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  1. #11
    Rheinischer Krummstiel
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    Zitat Zitat von Jenso Beitrag anzeigen
    Zutiefst undemokratisch aber ist die Idee, nur Toleranten gegenüber Toleranz zu üben!
    Sehr gut gesagt, das unterschreibe ich gern. Scheinbar sind bei eurem Fest der Demokratie (welches ich an sich für eine sehr schöne Idee halte) noch nicht alle demokratischen Werte durchgedrungen, anders kann ich mir nicht erklären, dass das Grundrecht zur Demonstration deiner Meinung nach (commander) für die einen gelten soll, für andere nicht.

    Gruß,
    webbi

  2. #12
    Jenso
    Inaktiv
    Wie webbi schon sagte, und dem schließe ich mich (über meine eigene Kritik hinweg) gern an: ein „Fest der Demokratie“ empfinde auch ich als grundsätzlich (wenn auch nicht neue) „schöne Idee“ - diese sollte aber stimmig durchgeführt werden.

  3. #13
    inaktiv
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    @commander

    Oh ich kann im alleinigen "Berufen auf christliche Werte im christlichen Abendland" sehr wohl etwas anstößiges finden:

    "Noch heute verbinden manche mit dem Begriff "Christliches Abendland" Erinnerungen an eine große Geschichte, Stolz und Herausforderung. Nachteilig wirkte sich die darin liegende Trennung zwischen 0st und West und die Gefahr eines elitären Bewußtseins aus, das im Abendland den Hort des Christentums und höherer Kultur sieht. Auch werden damit leicht andere große Kultureinheiten der Geschichte und Gegenwart wie China und Indien ausgeblendet oder unterschätzt."

    Dieses berufen auf das christliche Abendland hat mehr Menschen das Leben gekostet als in allen anderen Diktaturen zusammen... das ist einfach nur ein paar Jahre länger her und da haben diese christlichen Vereine einfach glück gehabt sonst währe dieses Kreuz auch als Verfassungsfeindlich verboten worden. Die christlichen Kirchen mit ihren Evangelien und Dogmen sind soweit von Demokratie entfernt wie nur irgendwas und ganz speziell die Katholiken mit ihrem "Führer" Denken in Form des Papstes bilden die abendländische Grundlage für Auswüchse wie Hitler.

    ansonsten gebe ich Jenso recht, es bringt doch nichts Demos zu verbieten auch wenn mir deren Ansichten nicht gefallen, das untergräbt unsere Demokratie, protestiert gegen die Ursachen die den Nährboden für solches Gedankengut bilden dann ist allen geholfen, rechtsradikales Gedankengut und Revisionismus sind gerade in den Reihen der CSU so verbreitet wie sonst nirgendwo. Da wird verdreht, geleugnet und die Geschichte zurechtgebogen was das Zeug hält um die "alten" "christlichen" "faschistischen" "rassischtischen" Ideale und Ansichten auch heute wieder hoffähig zu machen. Die Beispiele kenne wir alle aus der jüngsten Vergangenheit (Trauerrede). Es ist immer einfach für den Mob gegen den ihm präsentierten Sünden Bock zu Felde zu ziehen (häßliche, gewalttätige Glatzen und Faschos) aber damit wird er auch prima vom eigentlichen Problemen abgelenkt und geht ganz schnell wieder zur Tagesordnung über da sind die Methoden seit tausenden von Jahren gleich und siehe da sie funktionieren immer noch Prima.

    und @streuobstwiese

    Zivilcourage währe es gewesen wenn tausende auf die Straße gegangen währen um die Brut die zu Oettingers Trauerrede geklatscht haben und ihn selbst aus dem Amt zu fegen aber nachdem es für die Presse langweilig wurde war auch der Mob wieder still und heute ist wieder alles beim alten mit den gleichen Ansichten.

  4. #14
    Baldwins roter Pepping
    Themenstarter
    Avatar von commander
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    Schön, drehen wirs mal andersherum:

    Wohin die Toleranz gegenüber Intoleranten im letzten Jahrhundert geführt hat, ist hier wohl jedem klar, oder? Wäre die Weimarer Republik da etwas stärker und wehrhafter in der eigenen Sache gewesen, wäre millionenhaftes Leid verhindert worden.

    Dass die v.a. (aber nicht nur) die katholische Kirche in der Vergangenheit viel Schuld aufgeladen hat und auch heute noch eine zweifelhafte Weltsicht (hierarchisch) predigt, bestreite ich nicht. Dass faschistische Ideologien dem (modernem) christlichen Weltbild (menschlich) diametral gegenüberstehen, ist in meinem Verständniss aber ebenfalls klar.

    Letztlich läuft (und lief) die Veranstaltung in Wunsiedel ja nicht in erster Linie darauf hinaus, die Idiotendemo zu verhindern, das war nur ein sich daraus ergebender Nebeneffekt - wie man sieht, sind die Gerichte selbst da uneins und genehmigen eine Demo andernorts, die sie hier und in München verbieten...

    Inwieweit so eine Demo also Grundrechte ebenso verletzt wie sie sie einfordert, darüber sind sich nicht mal die Richter auf Landesebene einig.

    Ich gebe Euch in einem Punkt Recht: die Ursachen faschistischer Gesinnungsbildung zu beseitigen ist immer der bessere Ansatz, aber bekanntermassen undemokratischen, gewaltätigen und vor der historischen Realität die Augene verschliessenden Leuten muss man nicht ganze Innenstädte zur Schaustellung ihrer wirren Überzeugungen überlassen. Und genau das ist in Wunsiedel früher passiert, ja, Wunsiedel war _das_ europäische Haupttreffen der Faschos und hat den rechten Gruppen ein positives Gefühl gegeben, eine Plattform, um ihre Stärke zu demonstrieren und das wurde allmählich zum Selbstläufer. Wäre man nicht seitens der Bürgerschaft dagegen eingetreten, würden heute wahrscheinlich 10000 Rechtsradikale hier ihr vom Grundgesetz garantiertes Recht auf 'freie' Meinungsäusserung etc. in Anspruch nehmen. Und das wäre wirklich ein Armutszeugnis für eine Demokratie, die anscheinend nicht mal in der Lage ist, ihre ärgsten inneren Feinde in die Schranken zu verweisen - vom Triumphgefühl der Neonazis mal ganz abgesehen.

    So wie es jetzt läuft, wurde den Rechten dieser 'Nationalfeiertag' abgenommen, die Gruppen 'feiern' den Heß-Todestag zersplittert andernorts - das ist nicht schön, aber angesichts der drohenden Entwicklung wenigstens ein Fortschritt, denn statt tausender kamen heute nach Gräfenberg gerade mal 150.

    Oder sollte man eurer Meinung nach den Rechtsradikalen jeden Weg ebenen, um eine Art Kulttag in einer Kleinstadt zu installieren?

    Gruß,

    .commander
    Geändert von commander (19.08.2007 um 00:52 Uhr)
    S3!d V0251cAt1g m17 d3m w45 1h2 54g7.

    Besuche DIE Schwammerlseite


    Mucke: Blunzn Flönz

  5. #15
    Jenso
    Inaktiv
    Ich glaubte eigentlich, alles sei gesagt, aber gern nochmals ein wenig:

    Es geht nicht darum, Idioten, „Faschos“ oder wem-auch-immer eine Demo zu genehmigen oder gar deren Zustandekommen zu erleichtern, sondern darum, keine Demo zu verbieten und - vor allem - nicht selbst mit zweierlei Maß zu messen!

    Das zwanzigste Jahrhundert als ein Ausbund von Toleranz darzustellen, welches die bekannten Schrecken sodann erst ermöglicht hätte, ist etwas geschichtsklitterig: da gab es eine ganze Reihe anderer, wahrscheinlich bedeutenderer Faktoren und auch die hießen aus meiner Sicht: zweierlei Maß und gespaltene Zunge!
    (Meist verdeckter) Handel und Wandel vieler anderer europäischer Staaten mit dem faschistischen Italien und dito dem nazionalsozialistischen Deutschland sowie der diktatorisch-scheinsozialistischen UdSSR; Folgen intoleranter Reparationspolitik (Versailles); weitverbreiteter, höchst intoleranter Antisemitismus und (in D) vollkommen fehlende demokratische Kultur (auf den divergenten Enden der politischen Skala).
    Alles eher Folgen fehlender als (wie von Dir angenommen) übermäßiger Toleranz.

    Das ganze eben fällt mir schnell/spontan ein, da muß man also nicht einmal lange oder gar tiefer schürfen - es gäbe sicherlich noch eine Menge weiterer Punkte, die man fundiert auflisten könnte, allein, mir fehlt die Zeit (und die Lust dazu, ehrlich gesagt, auch).

    Etwas polemisch kommt Deine Schlußfrage, lieber commander, daher: ob „wir“ denn wollten, daß man Rechstradikalen den Weg zu „Kulttagen“ in Kleinstädten öffnen solle! - „Wir“ behaupten ja auch nicht, in jeglicher Kleinstadt würde überall und sogleich mit verschiedenem Maß gemessen und die Demo-Verbots-Keule geschwungen…

    Es möge ein jeder nach seiner Façon seelig werden. - Bin wohl doch eine Art Preuße!

    Glück und Freiheit
    Jens

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