Sind wir hier im Mittelalter? Mir kommt es so vor, als würden viele Leute, die nichts von der Finanzwelt verstehen, einfach nur nachplappern, was sie in der BILD Zeitung gelesen haben.
1. "geld arbeitet"
Geld arbeitet nicht. Menschen, die sehr unwissend oder arg naiv sind, mag es so vorkommen, wenn sie Geld auf einem Sparkonto lassen und nach einem Jahr plötzlich statt 100€ ganze 105€ haben.
Allerdings gibt es ganz reale Gründe, warum Zinsen gezahlt oder gefordert werden durch Banken:
Wenn ich 100€ auf ein Bankkonto für 1 Jahr anlege, dann verzichte ich heute darauf, dass Geld für etwas anderes (etwa einen Designertoaster) auszugeben. 100€ heute sind jedoch mehr wert als 100€ morgen. Warum ist das so? Das hat mehrere Gründe: Zum einen sorgt die Inflation dafür, dass man zwar noch einen 100€ Schein in einem Jahr hat, allerdings kann man sich nur Dinge kaufen, die man heute auch mit 97€ kaufen könnte. Wer also Geld unter dem Kopfkissen bunkert, verbrennt jährlich einen Teil davon. Zum anderen bevorzugen die Menschen es lieber heute etwas zu konsumieren als morgen. Wenn du keinen Laptop hast und Mac Fan bist und ich dir heute ein MBP im Wert von 2000€ anbiete oder in fünf Jahren ein MBP im Wert von 2100€ (Inflation rausgerechnet), dann würden sich die meisten für einen MBP heute entscheiden. Man will also für diese Faktoren entschädigt werden. Der Zins ist also so etwas wie eine "Entschädigung".
Bei Banken verhält es sich genauso. Zusätzlich kommen bei ihnen noch Kosten für die Verwaltung, Risikoaufschläge (Kreditausfallrisiko muss berücksichtigt werden) und und und dazu und das ergibt den Zins, zu denen sie dir Geld leihen. Der Leitzins der EZB beeinfluss hierbei den Zins erheblich, da sich Banken das Geld von der EZB holen.
Daher lohnt es sich derzeit Kredite aufzunehmen, während man für Spareinlagen derzeit wenig Zinserträge erwarten darf.
Was Aktien angeht:
Aktienkurse und Kapitalmarktbewertungen sind losgelöst von den Buchwerten der Unternehmen.
Wenn die Aktienkurse um 10% einbrechen, dann hat das Unternehmen nicht plötzlich einen Seitenflügel im Hauptgebäude verloren.
Vielmehr haben Unternehmen am Kapitalmarkt zu denen Aktiengesellschaften wie Apple gehören einen großen Pool von Anteilseignern. Diese Leute besitzen Anteile an Apple. Apple hatte diese Anteile irgendwann emittiert um sich die ganzen Investitionen leisten zu können. Ohne die Möglichkeit durch Aktien viele kleinere Anleger zu erreichen, die zusammen aber sehr viel Kapital in das Unternehmen einsetzen, würden viele große Unternehmen von wenigen reichen Investoren abhängig sein und selbst dann könnten sie nicht genug Kapital generieren, um bestimmte Investitionen zu tätigen.
Aktienkurse berechnen sich aus den Erwartungen dieser Anteilseigner. Man berücksichtigt Wertentwicklung, zukünftige Gewinne, Marktentwicklungen, ökonomische Umstände und und und. Dafür beschäftigt man Analysten.
Natürlich hat jeder seine Methoden, aber die Analysten versuchen zumindest eine tendenzielle Einschätzung zu liefern. Wenn ich glaube, dass mein Anteil mir im Ewartungswert 500€ generieren wird, dann kaufe ich von allen Leuten, die denken, dass die Aktien einen Ewartungswert von 490€, von 480€, von 467€ haben. Die Leute kaufen und verkaufen solange bis sich ein Aktienkurs einpendelt. Wenn der Aktienkurs bei 510€ ist und ich aber eine pessimistische Einschätzung habe, dann werde ich meine Aktien verkaufen. Das führt dazu, dass die Leute Aktien halten, die dem Unternehmen eine positive Entwicklung zutrauen. Erwartungen sind jedoch sehr volatil. Wenn eine Nachrichtenmeldung erklärt, dass eine Foxconn Fabrik zum Stillstand gekommen ist, dann ändern pessimistische Anleger ihre Erwartungen drastisch und es kommt zu verstärkten Handel, der den Aktienkurs nach oben (positive Tendenz einer Nachricht in den Augen der meisten Anleger) oder nach unten (die meisten Anleger hören eine negative Tendenz aus der Nachricht raus).
Ein Unternehmen wie Apple hat damals in der Uni bei Financial Contracting aufgepasst und entlohnt Führungskräfte mit langfristigen Aktienoptionen. Sie dürfen also zu bestimmten Zeitpunkten, wenn sie im Unternehmen noch sind, die gehaltenen Aktien verkaufen. Das führt dazu, dass Leute wie Tim Cook große Anreize haben, dass Unternehmen gut zu führen und hohe Gewinne auf lange Sicht zu generieren. Dadurch, dass die Haltedauern meist bei 5 bis 10 Jahren sind und dazu noch gestaffelt sind, kann man nicht kurzfristig einfach nur den Gewinn maximieren, sondern muss eine langfristige Strategie entwickeln. So etwas führt dazu, dass Unternehmen wie Apple erfolgreich sind und ihre besten Köpfe auch halten können. Das wiederum führ dazu, dass das Unternehmen gut läuft und der Kurs weiter steigt.
Derzeit würde ich meinen, dass viele Investoren Kursgewinne mitgenommen haben. Selbst wenn ich erst vor einen Jahr Appleaktien gekauft habe zu einer Zeit, in der Apple nun wirklich kein Geheimtipp mehr war, konnte ich enorme Gewinne einfahren. Dann verkaufe ich lieber Anteile und steige erst wieder ein, wenn die Aktie wieder eine positive Tendenz hat.
Zum Thema Analysten:
Diese Leute versuchen mit statistischen Methoden Märkte zu untersuchen und Erwartungen zu bilden.
Was viele falsch machen (auch Apfeltalk in vielen Meldungen) ist diese Erwartungen als eine Art Prognose zu betrachten.
Prognosen, die schon nur Wochen in die Zukunft schauen, haben einen enormen Fehlerterm, geschweige den von Prognosen, die einen Markt im Jahr 2016 beschreiben.
Ein Beispiel:
Jetzt ist 2012: Ich habe einen gut bezahlten Job und verdiene 100000€. Meine Frau liebt mich.
Prognose für 2013: Verdienst: 102000€. Frau liebt mich noch mehr.
Prognose für 2014: Verdienst: 105000€. Frau und Neugeborenes lieben mich.
Prognose für 2015: Verdienst: 110000€. Man könnte sich ein neues schickes Haus kaufen.
Jetzt ist 2013: Ich habe meinen Job verloren und bekomme Arbeitslosengeld. Mein Frau hält zu mir.
Prognose für 2014: Neuer Job: Verdienst: 60000€. Frau hilft mir in schweren Zeiten.
Prognose für 2015: Erneuter Aufstieg: Verdienst 90000€. Frau und Neugeborenes gaben mir Kraft und ich bin wieder fast der alte.
Jetzt ist 2014: Ich habe immer noch keinen Job gefunden, bekomme Hartz IV. Ersparnisse sind weg. Meine Frau will die Scheidung.
Prognose für 2015: Ich komme von Hartz IV weg und meine Frau und ich bleiben zusammen.
Jetzt ist 2015: Hartz IV und geschieden.
Für jedes Jahr mögen die Erwartungen nachvollziehbar gewesen sein. Allerdings können äußere Umstände die Erwartungen völlig durcheinander werfen.
Insbesondere in Märkten, in denen Apple aktiv ist, kann der Markt jedes Jahr neu aussehen und Prognosen sind mit großer Vorsicht zu genießen und nur für Kaufentscheidungen von Anteilseignern in der kurzen Frist nützlich. Ein großes Risiko bleibt immer.
Analysten dienen nur als grobe Orientierungshilfe, aber sie können keine exakten Prognosen treffen. Wäre dies der Fall, so wären sie binnen kürzester Zeit die reichsten Menschen dieser Welt.