen das Programm zu stimmen, weil ja Apple gezeigt haette mit Geld umgehen zu koennen. Gleichzeitig wird auch von ISS kritisiert, dass Apple sich nicht dazu aeussert, warum es denn keine gute Idee sei Aktien zurueckzukaufen - die Aussage, dass Apple am besten wisse, wozu das Geld noch gebraucht wird ist halt auch lt. ISS schwer haltbar, wenn man so gar nicht sagt wofuer.

Alles in allem ist mir voellig unklar, was die ISS Empfehlung Apple Aktionaeren bringen soll. Bei Icahn ist zumindest das klar.
 
Jeder weiß doch immer am Besten, was das Beste für andere ist - allen voran die Analysten und Unternehmensberatungen. Letztlich sind sie jedoch alle nur am eigenen Gewinn interessiert und wenn das dann zufällig noch gut für's Unternehmen ist, dann ist das nicht mehr als ein schöner Nebeneffekt.

Grundsätzlich würden die Apple auch filetieren und verschachern, wenn es dem eigenen, möglichst schnellen Ertrag dient. Langfristiges Interesse am Unternehmenserfolg, wie das bei Aktien mal der Fall war, ist in diesen Kreisen heutzutage doch gar nicht mehr vorhanden, das interessiert nur den Kleinanleger, der sich von Aktien einen Vorteil gegenüber dem Sparbuch oder einer Lebensversicherung erhofft.
 
Du weißt schon, was das Geschäftsmodell von ISS ist? Die sind keine von Apple angestellte Unternehmensberatung, auch kein Investment fonds, sondern die haben sich darauf verlegt, Aktionären Empfehlungen für ihre Abstimmung in der Hauptversammlung zu geben, bzw. als gewerblicher Stimmrechtsvertreter für Aktionäre aufzutreten, die nicht selbst teilnehmen können/wollen. Dazu haben die sich einen best. "Best Practice Code" für Unternehmen ausgedacht, und empfehlen dementsprechend bestimmte Zustimmungen bzw. Ablehnungen. Hintergrund ist, dass z.B. Banken oder Versicherungen oder sonstige große Investoren, die ihre Gelder ohne großes unternehmerisches Interesse, aber durchaus langfristig anlegen, sich nicht selbst um die Bewertung der jew. Tagesordnungen kümmern wollen. Die beauftragen dann ISS (oder RiskMetrics, oder andere) damit, zu schauen, welche Vorschläge z.B. im Einklang mit Corporate Governance-Code und ähnlichem stehen, Empfehlungen auszusprechen, und dann nach Weisung abzustimmen.
 
  • Like
Reaktionen: ottomane
Mir ging es bei meinem Kommentar auch eher um die generelle Geschichte, dass heutzutage die Unternehmen viel zu sehr von der Stimmungsmache der Analysten abhängig sind, anstatt vom tatsächlichen Wert eines Unternehmens. Es ist nicht mehr so, dass der Wert einer Aktie vom Wert des Unternehmens abhängig ist, so wie es ursprünglich bei Aktien gedacht war, sondern quasi umgekehrt: Der Wert eines Unternehmens wird daran gemessen, wie die Analysten deren Aktien bewerten. Wo so was hinführt hat nicht zuletzt die Dot-Com-Blase gezeigt.

Ich weiß, das tangiert das Thema hier nur peripher und sehr allgemein - und vermutlich bin auch zu nostalgisch veranlagt für den Raubtierkapitalismus. Dennoch habe ich gerade bei Apple-Aktionären die Hoffnung, dass bei ihnen neben dem Interesse am (langfristigen) wirtschaftlichen Erfolg auch ein tatsächliches, emotionales Interesse an dem Unternehmen vorliegt. In diesem Fall dürfte ISS wohl sogar sinnvolle und richtige Vorschläge machen, die nicht darauf abzielen, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aus den Papieren rauszuquetschen und den Rest dann wegzuwerfen.
 
Naja, auch hier würde ich das ein bisschen differenzierter sehen. Einen "tatsächlichen Wert" für ein Unternehmen zu ermitteln, ist nahezu unmöglich. Darum gibt es ja die verschiedenen Methoden zur Unternehmensbewertung, die parallel angewendet werden, und die ganze Bücher füllen.

Eine davon ist die platte Bewertung nach Marktwert bei börsennotierten Unternehmen, bei dem einfach der Börsenkurs aller Aktien addiert wird. Dem liegt die Idee zugrunde, dass 1) die Marktteilnehmer alle rational handelnde Menschen sind, 2) der Markt effizient ist, 3) dem Markt alle wesentlichen Informationen zur Verfügung stehen, und 4) davon ausgehend alle Anleger den für sie korrekten Preis ermitteln, so dass der resultierende Kurs sozusagen das Ergebnis einer Bewertung durch "Schwarmintelligenz" ist. Die Erfahrung zeigt aber, dass längst nicht alle Anleger sich die Mühe machen oder in der Lage sind, eine eigenständige Bewertung vorzunehmen. Die verlassen sich dann entweder darauf, was ihnen ihr Bauch sagt, oder imitieren die "großen" Investoren, oder lassen sich von Analysten "unterstützen", deren Aufgabe es ja eigentlich ist, ausgehend von einer dargestellten Einschätzung der Lage und der möglichen zukünftigen Entwicklungen eine Preisentwicklung bzw. einen "angemessenen Preis" vorherzusagen, der die zukünftigen Chancen und Risiken mit einpreist. Natürlich ist der Börsenkurs aber gerade kurzfristig unter Umständen sehr volatil, und kann durch teilweise irrationale Lemming-Wellen verzerrt werden.

Eine andere Methode wäre ein DCF-basierte Herangehensweise. Dabei wird der (voraussichtliche) Zahlungsmittelüberschuss (positiver Cashflow) bzw. eine voraussichtliche Steigerung des Marktpreises für die Zukunft ermittelt (erste Glaskugel), und dann unter Berücksichtigung der Steuerlast (zweite Glaskugel) und der voraussichtlichen Finanzierungskosten (dritte Glaskugel) rückgerechnet, wieviel dieser Betrag zum Bewertungstag (heute) wert wäre, sprich, Steuern und Zinsen werden abgerechnet (diskontiert) und es kommt als Ergebnis raus, wieviel es mich heute kosten würde, in drei oder fünf Jahren den entsprechenden Cashflow zu haben.

Dritte Methode ist eine Ertragswertmethode, bei der die voraussichtlichen Zahlungen an die Anteilseigner abgezinst werden.

Von daher ist die - zugegebenermaßen von Analysten und denkfaulen Anlegern bzw. auch richtliniengebundenen Fonds oder amoklaufenden Algorithmen sachfremd beeinflussbare Marktwert einfach einer von mehreren denkbaren Unternehmenswerten.

Die Unternehmensbewertung interessiert dabei zunächst einmal weniger das Unternehmen (es sei denn, es befindet sich gerade in eine Kauf- oder Verkaufssituation oder es steht eine Fusion an; natürlich hat die Unternehmensbewertung auch Einfluss auf die Fremdkapitalaufnahme, aber dabei wird nicht zwingend auf den Börsenwert gestarrt)), als denjenigen, der einen Teil vom Unternehmen (vulgo: Aktie) kaufen bzw. verkaufen will. Und mehr als das, es interessiert nicht nur der jetzt aktuelle Einzelwert, wie er sich z.B. als Bilanzsumme als Gesamtheit allen Vermögens des Unternehmens ergibt, es interessiert ihn vielmehr auch die zukünftige Entwicklung. Und da kann sich der Aktionär überlegen, was ihm wichtiger ist: eine schnelllebige Aktie, die ihm vielleicht keine Dividende verschafft, aber wo er einen Gewinn durch Veräußerung zu höherem Kurs mitnimmt, oder eine Aktie, bei der er keine großen Kurssprünge erwartet, aber durch die Dividende eine bessere Verzinsung als auf dem Sparbuch erreichen kann. Ein vernünftiger (!) Anleger wird sich darum ausgehend von seiner eigenen Situation ein Bild schaffen, was er will und wie er es erreichen kann. Und da sind wir an dem Punkt, wer die Verantwortung eigentlich trägt: Der Anleger ist letztlich derjenige, der den Preis bestimmt und die Blase aufbläst. Natürlich kann man sagen, was soll der arme Kerl denn tun, er muss doch dem Analysten glauben, aber ich finde, so ganz aus der Verantwortung stehlen dürfen wir als Aktienanleger uns da auch nicht.

Natürlich hast Du recht, wenn Du sagst, dass sich Unternehmen in Zeiten quartalsweiser Berichterstattung und ständiger Coverage durch Analysten stärker auch für von ihnen nur mittelbar beeinflussbare Kursbewegungen rechtfertigen müssen. Das ist Job der IR-Abteilung, und wenn man sich anschaut, seit wievielten Jahren von wievielten Analysten der Untergang von Apple herbeigeschrieben wird, dann kann man sehen, dass die "schreibende Zunft" der Zaungäste am Ende des Tages zwar lästig ist, aber noch lange nicht die Welt beherrscht.

Und den Raubtierkapitalismus, bzw. das "ausquetschen" des Unternehmens sieht man auch häufiger in nicht börsennotierten Unternehmen bzw. in Unternehmen mit einem beherrschenden Aktionär (75% und mehr der Stimmrechte). Das war das "dreckige" Private-Equity-Geschäft, wie es die Fonds betrieben haben, die nicht die Energie aufwenden wollten, die gekauften Unternehmen zu sanieren und so eine "echte" Wertsteigerung zu erzeugen, die sie nach Verkauf realisieren (doch, doch, die gibt es, und zwar nicht wenige), sondern die sich ein Unternehmen mit "zu hohen" Rücklagen bzw. Barreserven ausgesucht haben, das dann an der Börse übernehmen oder privat kaufen, sich alles, was nicht niet- und nagelfest ist als Sonderdividende, Beraterhonorar etc. auszahlen lassen, und dann in die Insolvenz fahren. Märklin war leider so eine Leidensgeschichte. Bei einem Unternehmen wie Apple ist das aua Größe nahezu ausgeschlossen, denn da sind zwar große Barbestände da, aber es ist wirtschaftlich wohl kaum finanzierbar, sich auch nur die einfache Mehrheit an der Veranstaltung zu kaufen.

Sorry, jetzt ist es wieder ein Roman geworden, aber diese Themen sind zu komplex, als dass ich da nicht ein wenig unter die Oberfläche "denken" möchte...