Apple kündigt neue Mitarbeiter-Sozialleistungen für Eltern an

Martin Wendel

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Apple kündigt neue Mitarbeiter-Sozialleistungen für Eltern an



Für hiesige Verhältnisse, in denen solche Sozialleistungen gesetzlich geregelt sind, wirkt es geradezu lächerlich. Die Nachricht über neue Sozialleistungen, die Apple seinen arbeitenden Eltern künftig anbietet, müssen daher im Kontext des im Vergleich zu Europa weit unterentwickelten US-Sozialwesens gesehen werden. Denn in den Vereinigten Staaten gibt es weder einen bundesweiten, gesetzlichen Mutterschutz, noch eine bezahlte Elternzeit. Eltern sind in den USA zu großen Teilen auf Betriebsvereinbarungen angewiesen.
Neue, vierwöchige Übergangsphase


Jedenfalls stellen die neuen Regelungen eine Verbesserung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar. Sie sollen dabei unterstützen, nach der Geburt des Kindes wieder einfacher ins Arbeitsleben zurückzufinden. Konkret bedeutet das: Zusätzlich zu den bereits 16 Wochen bezahlter Elternzeit wird es künftig noch eine vier-wöchige Übergangsphase geben. In dieser Zeit erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr volles Gehalt, können ihre Arbeitszeit aber reduzieren und die Dienstzeiten in Absprache mit den Führungskräften flexibel einteilen.
Unterstützung auch für Adoptiveltern


Zudem gelten die neuen Regelungen auch für Eltern, die Kinder adoptieren oder Pflegekinder aufnehmen. Die bezahlte Elternzeit gilt in diesen Fällen allerdings nur für sechs statt für die erwähnten 16 Wochen. Außerdem hat Apple seinen Unterstützungsfonds für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Kinder adoptieren möchten, verdreifacht. Denn ein Adoptionsprozess koste teilweise hunderttausende US-Dollar, Apple unterstützt Familien nun mit bis zu 14.000 Dollar. Adoptiveltern stehen zudem vier Wochen bezahlter Pflegeurlaub zur Verfügung.
Statement von Personalchefin Deirdre O'Brien


"Wir beobachten häufig, dass Eltern sehr begeistert darüber sind, wieder ins Arbeitsleben einzusteigen", erklärt Apple-Personalchefin Deirdre O'Brien. "Gleichzeitig haben sie das Bedürfnis, dass die Situation zu Hause stabil und geordnet ist. Das lastet schwer auf den Mitarbeiterinnen und Mitarbietern", begründet sie die Einführung der Übergangsphase. "Ich glaube arbeitende Eltern gehen mit ihrer Situation oft still und leise um, tun so als ob alles einwandfrei wäre. Wir wissen aber alle, dass das Leben kompliziert ist. Also stellen wir eindeutig klar, dass wir sie auf diesem Weg unterstützen."

Via Fast Company
 

angerhome

Strauwalds neue Goldparmäne
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Wie sieht den die Mitarbeiterstruktur aus?

Sind z.B. Reinigungskräfte, Gärtner oder Hausmeister bei Apple angestellt oder kommen die von Dienstleistern?

Sind die Arbeitskräfte der Produktion Mitarbeiter, für die diese Regelung greift?

Ansonsten befürchte ich, dass der durchaus gut gemeinte Ansatz eine Zielgruppe unterstützt, die sich mit Sicherheit darüber freut, aber nicht zu den dringend Bedürftigen gehört.
 

Mure77

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Ich weiß es nicht, daher gehe ich erstmal von positiven Dingen aus.
 

FuAn

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Naja oder die Amerikaner insgesamt 50 Jahre hinterher. Je nach Blickwinkel.
Ja und nein.
Imho sind Elternzeit etc. auch Hemmnisse. In den USA gibt es diese in gesetzlicher Form nicht, das ist korrekt. Dafür kann man jedoch zum Beispiel die Kosten für die Kinderbetreuung direkt Vorsteuer vom Gehalt abziehen und über ein Treuhandkonto bezahlen.
Da Mutschschutz, Elternzeit etc. nicht so in den Köpfen verankert ist, werden Frauen in ihrer Karriere nicht annähernd in ihrer Karriere so behindert wie in Deutschland. Wie oft sich meine Frau bis vor Kurzem noch, Oberer Fuehrungskreis eines deutschen Grosskonzern, anhoeren musste, "wollen sie nicht erstmal Kinder bekommen" "Den Job könnte man auch gut halbtags machen, falls sie doch nochmal Kinder bekommen möchten". Dass das alles nicht richtig ist, its die eine Sache, dass es dennoch so in den Köpfen vieler drin ist eine Andere.
Mittlerweile ist sie bei einem amerikanischen Konzern und glücklich, denn die Glasplatte existiert eben zumindest nicht in dem Mass wie bei deutschen Unternehmen, auch weil nicht in den Köpfen ist, dass falls die Frau ein Kind bekommen sollte, ist sie erstmal weg.

So gesehen, können Errungenschaften auch Hemmnisse sein.
 

MichaNbg

Westfälischer Gülderling
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Ja und nein.
Imho sind Elternzeit etc. auch Hemmnisse. In den USA gibt es diese in gesetzlicher Form nicht, das ist korrekt. Dafür kann man jedoch zum Beispiel die Kosten für die Kinderbetreuung direkt Vorsteuer vom Gehalt abziehen und über ein Treuhandkonto bezahlen.
Da Mutschschutz, Elternzeit etc. nicht so in den Köpfen verankert ist, werden Frauen in ihrer Karriere nicht annähernd in ihrer Karriere so behindert wie in Deutschland. Wie oft sich meine Frau bis vor Kurzem noch, Oberer Fuehrungskreis eines deutschen Grosskonzern, anhoeren musste, "wollen sie nicht erstmal Kinder bekommen" "Den Job könnte man auch gut halbtags machen, falls sie doch nochmal Kinder bekommen möchten". Dass das alles nicht richtig ist, its die eine Sache, dass es dennoch so in den Köpfen vieler drin ist eine Andere.
Mittlerweile ist sie bei einem amerikanischen Konzern und glücklich, denn die Glasplatte existiert eben zumindest nicht in dem Mass wie bei deutschen Unternehmen, auch weil nicht in den Köpfen ist, dass falls die Frau ein Kind bekommen sollte, ist sie erstmal weg.

So gesehen, können Errungenschaften auch Hemmnisse sein.
Das sind jetzt aber auch Luxusprobleme, die den allermeisten normalen Menschen nicht gerade in den Sinn kommen. Denn Frauke Normal bringt es nichts, wenn sie die Nanny vor der Steuer vom Gehalt abziehen kann, wenn die Nanny genau so viel kosten würde, wie sie selbst verdient ;)

Davon abgesehen, dass man auch die Frage stellen kann, was für's Kind in den ersten zwölf Monaten das Beste ist. Und da kommt eine tägliche Betreuung von 8 bis 12h durch eine dritte Person und nicht Vater oder Mutter wohl eher nicht in der Überlegung vor. Da sind glasklar die eigenen Eltern zu bevorzugen.

Von daher ist der gesetzliche Anspruch auf Mutterschutz und Elternzeit inkl. Anspruch auf Elterngeld und danach Familiengeld (bsp. in Bayern) IMHO der zu bevorzugende Ansatz. Dass sich in den Köpfen im Management noch mehr ändern muss steht auf einem anderen Blatt.

Und dass man in amerikanischen Unternehmen weniger mit "sie werden doch bestimmt bald schwanger" zu kämpfen hat, könnte auch weniger ein Zeichen von Emanzipation denn mehr einer rein kapitalistisch gewachsenen Erwartungshaltung sein ;) Mir liegt da "unser" System näher. Ergänz um ein noch progressiveres Familien- und Berufsbild. Da nähme ich persönlich mir aber lieber die Schweden oder Norweger zum Vorbild denn die Amerikaner. :innocent: