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Das beste Handy der Welt! Besser als das iPhone. Was Marketing so alles kann....

Dieses Thema im Forum "Café" wurde erstellt von zaphodbeeblebro, 15.11.08.

  1. zaphodbeeblebro

    zaphodbeeblebro Kronprinz Rudolf von Österreich

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    1.902
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,590416,00.html


    Das Foto-Rasier-Harmonika-Handy kann auch Kaffee kochen

    Von Frank Patalong
    Sie träumen noch vom iPhone? Vergessen Sie es: Das beste, vielseitigste Handy der Welt kommt aus der kanadischen Provinz. Das Pomegranate NS08 kann angeblich mehr als jedes andere Handy. Wer's nicht glaubt, wird die Macht des modernen Marketings kennenlernen.




    So ein Produkt hat die Welt noch nicht gesehen: Was bisher weitgehend unbemerkt bereits seit Ende September über das Web beworben wird, ist nicht weniger als das fortschrittlichste und vielseitigste Handy, das man sich derzeit vorstellen kann. Dabei ist das Pomegranate NS08 auch noch mutig gestaltet.

    Pomegranate? NS08?

    Wenn Sie das noch nie gehört haben, sind Sie nicht allein: Erst seit wenigen Tagen beginnt die Nachricht, sich um den Globus zu verbreiten: Auf einer kanadischen Webseite, heißt es, wird ein Handy beworben, mit dem man nicht nur telefonieren und Nachrichten verschicken kann, im Internet surfen oder mit GPS navigieren. Über solchen Technik-Schnickschnack hinaus leistet das Pomegranate auch gute Dienste als HD-Beamer und Universalübersetzer.

    Ach ja: Kaffee kochen kann man damit auch. Und Mundharmonika spielen. Und sich rasieren.


    Spätestens an diesem Punkt dürfte sich selbst der größte Technik-Euphoriker fragen, ob man diesen Marketing-Versprechen so einfach glauben sollte. Sicher, die Webseite ist äußerst professionell gemacht. Doch auf das erste "Wow!" folgt schnell ein Lacher: Können die das ernst meinen? Wollen die uns veräppeln?

    Wie man's nimmt: Die Pomegranate-Kampagne will unsere Aufmerksamkeit, und das schafft sie. Sollte sie auch, schließlich hat sich die Provinzregierung des kanadischen Nova Scotia den Spaß umgerechnet satte 186.000 Euro kosten lassen. Trotzdem dauerte es rund einen Monat, bevor die Strategie zu greifen begann und sich der Link zur Website, die Videos bei YouTube und das Gerücht wie gewünscht zu verbreiten begannen. Denn Pomegranate ("Granatapfel") ist eine virale Werbekampagne.



    Und zwar eine ungewöhnlich aufwendig inszenierte. Trotzdem erntet sie viel Kritik, vor allem im eigenen Lande: Das sei zwar alles ganz lustig und schick, heißt es da in der kanadischen Presse, aber im Grunde verpuffe es, erreiche nicht die Werbewirkung, die beabsichtigt war. Denn die Handy-Webseite wirbt nicht etwa für Hightech oder gesunden Menschenverstand, sondern für die Halbinsel Nova Scotia. Darauf kommt man aber nur, wenn man die Präsentation des Super-Handys nicht einfach abbricht, sondern per Mausklick im Flash-Film erklärt, das man nun "genug erfahren" habe.

    Nur dann nämlich folgt die Auflösung, die Pointe: Ein Gerät, wird man da aufgeklärt, dass alles könne, das sei doch noch Zukunftsmusik. Aber einen Ort, wo man alles finden könne, was man sich wünscht, den gebe es durchaus. Die Antwort ist klar: Nova Scotia.

    Und schon landet man auf einer Werbeseite der Provinzregierung, die dort um Besucher, Investoren und auch um Arbeitskräfte buhlt. Am liebsten junge, bestens qualifizierte - deshalb der Versuch, mit dem Thema Hightech für die Halbinsel zu trommeln.

    Killerkonzept Mundpropaganda

    Solche viralen Konzepte, die darauf setzen, von einem Internetnutzer zum nächsten weitergeben zu werden, auf diversen Webseiten zu landen, in Blogs verlinkt und schließlich in den Medien besprochen, gehören seit Jahren zum Repertoire der Werber. Als erste wirklich erfolgreiche Kampagne gilt das Spiel "Moorhuhn", das 1999 im Auftrag der Whisky-Marke Johnnie Walker entwickelt wurde.

    Das Beispiel illustriert allerdings auch die Schwächen viraler Konzepte: Zwar wurde das Moorhuhn von Millionen gespielt, fand in kommerzieller Verkaufsform sogar mehrere Fortsetzungen - aber dass das blöde Vieh für Schnaps warb, nahm schon damals kaum jemand wahr. Wenn der virale Werbeträger zu gut ist, verschwindet mitunter die beworbene Marke dahinter.

    Genau so argumentiert nun auch die Kritik an der Pomegranate-Kampagne. Das alles sei zu subtil, argumentierte etwa der Designer Jeff White gegenüber der Canadian Press. Das einzige Signal, das Pomegranate mit Nova Scotia in Verbindung setze, sei die Typbezeichnung NS08 - NS steht für Nova Scotia.
    Das weiß man allerdings wahrscheinlich nur, wenn man auf Neufundland lebt, oder sonstwo in der Nachbarschaft.

    Kurzum: Die Kampagne sei eines dieser Projekte, für das sich Kreative mächtig begeistern könnten, die aber von den Adressaten schlicht nicht verstanden würden.

    Vielleicht stimmt das, vielleicht aber auch nicht: Natürlich mögen wir alle phantasievolle Werbung. Seit langem schon tunken wir unsere Finger nicht mehr in jeden mit grünen Flüssigkeiten gefüllten Napf, der gerade in der Gegend herumsteht. Keine Frau quält mehr das Weichspüler-Gewissen, Plattheiten-Werbung ist out, out, out. Kryptische Konzepte werden dagegen längst auch vom Mainstream verstanden, wie die aktuelle Mercedes-TV-Kampagne ("War das James Dean?") zeigt. Soll heißen: Wir Umworbenen denken gern auch mal ums Eck und sind weniger doof, als manche Werbe-Experten glauben.

    Von Pomegranate haben wir soeben gelernt, dass auf Nova Scotia nicht nur Holzfäller und Fischer leben, sondern auch kreative Köpfe mit Humor, denen es tatsächlich gelingt, unser aller Traumhandy zu entwerfen. Mundharmonika inklusive.

    Der Einzige, da noch verheißungsvollere Visionen halluziniert, ist unser Hauszeichner Jamiri. Aber der ist in dieser Hinsicht ja auch schwer zu schlagen.
    sehr sehr lustiger Artikel..:)
     
  2. duffman

    duffman Galloway Pepping

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    29.11.07
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    Hatten wir hier doch erst vor Kurzem?
     
  3. crossinger

    crossinger Doppelter Melonenapfel

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