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Festplatten-Dienstprogramm und Seltsamkeiten bei NTFS-Platte

Dieses Thema im Forum "macOS & OS X" wurde erstellt von kawaii, 15.12.06.

  1. kawaii

    kawaii Meraner

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    Ich hänge eine externe, NTFS Firewireplatte an meinen Mac Pro, um diese neu (mit Mac OS Extended) zu formatieren. Seltsamerweise zeigt mir das Festplatten-Dienstprogramm nur 128 GB an, obwohl es sich um eine 160 GB (angezeigt werden sollten also 149 GB) Platte handelt. Wenn ich jedoch das Info-Fenster im Finder aufrufe, wird mir die ganz normale Kapazität präsentiert. Auf die Daten kann ich auch (nur lesend selbstverständlich) ganz normal zugreifen. Es gelingt mir nur nicht, die Platte mit ihrer gesamten Kapazität neu zu formatieren, bzw zu "löschen" wie es im Dienstprogramm heißt. Das klappt erst, nachdem ich die Partition in Windows platt mache.

    Was ist da los? Woran liegt das?
     
  2. Rastafari

    Rastafari Golden Noble

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    Vermutlich an einer bereits vorhandenen Partitionstabelle mit irreführend falschen Daten. Das FP-DP versucht, "safe" zu arbeiten und übertreibt es dabei ein klein wenig.
    (Sowas ist ja eigentlich auch nur für fabrikneue Platten gedacht, die wirklich leer sind.)

    Du kannst die Platte aber auch am Mac total "plätten", bevor du sie zur Brust nimmst. Entweder aus dem Terminal heraus (z.B. mit 'dd') oder im FP-DP mit der Option "Medium mit Nullen überschreiben".
    Dabei musst du nicht stundenlang warten. Es genügt völlig, die ersten paar Sektoren der Platte zu putzen.
    D.h.: Kurz nach dem Beginn der Löschphase abzubrechen, die Platte dann zu trennen und alle offenen Fenster des FP-DP zu schliessen. Beim erneuten Anschliessen der Platte ist sie dann "wirklich" total leer (wie neu).
     
  3. kawaii

    kawaii Meraner

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    Ich hab das jetzt mal so gemacht, wie von dir beschrieben. Also überschreiben mit Nullen, nach 'ner guten Minute abgebrochen, Platte dismountet, FD zu, Platte wieder dran, FD auf...

    OS X besteht weiterhin auf 128 GB. o_O

    Es kann doch nicht sein, dass ich den restlichen Platz erst wieder nutzbar bekomme, indem ich mit Windows an der Platte rumwerkel. Das schockiert mich irgendwie ein bisschen.
     
  4. Rastafari

    Rastafari Golden Noble

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    Nein, das kanns nicht sein, das kann man so abnicken.
    Wäre jetzt aber interessant herauszufinden, wo der Wurm genau steckt, anstatt bloss nach Notlösungen zu suchen. Das letzte mal als ich sowas sah, war ein nachträglich eingebauter ATA-Adapter mit veralteter Firmware schuld, dass der Rechner überhaupt keine Platte mehr mit mehr als 127 Gig verwenden wollte.... Das kann verzwickt sein.

    Hast du PCI/PCI-X Steckkarten nach- oder auf-gerüstet?
    Wenn ja, welche? (und ich meine Karten jeder Art)

    Hast du weitere Geräte am FW-Bus hängen?
    Wenn ja - bringt es irgendwas, wenn du sie entfernst?

    Hast du das ganze schon unter einem "sicheren Systemstart" ausprobiert um sicherzustellen, dass keine Fremdsoftware den Murks fabriziert?

    Hast du schon mal probiert, ob bei der Partitionierung der Platte tatsächlich nur die ersten 128 GB genutzt werden, oder ob es sich dabei nur um einen Fall von falscher Anzeige handelt?
    ("April, April...")

    Besteht diese Beschränkung auch, wenn du unter "Optionen" ein anderes Partitionierungsschema wählst?
    (Apple/GUID/MBR)

    Hast du vielleicht auch schon mal den Weg "durch den Keller" probiert und das ganze vom Terminal aus versucht?
    (mit "diskutil partitionDisk", "pdisk", "fdisk" oder "gpt" ?)

    Hast du Zugang zu einem anderen Mac (anderes Modell, am besten PPC), um zu sehen ob das dort ebenfalls auftritt?

    Hast du schon mal nachgeforscht, obs für die FireWire Bridge (bzw für das Gehäuse) Firmware-Updates gibt, die du dir laden solltest?
    Was isses denn für ne Marke/Modell etc?
    Und welche Informationen hält denn der System Profiler ("über diesen Mac...") sonst noch so über Gehäuse und Platte bereit? Was meint der denn dazu?
     
  5. kawaii

    kawaii Meraner

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    Damit hast du offenbar den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich habe die Platte jetzt gerade mal in ein anderes Gehäuse gesteckt und - oh Wunder! - das FD zeigt mir nun endlich die normale, volle Kapazität an. Ich danke dir! Da wäre ich ohne dein Posting mit Sicherheit erstmal eine ganze Weile nicht drauf gekommen.

    Wo wir gerade bei Dateisystemen und dem FD sind, kannst du mir vielleicht noch zwei Fragen dazu beantworten?

    a) Was genau macht unter OS X dieses ominöse "Journaling"? Das Dateisystem "Mac OS Extended" existiert ja mit und ohne "Journaled". Worin besteht in der täglichen Praxis der Unterschied?

    b) Ich habe beim formatieren der Platte - mit Mac OS Extended (Journaled) - gerade festgestellt, dass ich einen Tick weniger Speicherplatz frei habe, als vorher unter NTFS. Es sind 63 MB bereits belegt. Ist das normal? Hat das mit dem Journaling zu tun?
     
  6. Rastafari

    Rastafari Golden Noble

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    Ein aktiviertes Journaling kostet dich als permanent aktive Zusatzfunktion ein kleines bisschen Festplattenperformance. (im nur mit Anstrengung messbaren, aber nicht wahrnehmbaren Bereich.)

    Aber es bringt einen gewaltigen Zuwachs an Datensicherheit, falls zB mal genau während eines Schreibzugriffs auf die HD der Strom ausfällt oder ähnlich schlimme Dinge passieren, die früher den Unix-Benutzern schlaflose Nächte in Folge beschert haben. Unerwünschte Seiteneffekte gibt es dadurch jedenfalls nie.
    Lass es auf jeden Fall an. Und zwar auf allen Festplatten.

    Wenn du aber zB ein Image vorbereitest, das du auf CD/DVD brennen willst, dann kannst du dieses gerne ohne Journaling anlegen, um dort ca. 8 MB mehr nutzbaren Speicherplatz zu gewinnen. Auf Medien, die man sowieso nicht beschreiben kann, hat es nämlich gar keine Wirkung. Da bringt es so viel wie ein Eunuch auf der Samenbank.

    Bei Images aber, die du später komprimiert speichern und zB archivieren willst, kannst du dir das auch schenken. Da wird das Journal sowieso automatisch weggelassen, und bei einer Rückumwandlung in ein beschreibbares Volume auch von alleine wieder neu angelegt.

    WARNUNG (Nur so. Wird wahrscheinlich nie passieren, aber trotzdem):

    Falls du jemals in die Verlegenheit kommen solltest, ein HFS Extended Volume an einem alten Mac mit OS 8.x oder 9.x (also ein nativ gebootetes, kein Classic Environment), oder zB an einem PC zu bearbeiten, der solche Volumes zu lesen imstande ist, dann wirst du im Stammverzeichnis des Volumes evtl. mehrere unsichtbare Objekte vorfinden, die du unter OS X niemals sehen kannst. Bei manchen Menschen lösen solche unheimlichen Begegnungen Schweissausbrüche und den Hang zu ungebremstem Löschwahn aus. Au au...

    Dazu gehören mehrere Dateien, die ein 'journal' im Namen tragen (das *ist* dieses ominöse Journal) sowie ein Ordner namens "HFS+ Private Data" mit evtl gaaaaanz vielen Dateien darin.
    Rühre diese Objekte niemals auch nur im geringsten an, oder du bist so tot wie ein in Salzsäure frittierter Kaugummi.

    Naja, DU natürlich nicht. Aber wenn du den Inhalt deines Volumes danach siehst, wirst du dir vielleicht wünschen, es zu sein...

    Details darüber liest du bei heftigem Interesse vielleicht besser nach ein paar Semestern Informatikstudiumhier nach. Da steht alles bis zur letzten Schraube dokumentiert. Nuts and Bolts of HFS+
    Sieh aber lieber vorher zu, dass du auch genügend Cracker, Tiefkühlpizza und Mokka oder Espresso im Haus hast. Und eine frische Brille falls angesagt. Da wirds dir warm beim lesen... :)

    Wie schon mal erwähnt, ein journal belegt in den Standardeinstellungen etwa 8 MB, bei grösseren Volumes wird es schrittweise mehr. (8 MB pro angefangene 100 GB Volumegrösse, maximal bis zu 512 MB, um genau zu sein.)

    Auch die anderen Verwaltungsstrukturen von HFS Volumes brauchen etwas Platz der kontinuiierlich grösser eingeplant wird, je grösser das Volume ist. Wenn das als ein für "Allround Use" gefällter Kompromiss meist recht gut getroffene, vorausgeplante Mass während des Betriebs dann doch mal zu knapp werden sollte und mehr Raum für die Organisation der Daten benötigt wird (ganz unabhängig von den Dateiinhalten selbst), beispielsweise wenn du sehr viele Dateien oder Ordner anlegst, deren Namen, Geburtsdatum, Zugriffsrechte und all diese Infos ja auch irgendwo untergebracht werden müssen ("Metadaten" == "Daten über die eigentlichen Daten"), dann werden diese Strukturen "on the fly" dynamisch erweitert, wiederum schrittweise.

    Das bringt das System immer kurz ins Stocken, weil das einer Art von "häppchenweiser Formatierung" gleichkommt, und das ist programmtechnisch schon recht aufwändig. Also plant man grosszügig genug, dass das nicht zu allzu oft geschieht. Passiert aber allerdings eh nicht besonders oft, denn wenn es einmal geschehen ist, bleibt die Grösse bestehen, auch wenn du wieder Dateien löscht. (Einmal aufgebläht - immer aufgebläht.) Solange bis du halt NOCH mehr Dateien als vorher... und so weiter...

    Nachdem du zB ein komplettes OS X mit allen Schikanen, Druckern, Sprachen, Xcode, iLife und und und installiert hast, und du würdest all die Dateien und Ordner danach gleich wieder löschen, dann würdest du feststellen, dass diese Verwaltungsstrukturen auf (grob geschätzt) rund 200-300 MB angeschwollen sein dürften, was wie gesagt permanent ist (nur durch neu formatieren geht das wieder weg).
    Und mit Verlaub, selbst das ist noch SEHR WENIG (relativ).
    Fang mal an, ein NTFS in Betrieb zu nehmen und fülle es mit Daten. Da wirst du aber staunen, wie das regelrecht explodiert. Da fressen diese Strukturen nach einer Windows XP Pro Installation schon fast genauso viel. Das macht aber noch nicht mal 10% der Anzahl Dateien und Ordner eines OS X aus. Spielst du eine komplette Kopie von OS X auf ein NTFS Volume auf, bekommt das einen Wasserkopf, der sich sogar in medizinischen Fachbüchern sehen lassen kann. Da brauchst du dir um "defragmentieren" keinen Kopf mehr zu machen, denn da gibt es fast nichts mehr an Platz, wo noch was zum fragmentieren möglich wäre.
    "Zwangsdefrag - some Patents pending". :)

    Und dann erst fängt das Journal auf dem NTFS zu laufen an, das ETWAS grosszügiger mit Platzbedarf um sich wirft als HFS ... dann dazu noch die Systemwiederherstellung ("Driver Rollback"), der Indexdienst von XP (anstatt Spotlight), die Listen zu erweiterten Dateiattributen und Zugriffsrechten, evtl benutzte Streams .......... ram tam tam, ram tam tam...
    (Der Fairness halber: das Full Content Journaling von NTFS ist auch um einiges anspruchsvoller konzipiert als das reine Metadaten-Journal von HFS. Würde Apple das genauso machen, dann bräuchten die diese exzessive Menge Platz dafür natürlich ebenso. Ein HFS+ Journal wächst nie an, weil es auch gar nie wachsen muss. Da wird was völlig anderes aufgezeichnet als beim NTFS, der direkte Vergleich gültet hier also nicht.)

    Bei anderen Dateisystemen dagegen sind diese Strukturinformationen meist statisch bemessen und nehmen von vorneherein den maximalen Raum ein, den sie haben können. Bei typischen "iNode"-basierten FS mit Herkunft aus der Unixwelt (zB Apples UFS, die diversen Linux ext-Varianten, XFS, ReiserFS oder sowas) fressen die Strukturdaten (eben diese "iNodes") sowie ein aus Sicherheitsgründen für das System selbst vorbehaltener "Headroom" zusammen nicht selten geschlagene 10-20% der Gesamtkapazität.
    Wenn du nachrechnest: Bei HFS+ liegt das (frisch formatiert) noch unterhalb der Promillegrenze.
    Da kann man gut leben mit... :)
     
  7. kawaii

    kawaii Meraner

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    Danke dir für diese sehr detailierten Ausführungen!

    Noch eine letzte, klitzekleine Anfrage... ich schäme mich ja fast zu fragen... Ok... *räusper'... here I go: Gehe ich Recht in der Annahme, dass "HFS+" gleich "Mac OS Extended" ist?

    PS: Ich könnte mir nen Eunuchen durchaus in der Samenbank vorstellen - im Empfang, im Labor - den würde man schon unterbringen. ;)
     
  8. Rastafari

    Rastafari Golden Noble

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    Yep.

    "HFS" ist "HFS Standard" oder "Mac OS Standard".
    "HFS+" ist "HFS Extended", "HFS Plus" oder "Mac OS Extended".

    Die Ausdrucksweise mit "Mac OS" ist dabei der offizielle Terminus von Apple für den Benutzer, die Marketingvariante, so wird es überall in der Software von Apple angezeigt. Seit einigen Jahren jedenfalls strikt verwendet, davor sah man das lockerer. Der Name "HFS" bzw "HFS+" ist eigentlich nur die interne Bezeichnerschreibweise für Entwickler, aber schon sehr viel länger gang und gäbe überall.

    Es gibt dann noch Varianten in der Schreibweise mit einem "J" dazu, die sollen klarstellen dass ausdrücklich *mit* Journaling gemeint ist.

    Und dann noch die neueste Entwicklung "HFSX", die offiziell unter "Mac OS Extended mit Gross/Kleinschreibung" läuft.
    (Sollte man aber nur dann darüber nachdenken das zu benutzen, wenn man *sehr* genau weiss warum man das *unbedingt braucht*.)

    Und dann gibt es bei Apple noch "UFS", das steht aber für "Unix Filesytem" und hat mit der HFS-Familie nicht im geringsten was zu tun.
     

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